Seit dem Ende der Niedrigzinsphase und den damit verbundenen niedrigeren Kosten haben insbesondere in Großbritannien und den USA zahlreiche Unternehmen damit begonnen, ihre Pensionsverpflichtungen durch sogenannte Pension Buy-outs vollständig auszulagern. Dieser Trend ist inzwischen auch in Deutschland zu beobachten. Das zeigt sich in einer wachsenden Zahl entsprechender Transaktionen. Doch weshalb bietet sich dieses Instrument für Unternehmen und insbesondere auch für Banken an?
Dieser Blogbeitrag erklärt, wie Unternehmen durch sogenannte Pension Buy-outs ihre Bilanz entlasten, das Risikokapital optimieren und ihre Kreditratings verbessern können.
Was sind Pension Buy-outs?
Ein Pension Buy-out umfasst die vollständige Übertragung von Pensionsverpflichtungen auf einen spezialisierten Anbieter. Dieser übernimmt nicht nur die Verwaltung, sondern auch sämtliche finanziellen Risiken der zugesagten Leistungen im Sinne eines finalen Risikotransfers. Für Unternehmen bedeutet dies vor allem eine erhebliche Entlastung: Sie werden sowohl von der Bilanzvolatilität der Pensionsrückstellungen, künftigen Änderungen der geplanten Zahlungsströme sowie der Verwaltung der häufig komplexen Pensionszusagen befreit.
Welche Vorteile bietet ein Pension Buy-out für Unternehmen?
Pension Buy-outs bieten Unternehmen eine Vielzahl von Vorteilen:
1) Vollständiger und finaler Risikotransfer: Bei einem Pension Buy-out werden sämtliche Pensionsverpflichtungen auf einen Anbieter übertragen. Damit entfallen bilanzielle Risiken aus Rechnungszinsveränderungen sowie Cashflow-Risiken aufgrund unerwarteter Inflation oder steigender Lebenserwartung. Der Buy-out erhöht somit die Stabilität und schafft verlässliche Planungsgrundlagen für die Bilanz und die GuV.
2) Flexibilität in der Kapitalanlage: Pensionspläne verfügen über eine sehr lange Cashflow-Basis, allerdings gibt es beispielsweise keine Portabilität von Ansprüchen oder Rückkaufverpflichtungen. Somit kann bei der Kapitalanlage der Fokus auf langfristige Ertragschancen gelegt werden. Entsprechend ist eine flexiblere Gestaltung der Bewertung von Pension Buy-outs im Vergleich zu anderen Lösungen möglich.
3) Vorteile im M&A-Kontext: Bei Unternehmensverkäufen oder -umstrukturierungen ermöglicht ein Pension Buy-out, das oftmals kritische Thema der Pensionsverpflichtungen zu entschärfen und somit Transaktionen zu erleichtern bzw. zu vereinfachen.
4) Rechtliche Enthaftung: Mit der Übertragung der Rentnergesellschaft auf einen Dritten entfällt auch die rechtliche Verantwortung des ursprünglichen Arbeitgebers – ein entscheidender Vorteil gegenüber alternativen De-Risking-Strategien.
5) Aktienperformance: Empirische Studien1, beispielsweise von Li & Kara bzw. Simasek, haben einen positiven Einfluss von Pension Buy-outs auf die Volatilität der Aktien des abgebenden Unternehmens sowie auf dessen Börsenbewertung herausgestellt.
6) Verbesserung von Credit Ratings: Eine schlankere Bilanzstruktur und der Abbau bilanzieller Risiken haben laut akademischer Studien einen positiven Einfluss auf das externe Rating. Eine höhere Bonität hat günstigere Refinanzierungskonditionen zur Folge, stärkt das Vertrauen von Investoren und Stakeholdern und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit am Markt.
7) Operative Planungsfreiheit: Schon jetzt herrscht ein Mangel an Fachkräften in den Personalabteilungen, die sich mit der Rentenadministration befassen. Ein professioneller Umgang mit Pensionsverpflichtungen durch Outsourcing im Rahmen eines Pension Buy-outs zeugt von Weitsicht in der Personalpolitik. Dadurch werden interne Ressourcen frei, sodass diese Fachkräfte ihre Expertise auf andere strategische Projekte konzentrieren können. Das wiederum ermöglicht die Umsetzung neuer Vorhaben.
Spezifische Vorteile für Finanzdienstleister
Insbesondere für Finanzdienstleister und gerade für Banken bieten Pension Buy-outs erhebliche Vorteile – wenn auch mit teilweise anderen Schwerpunkten:
1) Bilanzverkürzung und Kernkapitalquote: Durch die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen kann nicht nur die Bilanz verkürzt, sondern auch gegen steigende Verbindlichkeiten, beispielsweise durch fallende Zinsen, vorgesorgt werden. Durch den kürzlichen Zinsanstieg wurden oftmals Gewinne durch die Neubewertung der Pensionsverbindlichkeiten erzielt, was sich positiv auf die Kernkapitalquoten auswirkt. Mit einem Pension Buy-out können diese positiven Effekte konserviert werden. Somit wird die Volatilität der Kernkapitalquote verringert.
2) Ökonomische Kapitalhinterlegung: Außerdem können Pensionsverpflichtungen zu einer ökonomischen Kapitalhinterlegung führen, bedingt durch ihre Schwankungen und ggf. auch durch die operativen Tätigkeiten. Das Bedürfnis nach einer Kapitalhinterlegung sollte in der Regel mit einem finalen Risikotransfer entfallen.
Fazit
Für Unternehmen stellen Pension Buy-outs eine attraktive Option dar, um die Bilanz zu entlasten, Cashflow-Risiken zu minimieren und die Bonität zu verbessern. Unternehmen, die einen Buy-out in Erwägung ziehen, sollten die Vorteile in der individuellen Situation, aber auch eventuelle Transaktionsrisiken sorgfältig prüfen. Bei Bedarf sollten sie auf professionelle Beratung zurückgreifen.
Pensionäre profitieren von einer effizienten Kapitalanlage, die alle an den Kapitalmärkten verfügbaren Investmentinstrumente effizient einzusetzen in der Lage ist und damit optimale Risikostreuung mit höherer Rendite verbinden kann
Insgesamt bieten Pension Buy-outs als ultimatives De-Risking-Tool einen konsequenten Ansatz im Pensionsmanagement und ermöglichen eine nachhaltige Enthaftung der Pensionsverpflichtung. Damit stellen sie den Abschluss einer De-Risking-Reise für deutsche Unternehmen dar, die vor vielen Jahren mit den ersten Ausfinanzierungen begonnen hat.
1 Zezeng Li, Alper Kara, “Pension de-risking choice and firm risk: Traditional versus innovative strategies”, International Review of Financial Analysis, Vol. 81, 2022 Peter Simasek, “Pension Risk Transfer and Firm Leverage: The Cash Flow Volatility Channel“, 2021, https://ssrn.com/abstract=3778020