Artikel aus dem Handelsblatt Journal Betriebliche Altersversorgung
Die betriebliche Altersversorgung ist mehr als nur ein finanzielles Instrument: Bei Bosch ist sie ein Versprechen an die Mitarbeitenden. Das Versprechen einer einzigartigen Kombination aus Sicherheit und chancenorientierter Kapitalanlage, um auf Basis von Unternehmens- und Mitarbeiterbeiträgen die Lücke zwischen dem Gehalt und der gesetzlichen Rente zu verringern. Für die Bosch-Gruppe in Deutschland wird dieses Versprechen hauptsächlich durch den Bosch Pensionsfonds (BPF) erfüllt.
In einer Welt, die von volatilen Märkten geprägt ist, steht der BPF für Verlässlichkeit: gegenüber den Begünstigten und gegenüber den Trägerunternehmen der Bosch-Gruppe. Eine der tragenden Säulen dieser Verlässlichkeit ist eine tief in der Unternehmenskultur verankerte Risikomanagement-Philosophie. Ein effektives Risikomanagement ist für den BPF nicht nur eine regulatorische Anforderung, sondern eine grundlegende Verpflichtung aus Fürsorge gegenüber den rund 200.000 Begünstigten. Zusammen mit der einzigartigen Risikotragfähigkeit ist im BPF eine langfristige, renditeorientierte Anlagestrategie möglich, die sich selbst unter schwierigen Marktumständen in den vergangenen fast 24 Jahren als robust erwiesen hat. So wird der BPF dem Vertrauen von Generationen von Bosch-Mitarbeitenden gerecht und erreichte Ende 2025 ein Anlagevolumen von rund 8,4 Mrd. Euro.
Die Risikolandschaft verstehen: Identifizierung und Bewertung der Risiken
Der BPF verfügt über ein proaktives Risikomanagementsystem, das von einer unabhängigen Risikocontrollingfunktion als zentrale Instanz überwacht wird. Dieses System ist tief in der Organisationsstruktur und den Entscheidungsprozessen des BPF verankert. Es bewertet, überwacht und steuert identifizierte Risiken und dient dazu, Gefahren zu erkennen, bevor sie eintreten. Diese bewerteten Risiken aus dem Risikoportfolio werden hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß in einem Risikographen eingeordnet.
Der BPF verfolgt über verschiedene Anlageklassen, geografische Regionen und Investmentstile hinweg eine breite Diversifikationsstrategie zur Reduzierung des Portfoliorisikos. Neben den klassischen Kapitalanlagen spielen auch alternative Kapitalanlagen eine wichtige Rolle zur Risikoreduzierung und Ertragssteigerung. Ein zusätzlicher Lifecycle-Ansatz, bei dem die Anlageallokation je nach Alter der Begünstigten angepasst wird, ergänzt die Strategie. Jüngere Mitarbeitende profitieren stärker von ertragsorientierten Anlagen, während sich der Fokus bei älteren Mitarbeitenden mehr auf die Kapitalerhaltung verlagert. Zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Portfolios von Mitarbeitenden, die kurz vor dem Rentenalter stehen, wird das Portfolio stabilisierend mit einem garantierten Festzinsprodukt ergänzt.
Um Pensionszahlungen abzusichern und das Liquiditätsrisiko zu reduzieren, wird eine Liability-Driven-Investment-(LDI)-Strategie eingesetzt. Der Ansatz passt die Cashflow-Struktur eines Portfolios sehr eng an die zukünftigen Rentenzahlungen an, was eine exzellente Abstimmung zwischen Vermögen und Verpflichtungen ermöglicht.
Für Vermögen, die auf Rechnung und Risiko der Begünstigten und der Trägerunternehmen geführt werden, trägt der BPF selbst keine Risiken. Stattdessen würden sich diese Risiken in einem Reputationsrisiko aufgrund reduzierter Leistungen für die Begünstigten oder in potenziellen Nachschussrisiken der Trägerunternehmen niederschlagen. Auch diese Risiken steuert der BPF aktiv und so erfolgreich, dass ihre Eintrittswahrscheinlichkeit ausgesprochen niedrig ist.
Proaktiv schützen: Die umfassenden Risikomanagementmaßnahmen
Die identifizierten Risiken werden mit einem integrierten Governance-Framework effektiv gemanagt. Es folgt einem 3-Lines-of-Defense-Modell, das Rollen und Verantwortlichkeiten für die operative Umsetzung, Überwachung und unabhängige Prüfung klar definiert. Der Umgang mit Risiken erfolgt über eine vierstufige Risikostrategie: Vermeidung, Begrenzung, Überwälzung und Akzeptanz. Umfassende Kontroll- und Überwachungsmechanismen wie die unabhängige Risikocontrollingfunktion (URCF), die versicherungsmathematische Funktion (VmF) und die interne Revision gewährleisten Stabilität, Sicherheit und Transparenz.
