Artikel aus dem Handelsblatt Defense
Unsere Aufgabe als Regierung besteht darin, das außergewöhnliche sicherheitspolitische Engagement des Landes in dauerhafte industrielle Chancen zu verwandeln und Litauen zum einfachsten Standort der Region für deutsche Unternehmen zu machen.
Deutschland ist einer unserer wichtigsten Zielmärkte für Exporte, Investitionen und Innovation, und nirgendwo hat sich die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren schneller vertieft als im Bereich Verteidigung und Spitzentechnologie.
Investitionen mit festem Fundament
Zwei deutsche Investitionen zeigen, was das konkret bedeutet – allen voran Rheinmetalls Werk zur Produktion von 155-mm-Artilleriemunition nahe der litauischen Ortschaft Baisogala. Mit einem Volumen von rund 260 Millionen Euro ist es die größte Verteidigungsinvestition in der Geschichte Litauens.
Rheinmetall errichtet die Anlage gemeinsam mit der staatlichen litauischen Investitionstochter EPSO-G Invest und der Baufortschritt ist bemerkenswert: Zwischen Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung und Produktionsstart liegen nur rund zwei Jahre – die ersten Geschosse werden bereits Anfang 2027 erwartet. Nach Fertigstellung wird das Werk jährlich mehrere Zehntausend 155-mm-Artilleriegeschosse produzieren.
Die zweite Investition bringt die Panzerproduktion nach Litauen: Lithuania Defense Services – ein Unternehmen im Besitz von KNDS Deutschland und Rheinmetall – wird den modernsten Kampfpanzer Leopard 2 A8 in einem neuen Werk in der Freien Wirtschaftszone Kaunas montieren. Der erste in Litauen gebaute Panzer soll Anfang 2028 vom Band rollen. Im April dieses Jahres unterzeichnete mein Ministerium mit dem Unternehmen eine Vereinbarung über ein Großinvestitionsprojekt, die dessen Umsetzung beschleunigt – eine Investition von rund 50 Millionen Euro, die die moderne Militärfahrzeugfertigung fest auf litauischem Boden verankert.
Die Zusammenarbeit reicht dabei weit über die Schwerindustrie hinaus. Im vergangenen Jahr unterzeichnete der litauische Lasermarkierer-Hersteller Aktyvus Photonics eine Absichtserklärung mit dem deutschen Drohnenhersteller Quantum Systems. Ähnliches gilt für Granta Autonomy, ein litauisches Unternehmen für unbemannte Systeme, das mit Rheinmetall Electronics kooperiert. Aktiv integrieren wir uns zudem in deutsche Lieferketten in den Bereichen Laser, Optik, unbemannte Systeme, Elektronik und moderne Fertigung. Besonderes Potenzial sehen wir bei Unternehmen aus Baden-Württemberg in den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik, autonome Systeme und Photonik.
Eine Partnerschaft in Zahlen
Diese Entwicklung stützt sich auf eine starke und wachsende Handelsbeziehung. Im Jahr 2025 war Deutschland Litauens drittgrößter Exportmarkt für Waren – 3,3 Milliarden Euro bzw. 9 Prozent unserer Gesamtexporte – und unser größter Markt für Dienstleistungen – 3,72 Milliarden Euro bzw. 15 Prozent. Im ersten Quartal 2026 wuchsen unsere Warenexporte nach Deutschland um weitere 7,8 Prozent.
Die deutsche Brigade verstärkt all dies: Sie ist nicht nur eine Sicherheitsgarantie, sondern auch ein Katalysator für die industrielle Zusammenarbeit. Das Gleiche gilt für die Plattformen, die unsere Industrien nun zusammenbringen – etwa die größte Veranstaltung für Verteidigungsinnovation im Baltikum, der Baltic Miltech Summit, der im Juni 2027 in Vilnius stattfindet.
Für deutsche Unternehmen steht die Tür offen. Litauen bietet eine schnelle, verlässliche und ambitionierte Partnerschaft, eine Regierung, die Investitionen den Weg ebnet, statt sie zu erschweren, sowie einen Verteidigungssektor, der so schnell wächst wie kaum ein anderer in Europa. Das Fundament ist gesetzt. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Partnern daran weiterzubauen.