Unternehmen stehen häufig vor der Herausforderung, dass ihre Rentabilität über einen längeren Zeitraum nicht den Erwartungen entspricht. In Zeiten, in denen sich das Zinsumfeld geändert hat, die Marktaussichten ungewisser geworden sind und Vorausschau in die Zukunft schwieriger erscheint, ist es unerlässlich, immer wieder die Rentabilität der einzelnen Geschäftsbereiche zu hinterfragen. Dieser Zustand kann, wenn nicht rechtzeitig adressiert, zu einer existenziellen Krise führen. Entscheider müssen in solchen Situationen schwierige Entscheidungen treffen, die über das Schicksal des Unternehmens bestimmen: Soll das Geschäft restrukturiert (fix it), verkauft (sell it) oder geschlossen werden (close it)? Ein strukturierter Ansatz, wie er in der Unternehmensberatung und insbesondere in den Business Recovery Services von Rödl & Partner verfolgt wird, bietet hier Orientierung.
Analyse des Status quo
Der erste Schritt zur Bewältigung von Rentabilitätsproblemen besteht in einer umfassenden Analyse der aktuellen Situation. Eine detaillierte Prüfung der finanziellen, operativen und strategischen Faktoren gibt Aufschluss über die Ursachen der Schwäche. Häufig liegen die Probleme in ineffizienten Prozessen, hoher Kostenstruktur, fehlender Marktanpassung oder gar in externen Faktoren wie veränderten Kundenbedürfnissen.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Einschätzung der Krisenphase. Handelt es sich um eine temporäre Krise, die durch kurzfristige Maßnahmen überwunden werden kann, oder ist die Problematik strukturell und damit schwerer zu beheben? Hierfür sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie EBIT, Cashflow und Eigenkapitalquote essenziell. Auch qualitative Faktoren wie die Innovationsfähigkeit des Unternehmens und die Qualität des Managements müssen bewertet werden.
Die möglichen Optionen (fix it, sell it und close it) werden auf Machbarkeit geprüft und die Vor- und Nachteile im Hinblick auf Kosten, Zeit oder Arbeitsplätze berechnet.
Option 1: Fix it
Die Restrukturierung des Unternehmens ist oft die erste Option, wenn Rentabilitätsprobleme auftreten. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern, die Kosten zu senken und neue Wachstumspotenziale zu erschließen. Dies kann über verschiedene Ansätze erreicht werden:
- Operative Restrukturierung: Optimierung der Prozesse, Digitalisierung und Automatisierung können helfen, Kosten zu reduzieren und die Produktivität zu steigern.
- Finanzielle Restrukturierung: Umschuldungen oder die Einwerbung neuen Kapitals bieten finanzielle Entlastung. Zugleich sollte auf eine strengere Budgetkontrolle geachtet werden. Hierbei bietet auch das StaRUG (Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen) Unternehmen die Möglichkeit, eine außergerichtliche Sanierung unter gerichtlichem Schutz umzusetzen. Dieses Instrument ergänzt insbesondere komplexe operative Restrukturierungen, indem es Gläubigerverhandlungen strukturierter gestaltet und rechtliche Sicherheit bietet.
- Strategische Neuausrichtung: Eine Anpassung des Geschäftsmodells an Marktveränderungen oder die Erschließung neuer Geschäftsfelder können neue Wachstumsimpulse geben.
Die Implementierung eines Turnaround-Plans erfordert Disziplin, Schnelligkeit und die Fähigkeit, alle Stakeholder einzubinden. Kommunikation spielt dabei eine entscheidende Rolle, um Vertrauen bei Mitarbeitern, Kunden und Gläubigern zu erhalten.
Darüber hinaus ist es wichtig, Innovationspotenziale frühzeitig zu erkennen und zu fördern. Unternehmen, die in der Lage sind, auf technologische Trends zu reagieren oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, können langfristig wieder wettbewerbsfähig werden. Auch Kooperationen oder Partnerschaften mit anderen Unternehmen können helfen, Ressourcen zu bündeln und Risiken zu minimieren.
Option 2: Sell it
Ein Verkauf des Unternehmens oder einzelner Geschäftseinheiten kann eine sinnvolle Lösung sein, wenn die Restrukturierung keine Aussicht auf Erfolg hat oder wenn die Eigentümer strategische Neuausrichtungen anstreben.
- Zeitpunkt des Verkaufs: Entscheidend ist, dass der Verkauf in einer Phase erfolgt, in der der Unternehmenswert noch optimiert werden kann. Ein überhasteter Verkauf in der Krise führt oft zu einem deutlichen Wertverlust.
- Zielgruppenanalyse: Mögliche Käufer können Wettbewerber, Finanzinvestoren oder strategische Partner sein. Eine gezielte und professionelle Ansprache dieser Gruppen maximiert die Erfolgschancen.
- Verhandlungsstrategie: Transparenz und eine professionelle Verkaufsbegleitung durch Experten sind entscheidend, um einen fairen Preis und akzeptable Bedingungen zu sichern.
