Das Sozialpartnermodell – ein Win-Win-Geschäft für Arbeitgeber und Beschäftigte

Die Rentenkommission sendete in ihrem Bericht vom Juni 2026 eine klare Botschaft an die Sozialpartner: In einem „Sozialpartnerdialog“ sollen Gewerkschaften und Arbeitgeber konkrete Maßnahmen entwickeln, um die betriebliche Altersversorgung (bAV) in bisher unterversorgten Branchen zu verbreitern.

Das BMAS hat diese Botschaft aufgegriffen und in seinem Schreiben zum Sozialpartnerdialog an die Sozialpartner vom 13.08.26 um Stellungnahme u.a. zu einer voraussetzungslosen Öffnung der Sozialpartnermodelle (SPM) für alle Arbeitgeber und Beschäftigten und einer Öffnung des Altersvorsorgedepots für Arbeitgeberzahlungen gebeten.

Hier stellt sich nicht weniger als die Frage zur Zukunft der bAV in Deutschland. Wenn die Sozialpartner die Hoheit über die Investition der Beiträge für Ihre Beschäftigten und der bAV als Bindungsinstrument nicht aus der Hand geben wollen, bleibt das SPM der Königsweg. Ansonsten droht die Kannibalisierung der betrieblichen durch die private Altersvorsorge über das Altersvorsorgedepot in Deutschland.

Als bundesweit erster Anbieter hatte die R+V-Tochter ChemiePensionsfonds AG 2022 ein SPM für eine gesamte Branche auf Grundlage eines Flächentarifvertrags aufgelegt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Das Modell modernisiert die Betriebsrente, entlastet Arbeitgeber und eröffnet Beschäftigten neue Chancen beim Aufbau ihrer Altersvorsorge, ohne dass diese bei der Wahl des Anbieters und der besten Kapitalanlagestrategie sich selbst überlassen bleiben. Die Beschäftigten können sich hier auf die Steuerung des Sozialpartnermodells und damit auch den verantwortlichen Umgang mit den Beiträgen durch die Sozialpartner verlassen.

Arbeitgeber: Weniger Haftung, mehr Planbarkeit

Das Sozialpartnermodell bietet über das Betriebsrentengesetz in Deutschland die einzigartige Möglichkeit für eine reinen Beitragszusage („pay and forget“). Der Arbeitgeber verpflichtet sich, die vereinbarten Beiträge zu zahlen. Eine bestimmte Rentenhöhe oder Verzinsung sagt er jedoch nicht zu. Für die spätere Leistung ist allein der Versorgungsträger des von den Sozialpartnern mitgesteuerten SPM zuständig. Für Unternehmen schafft das eine klar kalkulierbare Grundlage, Nachfinanzierungen und Subsidiärhaftung – ein ansonsten vorhandenes Verbreitungshemmnis in der bAV – entfallen.

Größere Renditechancen durch freiere Kapitalanlage

Weil das Sozialpartnermodell im Gegensatz zu den klassischen bAV-Lösungen auf starre Garantien verzichtet, können die Beiträge deutlich chancenreicher angelegt werden. Im SPM Chemie der R+V etwa liegt der Aktienanteil je nach Marktlage zwischen 10 und 80 Prozent, die Basisallokation beträgt 40 Prozent. Die Kapitalanlage umfasst breit gestreute Aktienindizes sowie Staats- und Unternehmensanleihen. Gerade bei langen Ansparzeiten kommen die Renditevorteile einer kapitalmarktorientierten Anlage besonders zum Vorschein. Die R+V lag mit der Rendite seit Modellstart stets deutlich über den von den Sozialpartnern angestrebten 4 Prozent jährlich. Risikobegrenzend bei möglichen Kapitalmarktturbulenzen wirkt ein kollektiver Sicherungspuffer, in den die Arbeitgeber zusätzliche Beiträge einzahlen.

Arbeitnehmer profitieren mehrfach

Neben den höheren Renditechancen gibt es für die Beschäftigten weitere Pluspunkte, die für ein SPM sprechen. So sind ihre Anwartschaften sofort unverfallbar. Das heißt, wer seinen Arbeitgeber wechselt oder aus dem Unternehmen ausscheidet, behält die bereits aufgebaute Versorgung. Ein weiterer Vorteil ist die lebenslange Rentenzahlung, denn lebenslange Kosten benötigen lebenslange Leistungen. Damit wird – im Gegensatz zum privaten Altersvorsorgedepot -das „Langlebigkeitsrisiko“ abgesichert. Darüber hinaus können im SPM – wie auch in anderen bAV-Lösungen – „biometrische Risiken“ wie Invalidität oder Tod kollektiv versichert werden. Hinzu kommt eine starke Arbeitgeberbeteiligung: Bei der Entgeltumwandlung zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss von 15 Prozent, sofern er Sozialversicherungsbeiträge einspart.

Tarifpartner sind gemeinsam in der Verantwortung

Ein besonders wichtiger Aspekt ist die größere Akzeptanz des gewählten Modells.

Denn die Einführung des SPM beruht nicht auf der Einzelentscheidung eines Unternehmens, sondern auf einem zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband ausgehandelten Tarifrahmen. Darüber hinaus gestalten die beteiligten Parteien ihr SPM gemeinsam. Im ChemiePensionsfonds legen je zwei Vertreter der Gewerkschaft IGBCE, des Arbeitgeberverbands BAVC und der R+V gemeinsam Risikoniveau und Schutzmechanismen fest.

Fazit: SPM – das Modell der Zukunft

Das Sozialpartnermodell zeigt, wie betriebliche Altersversorgung heute aussehen kann: planbar und sicher für Unternehmen, renditestärker für die Beschäftigten – getragen von einer gemeinsam von Gewerkschaften und Arbeitgebern vereinbarten Struktur. Die R+V beweist in der Chemiebranche, dass ein solches Sozialpartnermodell in der Praxis funktioniert. Aus diesem Grund ist die weitere Verbreitung der Sozialpartnermodelle für die Zukunft der bAV und insbesondere auch für eine lebenslange Sicherung des Lebensstandards der Beschäftigten in Deutschland unabdingbar.