Nachhaltiges Lieferkettenmanagement als Gamechanger

Unternehmen sind nicht nur für ihre eigene Produktion und die verkauften Produkte sowie Dienstleistungen verantwortlich, sondern zunehmend auch für die ökologischen und sozialen Bedingungen in ihren Lieferketten. Durch eine wachsende Gruppe an Stakeholdern sowie die globale mediale Berichterstattung rücken Anforderungen in allen Nachhaltigkeitsdimensionen bei vor- und nachgelagerten Prozessen immer weiter in den Vordergrund. Viele Unternehmen begegnen diesen Herausforderungen bereits seit Jahren mit einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement als Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie.

Ausgehend von der Umsetzung reiner Umweltregularien und der Erwartungen diverser Stakeholder sind Lieferketten seit längerer Zeit vor allem vor dem Hintergrund neuer gesetzlicher Vorgaben wie dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz noch stärker zu einem Compliance-Thema geworden. Damit einher geht, dass der Fokus vermehrt auf die soziale Säule des ESG-Dreiklangs gelegt wird.

Doch was soll durch die Verpflichtung, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in das Lieferketten- und Risikomanagement zu implementieren, erreicht werden? Können Nachhaltigkeitskriterien im Lieferantenmanagement die Situation für Mensch und Umwelt verbessern? Und welchen Nutzen bringt es Unternehmen, für die sich zunächst der bürokratische Aufwand erhöht, der sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen bindet?

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Lieferkette ist für Unternehmen weit mehr als eine einfache Compliance-Übung. Wenn Stakeholder wie Investor*innen und Kund*innen zunehmend verantwortungsvolles Handeln in der Lieferkette einfordern, geht es auch darum, Kosten-, Reputations- und Beschaffungsrisiken zu minimieren.

Die Umsetzung eines effizienten und nachhaltigen Lieferkettenmanagements stellt dabei viele Unternehmen aufgrund der Komplexität globaler Wertschöpfungsketten vor große Herausforderungen – insbesondere dabei, Transparenz in Upstream-Lieferketten zu schaffen. Hier fehlt häufig das Wissen sowie der Zugang zu Informationen und Daten, die diesen oftmals risikobehafteten Teil der Geschäftstätigkeit erfassen. Unternehmen sind hier u. a. auf die Auskunft durch ihre Lieferanten angewiesen. Um die nötigen Prozesse erfolgreich zu implementieren, bedarf es strukturierter Daten- und Lieferantenmanagementsysteme, damit sich die gewünschten Daten konsolidiert abrufen und Rohstoffe bzw. Produkte zurückverfolgen lassen.

Gegenüber diesen und weiteren Herausforderungen stehen jedoch auch große Vorteile für Unternehmen: So können effektive Prozesse im Lieferantenmanagement in vielerlei Hinsicht das unternehmerische Risikomanagement verbessern. Zum Beispiel führt eine ganzheitliche Datenerfassung zu mehr Transparenz und einer verbesserten ESG-Performance im Allgemeinen. Das Plus an Transparenz wiederum hilft dabei, potenzielle und tatsächliche Risiken frühzeitig zu erkennen und diese proaktiv angehen zu können. Damit lassen sich Beschaffungsrisiken wie Lieferengpässe oder -ausfälle entgegenwirken. Neben der Resilienz in der Wertschöpfung erhöht das außerdem die Flexibilität, Effizienz und Agilität.

Ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement kann also über die Erfüllung der Compliance-Anforderungen zu einem effektiveren Risikomanagement und somit zu zahlreichen Business Values führen. Das wäre durchaus ein echter Gamechanger. Einen näheren Blick darauf, welche Rolle die Beschaffung in der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens spielt, welche Anforderungen die CSDDD, CSRD und EU-Taxonomie an die Beschaffung stellen und inwiefern ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement auf die nichtfinanzielle Berichterstattung einzahlt, werfen wir in unserer Breakout-Session „Von der Sorgfaltspflicht zum Business Case“, die wir im Rahmen der Handelsblatt-Tagung „ESG-Reporting und -Steuerung 2024“ anbieten.