Worüber sollte sich ein Vorstand beim Thema KI heute am meisten Gedanken machen — und was wird dabei häufig unterschätzt?
Für den geordneten Einsatz von KI benötigen Unternehmen eine gute Governance, also klare Regeln und Verfahren zum Einsatz von KI, und die richtige Expertise. Beides setzt einen ausreichend zeitlichen Vorlauf voraus. Die Governance muss alle aufsichtlich relevanten Risiken erfassen und alle einschlägigen gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben berücksichtigen. Was die Expertise angeht: Gerade kleinere Unternehmen tun sich im „War for talents“ schwer. Beides zügig zu entwickeln und gleichzeitig die relevanten Use Cases umzusetzen, erfordert klare Entscheidungen des Vorstands.
Wo ist die Lücke zwischen KI-Versprechen und messbarem Mehrwert aktuell am größten?
Bislang wird KI nur isoliert für einzelne produktivitätssteigernde Use Cases eingesetzt, ohne dass es bereits tragfähige Business Cases gibt. Die große Transformation der Unternehmen mit wirklich messbarem Einfluss auf P&L und Risikosteuerung sehen wir noch nicht. Gerade im KI-gestützten Kundenservice läuft vieles noch nicht rund und es benötigt immer noch klassische Prozesse im Hintergrund.
Woran werden wir in zwei Jahren erkennen, dass KI in der Versicherungsbranche wirklich „angekommen“ ist?
Im Kontakt mit Unternehmen wird jeder einzelne von uns als Kundin oder Kunde merken, dass die Implementierung von KI erfolgreich war – und das auf allen Kanälen (Telefon, Chatbot, E-Mail). KI-Champions werden Kundenanfragen schnell und individuell beantworten können und sich durch passgenaue Produkte von ihren Wettbewerbern abgrenzen. Das führt zu günstigeren Produkten und hoher Kundenzufriedenheit.