Die Zukunft beginnt jetzt: Die Generation Z und die bAV

Die finanzielle Absicherung im Alter ist eine zentrale Herausforderung für die junge Generation in Deutschland. Innerhalb des gesetzlichen Rentensystems führen der demografische Wandel und das sinkende Rentenniveau zu einer wachsenden Versorgungslücke. Die betriebliche Altersversorgung (bAV) hat nach wie vor einen hohen Stellenwert, doch warum bleiben ihre Potenziale häufig ungenutzt?

Welche Maßnahmen und Reformen sind notwendig, um eine zukunftsfähige Lösung zu schaffen? In der 6. MetallRente Jugendstudie 2025 haben wir mit jungen Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren gesprochen und Antworten auf diese Fragen erhalten.

Das Dilemma zwischen Problemkenntnis und Handeln

Während die umlagefinanzierte gesetzliche Rente langfristig zur Sicherung des Lebensstandards beitragen soll, gerät sie aus den oben genannten Gründen zunehmend unter Druck. Ergänzende Vorsorgemaßnahmen, wie die bAV oder private Rentenmodelle, gewinnen weiter an Bedeutung.

Doch die aktuelle Verbreitung ist unzureichend: Fast die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland verfügt über keine bAV. Auch die private Altersvorsorge wird nicht in ausreichendem Maße genutzt.

Die MetallRente Jugendstudie zeigt: Junge Menschen sind sich der Probleme des Alterssicherungssystems durchaus bewusst. So geben 82 Prozent der jungen Frauen an, dass sie Angst davor haben im Alter nur eine geringe Rente zu bekommen und arm zu sein. Auch unter den jungen Männern ist diese Befürchtung mit 68 Prozent weit verbreitet.

Gleichzeitig übernimmt diese Generation gerne Verantwortung, sie treffen Entscheidungen und wenn sie sparen, dann spart mehr als die Hälfte von ihnen für die Altersvorsorge. Trotzdem legen gut 12 Prozent der Befragten gar nichts zur Seite bzw. 39 Prozent der Sparenden nicht für die Altersvorsorge. Was hält sie davon ab?

Ein Großteil gibt an, kein Geld zur Verfügung zu haben, weil sie es zum Leben brauchen oder sie haben andere Sparmotive als ihre Altersvorsorge z. B. unvorhersehbare Ereignisse, größere Anschaffungen oder Urlaubsreisen. Die Befragung zeigt aber auch, dass 62 Prozent der jungen Menschen sich mit dem komplexen Thema Altersvorsorge überfordert fühlen. Überforderung und daraus entstehende Unsicherheit in der Entscheidung hindern sie daran aktiv zu werden.

Gerade die bAV leidet darunter. Ihr komplexer rechtlicher Rahmen, spezielle Fachbegriffe und undurchsichtige steuerliche Fördermöglichkeiten führen dazu, dass sie als Expertenthema gilt. Dies führt dazu, dass viele Menschen sich von vornherein nicht mit ihr beschäftigen. Stattdessen setzen sie auf einfach zugängliche Informationen, eigene Kontrolle und kurzfristige Sparlösungen.

Im schlimmsten Fall verharren sie in Untätigkeit.

Finanzielle Bildung als Schlüssel zur Altersvorsorge

Wie lässt sich diese Überforderung gezielt abbauen? Die Befragten geben die Antwort in der MetallRente-Jugendstudie selbst: Sie wünschen sich bedarfsgerechte Information über Altersvorsorge in verständlicher Sprache schon während der Schulzeit und in der Ausbildung. So wünschen sich 87 Prozent, dass Altersvorsorge ein fester Bestandteil eines Schulfachs „Wirtschaft und Finanzen“ wird.

Die Finanzbildung ist nicht flächendeckend oder in unterschiedlicher Ausgestaltung in die Schulbildung integriert. Junge Menschen müssen sich Wissen über Altersvorsorge in der Regel selbst aneignen und suchen nach Informationen. Erste Wahl sind hierbei Eltern, Freunde und Bekannte. Aber 72 Prozent von ihnen informieren sich im Internet – z.B. bei YouTube, Instagram oder Finfluencern. Social-Media-Kanäle sind aber meist interessengeleitet und in ihrer Qualität für die Jugend häufig nicht überprüfbar.

Auch dieses Problem scheint den Befragten durchaus bewusst zu sein und, so sehen 75 Prozent die Notwendigkeit eines offiziellen, unabhängigen Social-Media-Kanals.

Für die jungen Menschen heißt das: Sie müssen heute ein Problem für ihre Zukunft lösen und heute die Entscheidungen treffen, werden allerdings weitestgehend damit allein gelassen.

Das Bundesministerium der Finanzen hatte in der letzten Legislaturperiode bereits eine Finanzbildungsinitiative angestoßen. Dieser Ansatz muss wieder aufgenommen sowie Ideen und Vorschläge umgesetzt werden.

Neben den Informations- und Bildungsthemen bedarf es aber auch einer Vereinfachung der gesetzlichen Regelungen, um Komplexität abzubauen und Transparenz zu ermöglichen.

Die Bildung ist das eine, aber wie ist das mit dem Vertrauen?

