Generative KI: Revolutionäres Potenzial für Unternehmen

Interview mit Gereon Hinz, Geschäftsführer, STTech GmbH und Praxisreferent des Euroforum-Seminars zu ChatGPT & Co.

Expert:innen gehen davon aus, dass die Chat-Roboter-Technologie stärkere Umbrüche auslösen könnte als zuvor die Einführung von Internet und Smartphone. Teilen Sie diese Auffassung?

Die sich abzeichnende Möglichkeit, Intelligenz in diesem Maße zu skalieren, wird sogar noch größere Auswirkungen haben. Viele Manager fragen für bestimmte Aufgaben nun, wie viele Leute und welche Leute sie zukünftig dafür noch einstellen müssen? Das Handy hat uns bestimmte Arbeiten erleichtert. Die neue KI übernimmt viele Aufgaben vollständig. Daher hört man jetzt häufig „Das macht doch bald ChatGPT.“

ChatGPT und andere generative KI haben enormes disruptives Potenzial für viele Bereiche im Unternehmen. Können Sie Beispiele nennen?

Es lohnt sich bei den Aufgaben anzufangen, die viel manuelle Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Das sind häufig Prozesse, bei denen viele Informationen recherchiert und verarbeitet werden müssen, oder bei denen viele einfache Interaktionen zwischen Personen notwendig sind. So werden Dokumente wie Rechnungen, Gutachten, Nachrichten, Adressdaten, Verträge, Anträge oftmals automatisch verarbeitet. Die Arbeit der Sachbearbeiter wird hierdurch veredelt. Anstatt alles von Hand zu machen, dirigiert man die KI und kümmert sich selbst um Sonderfälle.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Implementierung von ChatGPT in Unternehmen und wie können diese überwunden werden?

Man braucht für die Aufgaben, die man optimieren möchte, eine passende KI-Anwendung. ChatGPT ist vereinfacht gesagt eine Art Chatbot, der durch ein großes Sprach-KI-Modell angetrieben wird. Als Teil einer guten KI-Strategie sollte jedes Unternehmen identifizieren, welche Fähigkeiten der KIs benötigt werden, um Aufgaben im Unternehmen zu automatisieren. Aus diesen Anforderungen lässt sich eine nachhaltige KI-Architektur, und letztlich die eigene KI-Anwendung für die ausgesuchten Anwendungsfälle ableiten. Diese Anforderungen beinhalten häufig Datenschutz, Security, Rechenkosten und -zeit, Updateprozess, Testdurchführung, Einbindung von Menschen, Verhinderung und Korrektur von KI-typischen Fehlern, den Umgang mit vom Standard abweichenden Datentypen und die Berücksichtigung von sowohl fachspezifischen als auch KI-spezifischen Normen. Aufgrund der Geschwindigkeiten und Komplexität der Arbeiten empfehlen wir bei Entwicklung und Betrieb mit Partnerfirmen zusammenzuarbeiten, die über viel KI-Entwicklungserfahrung verfügen und die helfen, die Technologien an Ihre Anforderungen anzupassen.

KI erlebt durch ChatGPT einen regelrechten Hype. Gibt es bestimmte Branchen oder Funktionen, die von diesem Hype besonders profitieren werden?

Es ist deutlich schwieriger, Branchen oder Funktionen zu nennen, die von dieser Entwicklung nicht profitieren werden. Stark profitiert haben bereits jetzt Firmen wie Nvidia als Schaufelhersteller für die Goldgräber. Die anderen ziehen jetzt nach. Viele Automatisierungen, die vorher nicht wirtschaftlich umzusetzen waren, werden jetzt möglich und attraktiv. Das wird sich auch auf das Endkundengeschäft auswirken, da man wieder neue Funktionen anbieten kann. Besonders attraktiv ist z.B. die Möglichkeit, Anträge in großen Teilen automatisiert zu erstellen und zu prüfen. Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, den „Genehmigungsstau“ für alle Seiten sinnvoll zu verbessern.

Sehen Sie auch Gefahren in der Entwicklung?

Durch KI gestützte Entscheidungen dürfen nicht zu Willkür führen. Individuen müssen dabei auf sinnvolle Art und Weise geschützt werden, ohne die KI-Entwicklung zu blockieren. Somit müssen KI-Entscheidungen nachprüfbar, begründbar und änderbar sein. Dafür muss es weiterhin Experten geben. Die KI wird bereits heute eingesetzt, um Angriffe auf Unternehmen und Privatpersonen zu intensivieren. Betrügerische Schreiben, auf die bisher einzelne hereingefallen sind, können jetzt mit KI deutlich leichter und glaubwürdiger erstellt werden. Hier besteht jeweils Handlungsbedarf. Gleichzeitig riskiert man aber auch, die KI zu sehr zu regulieren und dadurch z.B. die Entwicklung und den Einsatz von bestimmten Open-Source-Technologien zu verhindern. Dies wäre sehr nachteilig für das Innovationstempo und könnte Technologieentwicklungen noch mehr ins EU-Ausland verschieben. Zudem sehen sich Unternehmen der größer werdenden Gefahr ausgesetzt, den Zug zu verpassen und dadurch Wettbewerbsnachteile zu erfahren. Daher sollte man sich jetzt intensiv mit dem Thema beschäftigen und die Lösungen umsetzen.

Wie setzen Sie selbst ChatGPT in Ihrem beruflichen Umfeld ein?

Softwareentwicklung muss durch die KI-Durchbrüche neu gedacht werden. Wir entwickeln daher neue Werkzeuge, bei denen diese der Motor sind. Durch die Nutzung der daraus resultierenden Werkzeuge erzielen wir Steigerungen der Entwicklungseffektivität um einen Faktor 10. Das gilt insbesondere dann, wenn es viele komplexe Regularien gibt, die der Mensch bei der manuellen Umsetzung befolgen müsste. Kurzum: Es lohnt sich nicht nur, es ist geradezu maßgeblich.

Wie wird sich die Nutzung von ChatGPT in Unternehmen in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln?

Sowohl technische als auch organisatorische Arbeitsaspekte werden sich stark verändern. Diese genannten Technologien werden nicht mehr wegzudenken sein und mit der Zeit ein integraler Bestandteil zahlloser Arbeitsprozesse werden. Bei den innovativeren Unternehmen wird dies sehr zügig passieren. Deshalb ist es ratsam, sich jetzt schon Gedanken darüber zu machen, wie eine gute Strategie für diesen Wandel aussehen kann, damit man einen Flickenteppich vermeidet und maximal von den Entwicklungen profitiert. Wer Interesse hat, diese Ausrichtungen gemeinsam zu planen und auszurichten, kann sich gerne an uns wenden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es zahlt sich aus und die Ergebnisse machen Freude.