Wir brauchen eine Molekülwende

Advertorial

Artikel aus dem Handelsblatt Journal „Energiewirtschaft“ vom 23.01.2024

Moleküle machen in Deutschland heute 80 Prozent der Energieversorgung aus – Strom 20 Prozent. Zudem sind sie wesentliche Einsatzstoffe in der chemischen Industrie. Bislang handelt es sich weitgehend um „fossile“ Moleküle auf Basis von Kohle, Öl und Erdgas. Diese müssen bis 2045 klimaneutral werden. Deswegen brauchen wir neben der Stromwende nun auch rasch eine Molekülwende, anders sind die Klimaziele nicht erreichbar.

Die Mineralölbranche steht bereit

Die heutige Mineralölwirtschaft sieht sich auch langfristig als Lieferant von Wasserstoff und vor allem von Kohlenwasserstoffen für verschiedenste Anwendungen, die zunehmend auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt werden. Für „grüne“ Moleküle stehen verschiedene Technologien bereit: Die Nutzung von Biomasse, von Rest- und Abfallstoffen, das Recycling von Kunststoffen sowie CO2-neutraler Wasserstoff und daraus hergestellte synthetische Rohstoffe und Energieträger. Daher ist der Ausbau der Infrastruktur für Import und Verteilung samt Anschluss der Raffinerien an die Netze für Hochspannungsstrom, grünen Wasserstoff und CO2 von enormer Dringlichkeit.

Ohne Investitionen wird die Molekülwende nicht erfolgreich sein

Gerade für die auf erneuerbarem Strom basierenden Technologien zur Herstellung von treibhausgasneutralen Molekülen gilt: Für die entsprechenden Anlagen zur Produktion und zum Transport sind erhebliche Investitionen im In- und Ausland erforderlich. Doch bei neuen Technologien sind die ersten Anlagen meist die teuersten. Damit überhaupt investiert wird, muss diesem First-Mover-Disadvantage entgegengewirkt werden.

Viele für die Molekülwende wichtigen Projekte gelten derzeit als nicht bankable. Denn neben den technologischen Risiken für erste Projekte gibt es nicht zu vernachlässigende regulatorische Risiken. Quoten allein reichen gerade bei kapitalintensiven Produktionsanlagen nicht aus. Sie können zwar eine Nachfrage nach den grünen Produkten generieren, zur kalkulatorischen Absicherung der langfristigen Investitionen sind jedoch belastbare Kosten- und Abnahmekonditionen erforderlich. Hier können langfristige Abnahmeverträge helfen, wenn sie ausreichend Sicherheit bieten. Ein wichtiger Punkt: Investitionen würden erheblich erleichtert, wenn die Einsatzbereiche grüner Moleküle nicht von vornherein auf bestimmte Sektoren wie etwa die Luftfahrt beschränkt werden. Je mehr Absatzmöglichkeiten bestehen, desto geringer ist das Risiko und desto eher wird in neue Anlagen investiert.

en2x

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Der Ausbau der Infrastruktur für Import und Verteilung samt Anschluss der Raffinerien an die Netze für Hochspannungsstrom, grünen Wasserstoff und CO2 ist von enormer Dringlichkeit.

Prof. Dr. Christian KüchenHauptgeschäftsführer, en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie
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