Kapitalanlage entscheidet über den Kundennutzen
Für Lebensversicherer ist die Kapitalanlage ein zentraler Werttreiber. Sie bestimmt nicht nur die nominale Rendite, sondern vor allem, was nach Kosten, Gewinnabführungen und Inflation tatsächlich bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Damit stehen Lebensversicherer schon heute im Wettbewerb zu klassischen Asset Managern und mit neuen Angeboten wie dem Altersvorsorgedepot dürfte dieser Vergleich noch schärfer werden.
Rendite ist da, aber die Unterschiede sind groß
Eine Marsh-Analyse von 23 deutschen Lebensversicherern für den Zeitraum 2016 bis 2024 zeigt: Im Durchschnitt erzielte die Branche eine Überrendite von 0,5 bis 2,5 Prozentpunkten gegenüber risikofreien Staatsanleihen mit zehnjähriger Duration. Auffällig ist die Streuung: Zwischen den einzelnen Häusern liegen beim Anlageerfolg bis zu 2 volle Prozentpunkte Spreizung in der Rendite. Die Höhe des eingegangenen Marktrisikos erklärt diese Unterschied nur zum Teil – der prägende Faktor ist tatsächlich die Qualität der Veranlagung. Gleichzeitig werden im Durchschnitt aller deutschen Lebensversicherer rund 1,3 Prozentpunkte pro Jahr durch Kosten aufgezehrt, vor allem durch Verwaltung, Abschluss und Gewinnentnahmen. Hinzu kommt die Inflation, sodass die reale Rendite meist deutlich niedriger ausfällt als die nominale.
Strategische Asset-Allokation definiert den Nordstern
Der wichtigste Hebel in der Veranlagung ist die strategische Asset-Allokation. Obwohl Solvency II Spielräume eröffnet, sind die Allokationen in der Branche vergleichsweise homogen; der Anteil renditeorientierter Anlagen liegt im Schnitt nur bei rund einem Viertel des Portfolios. Erfolgreichere Häuser nutzen diese Spielräume konsequenter und investieren im Schnitt rund 10 Prozentpunkte mehr in Return-Seeking-Assets. So erschließen sie zusätzliche Illiquiditäts- und Risikoprämien.
Eine defensive Allokation ist dabei nicht automatisch vorsichtig. Sie kann auch bedeuten, dass Ertragspotenziale ungenutzt bleiben und Kapital nicht effizient genug eingesetzt wird. Entscheidend ist zudem nicht das perfekte Timing einzelner Marktphasen. Den Zinsanstieg hat kein Haus verlässlich vorhergesehen. Nachhaltiger Mehrwert entsteht durch eine Allokation, die über Zyklen hinweg robust, kapitaleffizient und anpassungsfähig bleibt.
Portfoliokonstruktion entscheidet über die erfolgreiche Umsetzung
Ein weiterer Hebel liegt in der Portfoliokonstruktion. Eine gute strategische Allokation schafft nur dann Mehrwert, wenn sie in der Umsetzung sauber übersetzt wird. Wichtig sind differenzierte Steuerung, Diversifikation über Jahrgänge und Manager sowie aktives Rebalancing. Das begrenzt Timing-Risiken und reduziert prozyklisches Verhalten.
Das gilt auch innerhalb einzelner Anlageklassen. Ein Anleiheportfolio sollte bspw. nicht nur der Passivseite folgen, sondern aus zwei Bausteinen bestehen: einem Matching-Portfolio zur Absicherung von Cashflows, Duration und Liquidität sowie einem Growth-Portfolio zur Erschließung von Renditepotenzial. Wer das gesamte Anleiheportfolio nur auf Absicherung ausrichtet, verzichtet beim größten Portfoliobaustein auf Ertragschancen. Lebensversicherer haben zudem einen strukturellen Vorteil: ihren langen Anlagehorizont. Wer ihn klug nutzt, kann Risiko- und Illiquiditätsprämien vereinnahmen, die anderen Investoren oft nicht offenstehen.
Oft unterschätzt: Managerqualität
Oft unterschätzt wird die Managerqualität und damit auch die bewusste Entscheidung zwischen aktivem und passivem Management. In sehr liquiden und effizienten Märkten ist Alpha nur schwer nachhaltig zu erzielen; dort sprechen geringe Kosten oft für passive oder eng am Index geführte Strategien. In weniger effizienten Segmenten, etwa bei alternativen Anlagen oder spezialisierten Kreditstrategien, ist die Bandbreite zwischen guten und schwachen Managern dagegen erheblich.
Wert entsteht hier nicht allein durch die Allokation in eine Anlageklasse, sondern durch die Auswahl der richtigen Manager. Über verschiedene Vintage-Jahre hinweg liegt der Unterschied zwischen Top- und Bottom-Quartil bei mehreren Hundert Basispunkten. Wo Alpha realistisch erreichbar ist, wird Managerselektion damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Fazit: mehr als ein Sparstrumpf, aber kein Selbstläufer
Die Unterschiede zwischen den besten und den schwächeren Anbietern sind zu groß, um sie als Zufall abzutun. Sie spiegeln Unterschiede in der Managementqualität wider: bei der strategischen Allokation, der Portfoliokonstruktion, der Auswahl externer Manager und nicht zuletzt in der Kostendisziplin. Ob eine Lebensversicherung echten Mehrwert schafft, zeigt sich nicht in einzelnen Jahren, sondern über ganze Zyklen hinweg. Genau daran sollte man sie messen.