Rechnungszinserhöhung: Manchmal kommen sie wieder

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Artikel aus dem Handelsblatt Journal „Betriebliche Altersversorge und Kapitalanlage“ vom 20.06.2024

Auch wer sich an den Horrorklassiker nicht erinnern kann (oder will), die Verfilmung von Stephen Kings gleichnamiger Kurzgeschichte fand Eingang im allgemeinen Sprachgebrauch für etwas, das man bereits ad acta gelegt hatte – um dann später erneut zur Plage zu werden, etwa in Form von Zombies. Die Beschwörung der Untoten ist dem Bundesfinanzministerium (BMF) jüngst geglückt – auf Initiative der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und anderen Vertretern der Versicherungswirtschaft.

Der Garantiezins – ein Zombie? 

Etwa in die Zeit der Entstehung dieses Films – Anfang der Neunzigerjahre – müsste man zurückreisen, um zum Zeitpunkt zu gelangen, an dem der Rechnungszins das letzte Mal angehoben wurde: 1994 begann mit der Anhebung der Garantieverzinsung von 3,5 auf 4 Prozent die Blütezeit der Kapitallebensversicherung. Der sogenannte Garantiezins war das schlagende Marketingargument für die Lebensversicherung. Dabei stellt dieser nur einen Bruchteil der eigentlichen Ablaufleistung dar. Der deutsche Altersvorsorgesparer setzte auf die Garantie, auch wenn diese mehr Geld kostete als sie einbrachte. Seitdem erlebte der Höchstrechnungszins sieben Absenkungen auf nunmehr 0,25 Prozent. 

„Die Anhebung des Höchstrechnungszinses ist eine angemessene Reaktion auf das seit 2021 stark gestiegene Zinsniveau“, lässt sich Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zitieren. Dabei zeigen die Zeichen längst in umgekehrte Richtung: Im März senkte die Schweiz den Leitzins, die Schwedische Reichsbank folgte im Mai – und auch die beiden großen Zentralbanken Fed und EZB haben Zinssenkungen bereits in Aussicht gestellt. Vor diesem Hintergrund wirkt die Entscheidung des BMF anachronistisch, denn Garantiezinsprodukte scheinen nur unter den Vorzeichen steigender Zinsen zu funktionieren.

Kapitalmarktbasierte Produkte als Heilmittel Viele Versicherer haben die vergangene Zinsanstiegsphase dazu genutzt, neue Wege bei der Lebensversicherung einzuschlagen. Bereits die Hälfte des Neugeschäfts kommt heute aus kapitalmarktbasierten Produkten wie der Fondspolice. Damit folgen Versicherer endlich auch dem langfristigen Trend, den Kapitalmarkt verstärkt für sich nutzbar zu machen. Unrentable Garantieprodukte stehen dabei eher für das „Manchmal-kommen-sie-wieder-Szenario“: Ungerufen, unnötig – und irgendwie auch Neunzigerjahre.

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