Vertrauen spielt eine entscheidende Rolle in der Altersvorsorge – schließlich geht es um die finanzielle Sicherheit für die Zukunft. Wer sich für ein Vorsorgemodell entscheidet, muss sich darauf verlassen können, dass die gewählten Anbieter zuverlässig sind und langfristig stabile Lösungen bieten.

So geben 58 Prozent der Befragten an, dass sie dem Arbeitgeber als Anbieter für die Altersvorsorge am meisten vertrauen. Das Vertrauen in die Rentenpolitik und die gesetzliche Rentenversicherung ist auf 49 Prozent, im Verhältnis zu 58 Prozent aus der letzten MetallRente-Jugendstudie-Befragung 2022, gesunken. Ebenso sinkt das Vertrauen in Lebensversicherungen und Banken. Das sinkende Vertrauen gegenüber klassischen Vorsorgemodellen führt dazu, dass sich die junge Generation zunehmend nach Alternativen umsieht und diesen Anbietern auch ein hohes Vertrauen entgegenbringt. So gaben 47 Prozent der Befragten an, Fonds als Anbieter für Altersvorsorge-Produkte zu vertrauen. Das passt zu ihrem Sparverhalten: 62 Prozent derjenigen Befragten, die aktiv für ihr Alter vorsorgen, investieren bereits in Aktien und ETFs.

Insbesondere die bereits beschriebene Nutzung digitaler Informationskanäle könnte für dieses veränderte Sparverhalten eine entscheidende Rolle spielen. Inhalte über ETFs, Aktien und Anleihen dominieren auf diesen Plattformen. Dazu sind die dort zu findenden Informationen häufig einfach und verständlich aufbereitet.

Bisher fehlt es an solchen niedrigschwelligen Informationsangeboten in der betrieblichen Altersversorgung. Digitale Zugänge, wie die digitale Rentenübersicht, haben hohe Zugangshürden, sind noch nicht ausreichend ausgebaut und vermitteln kein Finanzwissen. Auch Arbeitgeber und Versorgungswerke nutzen digitale Kommunikation derzeit noch zu wenig, um junge Beschäftigte direkt anzusprechen.

62 Prozent der jungen Menschen fühlen sich mit dem komplexen Thema Altersvorsorge überfordert.

Kerstin SchminkeGeschäftsführerin, MetallRente GmbH

Anforderungen der jungen Generation an eine gute Altersvorsorge

Die MetallRente-Jugendstudie macht deutlich, was die junge Generation konkret von ihrer Altersvorsorge erwartet:

  1. Lebenslange Leistung – 96 Prozent der Befragten sehen eine gesicherte lebenslange Rentenzahlung als entscheidendes Kriterium.
  2. Sicherheit der Beiträge – Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten erwarten 95 Prozent von ihnen eine Absicherung ihrer Einzahlungen.
  3. Attraktive Rendite – die Altersvorsorge muss sich auch finanziell lohnen.
  4. Informationen in einer verständlichen Sprache – sie wollen ihre Altersvorsorge verstehen und nachvollziehen können.
  5. Transparenz – Altersvorsorge sollte online einsehbar sein – sie wollen Einsicht und Kontrolle über ihre Altersvorsorge.
  6. Flexibilität – sie wollen, dass ihre Altersvorsorge mit ihren veränderten Lebensphasen und ihrer persönlichen wie beruflichen Weiterentwicklung mithält.
  7. Gerechtigkeit und Fairness

Setzt man diese Anforderungen in Relation zu den derzeit bevorzugt gewählten Altersvorsorgeprodukten, so wird deutlich, dass die junge Generation sich selbst widerspricht. Aktien und ETFs bieten weder lebenslange Leistungen noch Beitragssicherheit.

Eine Chance für die betriebliche Altersversorgung

Die Ergebnisse zeigen, dass die junge Generation ihre Altersvorsorge nicht dem Zufall überlassen will. Gleichzeitig fühlen sie sich oft auf sich allein gestellt und fordern Unterstützung.

Die bAV bietet bereits viele, der von jungen Menschen geforderten Merkmale für eine gute Altersvorsorge.

Dazu bietet sie noch weitere Anreize: Das Vertrauen in den Arbeitgeber als Anbieter und einen Arbeitgeberzuschuss, den 79 Prozent der jungen Menschen als stärksten Motivator für die eigene Altersvorsorge ansehen. Doch sie bleibt für viele zu intransparent, zu schwer zugänglich und zu unflexibel. Es ist entscheidend, dass sie modernisiert und vereinfacht wird. Dies erfordert:

  • Klare und verständliche Kommunikation.
  • Digitale Informations- und Produktangebote, die den Zugang erleichtern.
  • Flexible Modelle, die auf moderne Erwerbsbiografien eingehen.
  • Staatliche Anpassungen, um die Förderung inklusiver zu gestalten.

Zudem steht die Politik auch in der Verantwortung strukturelle Reformen zu fördern, die Sicherheit und Orientierung bieten:

  • Die Finanzbildung muss nachhaltig ausgebaut werden, damit die jungen Menschen in die Lage versetzt werden, fundierte, unabhängige Entscheidungen für ihre Altersvorsorge zu treffen.

Die 6. MetallRente-Jugendstudie macht deutlich: Die junge Generation ist bereit, aktiv Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen. Nun ist es an Politik und Gesellschaft, ihnen die passenden Instrumente dafür an die Hand zu geben.

Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Betriebliche Altersversorgung und Kapitalanlage“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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