Drei kurze Fragen an Tobias Weitzel, Head of confora labs – spotixx

Worüber sollte sich ein Vorstand beim Thema KI heute am meisten Gedanken machen — und was wird dabei häufig unterschätzt?

Am wichtigsten ist die Frage, ob die Grundlagen für erfolgreiche KI-Umsetzungen überhaupt gegeben sind: ausreichende Datenqualität, eine tragfähige Infrastruktur, klare Governance und KI-Kompetenz im Unternehmen. KI ist kein Wundermittel gegen Defizite in diesen Bereichen: auf den ersten Blick funktioniert vieles trotzdem, aber auf den zweiten Blick sieht man die Fehler. Unterschätzt wird, dass KI immer auch ein Change-Thema ist. Ohne die jahrelange Expertise der Fachabteilungen bleibt KI generisch und fehleranfällig. Man muss die Fachbereiche daher früh einbeziehen – und ihnen die Qualität der Ergebnisse auch nachweisen. Sonst fehlt das Vertrauen, intern wie beim Kunden. Und Versicherungen leben schließlich vom Vertrauen.

Wo ist die Lücke zwischen KI-Versprechen und messbarem Mehrwert aktuell am größten?

Am größten ist die Lücke bei der Autonomie. KI erzielt dann großen Mehrwert, wenn sie Menschen wirklich Arbeit abnimmt – sei es Recherche oder ganze Prozesse, die automatisiert werden. Diese Gewinne hebt man aber erst, wenn alle Beteiligten auf die Qualität der KI vertrauen, ihre Stärken und Schwächen kennen und diese auch transparent sind. Solange jedoch Verantwortlichkeiten ungeklärt sind und Tests fehlen, bleibt die KI eine „Black Box“. Wenn dann der berüchtigte „Human in the Loop“ am Ende doch alles gegenprüfen muss, bleibt der Mehrwert auf der Strecke.

Woran werden wir in zwei Jahren erkennen, dass KI in der Versicherungsbranche wirklich „angekommen“ ist?

Wenn KI weniger Mythos und Allzweckmittel ist und stattdessen eher als „normaleres“ IT-Projekt gesehen wird, das gewisse Anforderungen erfüllen muss: Erklärbarkeit von Entscheidungen, klare Governancestrukturen, laufendes Monitoring, Compliance by Design. Alles Dinge, die KI-Prototypen aktuell noch nicht unbedingt erfüllen, die es der KI aber erst ermöglichen, so in Kernprozesse eingebettet zu sein, dass sie Teil unseres Alltags werden kann. Ein Teil, dem wir und die Kunden gerne vertrauen.