Advertorial Artikel aus dem Handelsblatt Journal Defense
Welche Rolle spielen Universitäten für Sicherheit und Resilienz? Peter Middendorf, Rektor der Universität Stuttgart und Professor für Flugzeugbau, spricht über Forschung, Wissenschaftsfreiheit und Innovationsökosysteme.
Von einer sicherheitspolitischen Zeitenwende ist die Rede, seit der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz diesen Begriff in einer Regierungserklärung benutzt hat. Ist diese Zeitwende auch an den deutschen Universitäten angekommen?
Ja, und das ist auch wenig überraschend. Universitäten leisten durch Forschung, Lehre und Transfer schon immer ihren Beitrag zur Lösung aktueller und zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen. Wenn sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändern, müssen sich auch Universitäten die Frage stellen, was sich dadurch für sie verändert, wie sie sich selbst verändern müssen und welchen Beitrag sie künftig leisten wollen und können. Mein Eindruck ist: Genau das geschieht gerade.
Wie kann dieser Beitrag konkret aussehen?
Gerade technisch orientierte Universitäten können Innovationstreiber im Bereich sicherheitsrelevanter Forschung und technologischer Souveränität sein. In der universitären Forschung haben wir langjährige Erfahrung mit Dual-Use-Technologien, also mit Forschungsergebnissen, die sowohl zivile als auch sicherheitsrelevante Anwendungen ermöglichen. Die gibt es in vielen technischen Disziplinen – etwa im Bereich der Luft- und Raumfahrt, die an meiner Universität eine große Tradition hat. Unser Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der Grundlagenforschung, bei Technologien mit niedrigem bis mittleren Reifegrad. Diese Forschungsergebnisse können dann von Partnern in der außeruniversitären Forschung aufgegriffen oder im Rahmen wissensbasierter Ausgründungen weiterentwickelt werden. Solche Partnerschaften müssen wir stärken, um noch viel schneller aus der Grundlagenforschung in die Anwendung zu kommen.
Wie kann eine bessere Vernetzung gelingen?
In Baden-Württemberg verfolgen wir das Modell der Innovationscampusse: Vernetzte Ökosysteme zwischen Grundlagenforschung, außeruniversitärer Forschung, Wirtschaft und Bedarfsträgern. Die Universität Stuttgart ist bereits an solchen Modellen zu Themenbereichen wie künstliche Intelligenz, Mobilität und Quantentechnologien beteiligt. Aktuell koordinieren wir im Auftrag der Landesregierung gemeinsam mit weiteren Partnern den Aufbau eines neuen Innovationscampus zum Thema Sicherheit und Verteidigung.
Warum sollten sich Universitäten mit Fragen von Sicherheit und Verteidigung befassen?
Es gehört schon immer zu den Aufgaben von Universitäten und ihren Mitgliedern, aktiv für die freiheitlich demokratische Grundordnung einzutreten. Heute stellen wir uns die Frage, inwiefern hierzu auch Sicherheit, Verteidigung und ganz allgemein die Resilienz unserer Gesellschaft gehören. Als Universität befassen wir uns dabei nicht nur mit den Technologien, sondern auch mit den damit verbundenen ethischen und gesellschaftlichen Fragen.
Gibt es einen Punkt, an dem Sie bei Ihrem Engagement eine Grenze ziehen?
Die wichtigste Grenze ist immer die Wissenschaftsfreiheit. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entscheiden selbst, an welchen Themen sie forschen und an welchen nicht. Mit dieser Freiheit geht eine nicht unerhebliche Verantwortung einher. Die Universität wird sie dabei bestmöglich unterstützen, beraten und schützen.
Genauso unverhandelbar wie die Wissenschaftsfreiheit ist der Grundsatz eines offenen Universitätscampus. Einen frei zugänglichen Campus, ohne Zäune, mit internationalen Studierenden und Forschenden werden wir nicht aufgeben. Wir arbeiten aber gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern daran, mit unserer Forschung schnell und effektiv einen Beitrag zu Sicherheit und Resilienz zu leisten.
INNOVATIONSCAMPUS SICHERHEIT UND VERTEIDIGUNG
Technologieintensive Innovationen für zivile und sicherheitsrelevante Anwendungen: Der Innovationscampus Sicherheit und Verteidigung wird an der Universität Stuttgart koordiniert und vernetzt Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, technologieorientierte Start-ups sowie Sicherheitsorgane in Baden-Württemberg in einem leistungsfähigen Innovationsökosystem, um Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung zu bringen.
Erste Meilensteine sind Netzwerkveranstaltungen, die Entwicklung eines Kompetenzatlas und die Ausschreibung von Innovation Challenges.