Ein Verkauf muss dabei nicht immer das Ende eines Unternehmens bedeuten. In manchen Fällen können bestimmte Geschäftsbereiche ausgegliedert und verkauft werden, um das Kerngeschäft zu stabilisieren. Diese sogenannte „Carve-out-Strategie” ermöglicht es, finanzielle Mittel zu generieren und sich auf profitable Kernaktivitäten zu konzentrieren.
Option 3: Close it
Die Schließung des Unternehmens ist die Ultima Ratio, wenn keine der anderen Optionen praktikabel erscheint. Dieser Schritt sollte gut durchdacht und professionell begleitet werden, um rechtliche, finanzielle und soziale Konsequenzen zu minimieren.
- Insolvenzverfahren: In vielen Fällen ist ein geordnetes Insolvenzverfahren sinnvoll, um die Interessen aller Beteiligten zu wahren. Dabei können verbliebene Werte bestmöglich realisiert werden. Insbesondere die Insolvenz in Eigenverwaltung stellt eine interessante Option dar, da das Management weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen behält und unter Aufsicht eines Sachwalters einen Restrukturierungsplan erarbeitet. Der Schutzschirm als spezielle Form der Eigenverwaltung bietet dabei zusätzliche Vorteile: Unternehmen können sich gezielt vor Gläubigermaßnahmen schützen und haben die Chance, innerhalb eines klar definierten Zeitrahmens tragfähige Lösungen zu entwickeln. Diese Instrumente können auch in der Restrukturierungsphase (Fix it) genutzt werden, um das Unternehmen auf nachhaltige Beine zu stellen.
- Solvente Liquidation: Eine solvente Liquidation stellt eine Alternative zur Insolvenz dar, wenn das Unternehmen zwar nicht mehr fortgeführt werden soll, jedoch über ausreichend liquide Mittel verfügt, um sämtliche Verpflichtungen zu erfüllen. Dieser Ansatz ermöglicht es, das Unternehmen kontrolliert und geordnet abzuwickeln, ohne Gläubigerinteressen zu gefährden. Dabei können Restwerte wie Immobilien, Patente oder Maschinen verkauft werden, um die Rückflüsse zu maximieren. Zudem bietet die solvente Liquidation den Vorteil, die Reputation der Gesellschafter und des Managements zu schützen, da keine formellen Insolvenzverfahren erforderlich sind.
- Kommunikation: Eine offene und transparente Kommunikation mit Mitarbeitern, Kunden und anderen Stakeholdern ist essenziell, um Vertrauen und Reputation soweit wie möglich zu erhalten.
- Lehren für die Zukunft: Eine Analyse der Fehler und eine Dokumentation der Erfahrungen können wertvolle Erkenntnisse für zukünftige unternehmerische Vorhaben liefern.
Auch die Einbindung der sozialen Verantwortung spielt eine Rolle. Maßnahmen zur Unterstützung der betroffenen Mitarbeiter wie Umschulungen oder Abfindungen tragen dazu bei, den Schließungsprozess sozialverträglich zu gestalten und den Unternehmenswert in der Außendarstellung zu bewahren.
Die Rolle externer Berater
In jeder dieser Phasen spielen externe Berater eine entscheidende Rolle. Sie bringen nicht nur Fachwissen und Erfahrung ein, sondern auch eine neutrale Perspektive, die in Krisensituationen oft fehlt. Die Business Recovery Services von Rödl & Partner sind ein Beispiel für umfassende Unterstützung, die von der Analyse über die Entwicklung von Handlungsoptionen bis hin zur Implementierung reicht. Sie kombinieren juristisches, finanzielles und operatives Know-how, um maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln.
Besonders in komplexen Fällen, in denen sowohl finanzielle als auch operative Restrukturierungen notwendig sind, erweist sich der Einsatz interdisziplinärer Teams als unschätzbar wertvoll. Diese Teams können nicht nur bei der strategischen Planung helfen, sondern auch bei der praktischen Umsetzung vor Ort.
Fazit
Die Entscheidung „Fix it, sell it, close it?” ist eine der schwierigsten, die ein Unternehmen treffen kann. Sie erfordert eine fundierte Analyse, klare und umsetzbare Strategien, viel Erfahrung und entschlossenes Handeln. Während die Restrukturierung und der Verkauf oft gangbare Wege aus der Krise darstellen, bleibt die Schließung als letzter Ausweg. Finanzielle Instrumente wie die Insolvenz in Eigenverwaltung oder das StaRUG können in verschiedenen Phasen der Krise unterstützend wirken und den Handlungsspielraum erweitern. Externe Experten können dabei helfen, die beste Entscheidung zu treffen und diese professionell umzusetzen. Entscheidend ist jedoch immer, dass die Verantwortungsträger frühzeitig handeln und nicht auf eine Besserung durch Zufall hoffen. Nur so lassen sich Werte sichern und die Zukunft gestalten.
Die Lehren aus solchen Krisen sind wertvoll, nicht nur für die betroffenen Unternehmen, sondern auch für die gesamte Wirtschaft. Ein rechtzeitiger, strategischer Umgang mit Rentabilitätsproblemen kann nicht nur das Überleben eines Unternehmens sichern, sondern auch langfristig Wettbewerbsvorteile schaffen.