Seit dem 12. März sieht sich Europas Stahlindustrie mit neuen US-Importzöllen auf Stahl konfrontiert. Doch das ist bei weitem nicht ihre einzige Herausforderung. Unlauterer Wettbewerb, Carbon Leakage und die Notwendigkeit von Leitmärkten, um die Transformation zu grünem Stahl zu fördern, bleiben kritische Themen.
Mit dem Clean Industrial Deal und ihrem Stahlaktionsplan hat die Europäische Kommission die zahlreichen Herausforderungen von Europas Stahlindustrie erkannt. Nur ein vereintes, nach vorn gerichtetes Europa kann global erfolgreich sein, und diese Herausforderungen lassen sich nur auf europäischer Ebene bewältigen.
Alle europäischen Stahlproduzenten haben eingesehen, dass mit grünem Stahl neue Standortfaktoren für Stahlwerke gelten. Das lässt sich gut am Werk von Tata Steel Nederland in IJmuiden an der niederländischen Nordsee beobachten: Die Nähe zu Offshore-Windparks gewährleistet einen zuverlässigen Zugang zu grüner Energie, ohne auf das nationale Stromnetz angewiesen zu sein. Darüber hinaus ermöglicht die Nordsee-Logistik einen emissionsarmen Transport durch ganz Europa. Außerdem wird aktuell ein möglicher Korridor zwischen Amsterdam und Norwegen für Wasserstoffimporte und CO2-Exporte untersucht.
Doch solche Vorteile werden untergraben, da die EU in einer entscheidenden Frage keine wirklich harmonisierende europäische Lösung bietet: den Energiekosten. Im Vergleich zu Unternehmen in Nachbarländern erhalten große industrielle Energieverbraucher in den Niederlanden keine Rabatte und indirekten Ausgleichszahlungen. Gleichzeitig ist die Art und Weise, wie die niederländische Regierung mit den Kosten für das Stromnetz umgeht, eine weitere Störung von Wettbewerbsgleichheit bei Energie in Europa. Das führt dazu, dass industrielle Großverbraucher in den Niederlanden mit deutlich höheren Energiekosten konfrontiert sind. Ihre Energiekosten sind mehr als doppelt so hoch wie die vergleichbarer Unternehmen in Deutschland.
Doch indem die Kommission seine Mitgliedstaaten dazu ermuntert, unabhängige nationale Maßnahmen umzusetzen, riskiert sie die Wettbewerbsgleichheit im Energiebereich noch weiter zu beeinträchtigen – nationale Regierungen werden unterschiedlich reagieren. Aber wir alle wissen: Die EU kann nur dann als relevanter Akteur auf dem globalen Spielfeld der Stahlindustrie auftreten, wenn ihre einzelnen Binnenmärkte funktionieren.
Es sind genau diese Art von Herausforderungen, die koordinierte europäische Lösungen erfordern. Die Mitgliedstaaten müssen sich gegenseitig stärken: Letztlich sind es stärkere Partnerschaften und nicht nationale Ansätze, die den Erfolg Europas bei grünem Stahl bestimmen werden. Das gilt auch dafür, einander nicht durch unabgestimmte staatliche Beihilfen und Steuermaßnahmen zu übertrumpfen.