Ist die Einmalbeitrags-Party vorbei? Oder gibt es ein Revival?

In den letzten Jahren war das Wachstum in Leben überwiegend vom Einmalbeitragsgeschäft getrieben. In 2020 war der Anteil des Einmalbeitrags ca. 38% im Markt. Die Zinswende führte nun zum Einbruch dieses Geschäftes, in 2023 war es nur noch 28%. Die Frage ob sich das Einmalbeitragsgeschäft wieder erholt ist höchst relevant für jede Wachstums-Strategie in der Lebensversicherung

 Was war die Einmalbeitrags-Party?

Die „Einmalbeitrags-Party“ war eine Phase des starken Wachstums im Einmalbeitragsgeschäft der Lebensversicherungen und erlebte ihren Höhepunkt im Zeitraum von 2019 bis 2021. Allein von 2017 bis 2021 ist der Einmalbeitrag um ca. 10% p.a. gewachsen. Die Phase wurde durch niedrige Zinsen und einen geringen Spread zwischen Kapitalmarktrenditen und Garantiezins ausgelöst. Sie fand Ihren Höhepunkt, als sich dieser Spread ins Negative drehte. In dieser Zeit konnten Lebensversicherer über Einmalbeitragsprodukte deutlich höhere Renditen als der Kapitalmarkt bieten. Dies führte zu einem signifikanten Anstieg der gebuchten Bruttoprämien bei den Einmalprämien, was gleichzeitig das Wachstum des Gesamtmarktes befeuerte. Allerdings haben es nur relativ wenige Wettbewerber geschafft in diesem Zeitraum bei einem sonst schwierigen Marktumfeld stark zu wachsen. Der Erfolg im Einmalbeitrag war einerseits getrieben durch ein starkes Sicherungsvermögen, was die entsprechenden Produkte ermöglicht hat, als auch der Zugang zum richtigen Vertriebsweg, in diesem Fall vor allem der Bankkanal. Die Versicherer, die besonders gewachsen sind – über Einmalbeiträge -konnten zusätzlich davon profitieren, dass ihre Verwaltungskosten-Quote sich positiv entwickelt hat, da diese in Relation zur Bruttoprämie ausgewiesen wird. Dieser Effekt wiederum hatte positive Spill-Over-Effekte auch auf den laufenden Beitrag. Diejenigen Versicherer, die sich hier entsprechend positioniert haben, konnten deutlich profitieren von der „Einmalbeitragsparty“.

Ist die Party nun vorbei, oder kommt es zu einem Revival?

Nach dem Höhepunkt kam es ab 2021 zu einem deutlichen Rückgang im Einmalbeitragsgeschäft, was hauptsächlich auf die Umkehr des Spreads von negativ zu deutlich positiv (~ 3%) zurückzuführen ist. Mit dem Anstieg der Kapitalmarktzinsen und der gleichzeitigen Reduzierung des Garantiezinses auf 0,25% im Jahr 2022, verlor das Einmalbeitragsgeschäft deutlich an Attraktivität.

Der Spread zwischen Umlaufrendite und Garantiezins wird bis Ende 2024 voraussichtlich weiter auf einem hohen positiven Niveau bleiben, woraus ein weiterer Rückgang der Einmalprämien resultieren sollte. Ab 2025 wird jedoch der Garantiezins auf 1% erhöht, was in Kombination mit einer mittelfristig prognostizierten Reduzierung der Kapitalmarktzinsen auf etwas über 2%1 zu einer deutlichen Reduzierung des Spreads führt und damit zu einem erneuten Wachstum im Einmalbeitragsgeschäft führen sollte. Die Prognosen von Oliver Wyman (basierend auf unserem Marktmodell) deuten darauf hin, dass das Einmalbeitragsgeschäft in den nächsten 3-5 Jahren wieder jährlich mit um die 3% wachsen wird. Sollte der Höchstrechnungszins weiter erhöht werden oder sich der Kapitalmarktzins deutlich anders entwickeln ändert sich natürlich das Szenario. Nach aktuellen Erkenntnissen stehen die Chancen jedenfalls gut, dass die Einmalbeitrags-Party doch noch nicht ganz vorbei ist, auch wenn das Fest nicht mehr ganz so rauschend wird wie zwischen 2019 und 2021. Wer beim ersten Mal die Party verpasst hat, sollte sich diesmal vorbereiten, da das Einmalbeitragsgeschäft auch weiterhin ein wichtiger Faktor in der Lebensversicherung bleiben wird.

1. Prognose: Oxford economics und Oliver Wyman Analyse