Für die Risikotragfähigkeit wird akribisch die Fähigkeit bewertet, potenzielle Verluste zu absorbieren, ohne die Existenz des Pensionsfonds zu gefährden. Dies beinhaltet regelmäßige Stresstests und eine sorgfältige Überwachung des Risikobudgets.
Bei der Kapitalanlagestrategie für vom BPF garantierte Vermögen verfolgt der BPF eine Wertsicherungsstrategie, die eine Mindestrendite anstrebt und ein Unterdeckungsrisiko aktiv vermeidet.
Biometrische Risiken werden durch realistisch geschätzte versicherungsmathematische Grundlagen eingedämmt, und Zinsrisiken werden durch eine vorgeschriebene Zinszusatzreserve sowie eine teilweise Überwälzung gemanagt. Betriebsrisiken werden hauptsächlich durch die Auslagerung an externe Fachexperten minimiert, ergänzt durch detaillierte Prozessbeschreibungen und kontinuierliches Monitoring. Compliance-Risiken werden durch laufende und anlassbezogene Überprüfungen von Vorschriften und Prozessdokumentationen begrenzt. Strategische Risiken werden durch die kontinuierliche Überwachung des rechtlichen und wirtschaftlichen Umfelds angegangen, um diese Risiken möglichst zu vermeiden, zu begrenzen oder zu überwälzen.
Nachhaltigkeitsrisiken stellen für den BPF keine eigene Risikoart dar, sondern werden im Rahmen anderer Risikoarten (insbesondere des Kapitalanlagerisikos) berücksichtigt, da sie auf diese einwirken. Der BPF integriert ESG-Aspekte (Umwelt, Soziales, Governance) in seine Anlageentscheidungen, um eine bessere risikoadjustierte Rendite zu erzielen. Ein ESG-Ansatz gibt der Kapitalanlage spezifische Ausschlusskriterien vor, etwa für Unternehmen mit hohem Umsatz aus Kohlebergbau oder solche mit kritischem Wasserstress-Score. Das für den BPF entwickelte einzigartige und maßgeschneiderte ESG-Reporting dient dem Monitoring dieses Engagements. Das Reporting zeichnet sich durch seine hohe Spezifität und Detailtiefe aus. Es beinhaltet eine transparente Darstellung der Non-Compliance-Rate und gibt konkrete Empfehlungen zur weiteren Überwachung.
Präzise lenken: Die innovativen Steuerungskonzepte
Die Steuerungskonzepte des BPF nutzen einen fortschrittlichen Ansatz zur Sicherung der finanziellen Robustheit ihrer Pensionspläne. Das übergeordnete Ziel ist es, die Kapitaldeckungsquote über 100 Prozent zu halten und die Verpflichtungen zu erfüllen. Dies wird durch ein ausgeklügeltes Instrumentarium erreicht, das von langfristigen ALM-Studien (Asset-Liability-Management) über mittelfristige Simulationen bis hin zu täglichen Marktrisikoberichten reicht.
Ein besonderes weiteres Element ist die Gesamtrisikoampel, die auf quartalsweisen Risikoprojektionen basiert. Dieses System verwendet dynamische Schwellenwerte, um frühzeitig auf potenzielle Risiken aufmerksam zu machen und spezifische Managementreaktionen auszulösen.
Zukunft bauen: Fürsorge für Bosch-Generationen
Für den BPF geht es nicht nur darum, Risiken zu verwalten, sondern darum, die Zukunft aktiv zu gestalten und zu sichern: Mit Weitblick, Präzision und aus Fürsorge für die Menschen, die den Erfolg der Bosch-Gruppe ausmachen. Der BPF steht nicht nur für die Verwaltung von Vermögen, sondern auch für die Architektur einer finanziell stabilen Zukunft der Bosch-Generationen im Alter.
Um diese Rolle als Architekt der Zukunft weiter zu stärken, muss das Risikomanagement neben traditionellen Ansätzen auch neue Wege gehen. Zukünftig wird es noch wichtiger, über die Absicherung bekannter Risiken hinaus Entwicklungen mit Hilfe modernster Methoden zu antizipieren und zu gestalten.
Bild: © Andrea Thamm (Portrait)