Resilienz & Strategie: Was bedeutet Resilienz für Sie ganz konkret – und welche strategische Entscheidung war in den letzten Jahren dafür entscheidend?
Resilienz heißt für mich: handlungsfähig bleiben, wenn sich die Rahmenbedingungen fundamental ändern. Die strategisch entscheidende Weichenstellung bei tesa war, Digitalisierung nicht als IT-Projekt zu begreifen, sondern als ganzheitliche Transformation – von der Dateninfrastruktur bis zur Befähigung unserer Mitarbeitenden. Das erfordert neben technologischer Substanz vor allem eine Unternehmenskultur, die Neugier fördert, Verantwortung teilt und Wandel als Chance begreift. Entscheidend ist eine Kultur, in der Menschen Veränderung nicht als Bedrohung erleben, sondern als Gestaltungsraum.
CFO-Rolle im Wandel: Welche Priorität auf der heutigen CFO-Agenda wird aus Ihrer Sicht noch immer unterschätzt?
Die Fähigkeit, über den Finanzbereich hinaus Wirkung zu entfalten. Viele sehen den CFO noch als Rückspiegel der Organisation. Ich bin überzeugt: Der moderne CFO muss wie ein Venture Capitalist denken – jede Investition hinterfragen, aber auch bewusst in Zukunftsfähigkeit investieren, selbst wenn der ROI nicht sofort quantifizierbar ist. Wer etwa in die digitale Befähigung der eigenen Mitarbeitenden investiert, stärkt nicht nur Effizienz, sondern auch die Arbeitgebermarke. Diesen Hebel haben die wenigsten CFOs auf dem Schirm.
Blick nach vorn: Was wird in den nächsten Jahren über den Erfolg oder Misserfolg von CFOs entscheiden?
Die Fähigkeit, Technologie, Daten und Kultur zusammen zu denken. Die eigentliche Grenze ist nicht technisch – sie ist kulturell. CFOs, die erfolgreich sein wollen, müssen in die richtige Dateninfrastruktur investieren, den Mut haben, ihre Mitarbeitenden zu befähigen, und authentisch führen. Stillstand ist in unserer Zeit gefährlicher als ein Fehler. Wer das versteht, wird gestalten. Wer nicht, wird verwalten – und das reicht nicht mehr.