Gleichzeitig bedeutet dieser Wandel, dass „weiter so“ für die meisten Unternehmen keine Option mehr ist. Wer weiterhin auf „Business as usual“ setzt, wird langfristig den Anschluss verlieren. Der Blick in die Historie zeigt, dass der Wandel, den wir gerade erleben, eine logische Entwicklungsstufe ist: Zunächst dominierten einfache Produkt- und Servicegeschäfte. Dann gewannen rund um die Jahrtausendwende Plattformansätze durch die digitale Revolution an Bedeutung. Business-Ökosysteme sind die Weiterentwicklung dieser Strategien und mittlerweile kein Nischenthema mehr im Markt. Im Gegenteil: Betrachtet man die globale Marktkapitalisierung, lässt sich der Erfolg von sieben der zehn größten Unternehmen weltweit auf ein aktives Business-Ökosystem zurückführen. Denn sie ermöglichen dynamische Netzwerke, die mehr Wert schaffen als isolierte Unternehmen. Nun geht es darum, das eigene Geschäftsmodell vor diesem Hintergrund grundlegend neu zu denken, um die eigene Rolle in den neu entstehenden Ökosystemen zu definieren.
Die Automobilindustrie entwickelt sich beispielsweise zu einem software-getriebenen Mobilitätsökosystem („How we Move“) und einige OEMs entwickeln Fahrzeuge bereits zu digitalisierten Plattformen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Logistik: resiliente Lieferketten, autonome Systeme und grüne Transportlösungen. Die Zukunft der Mobilität entsteht an der Schnittstelle von Technologie, Infrastruktur und Verhalten – mit dem Ziel, Mobilität zugänglicher, klimafreundlicher und effizienter zu machen. So zeigen autonome Lieferroboter oder Drohnenlogistik erste Ansätze einer neuen Ära im Gütertransport.
Ein weiteres Beispiel ist die Ernährungs- und Agrarwirtschaft, die zwischen globalem Wettbewerbsdruck, Nachhaltigkeitszielen und Verbrauchertrends steht. Klimawandel, Lieferkettenrisiken und veränderte Ernährungsgewohnheiten treiben einen fundamentalen Wandel voran – vom linearen Agrarmodell hin zu zirkulären Ernährungssystemen („How we Feed“). Beispielsweise zwingt die zunehmende Wasserknappheit viele Regionen dazu, Bewässerungssysteme neu zu denken.
Digitale Agrartechnologien, CO₂-Labeling und alternative Proteinquellen eröffnen neue Wertschöpfungslogiken. Große Lebensmittelkonzerne und Startups kooperieren zunehmend, um Ressourceneffizienz, Transparenz und Gesundheit zu vereinen. Der Weg führt von Massenproduktion zu personalisierten, nachhaltigen Ernährungslösungen. Ein Beispiel ist die wachsende Zahl digitaler Ernährungsplattformen, die personalisierte Empfehlungen auf Basis von Biomarkern bereitstellen.
Die aktuelle PwC-Studie „Value in Motion“ bringt es auf den Punkt: Unsere alte Industrielogik hat ausgedient. Sektoren verschmelzen zu sogenannten Domänen, die sich nicht mehr an traditionellen Branchengrenzen orientieren, sondern an grundlegenden Bedürfnissen wie „How we Move“, „How we Care“ oder „How we Build“.
Der Vorteil: Statt isolierter Wertschöpfung entstehen integrierte Ökosysteme, die Innovation beschleunigen, Skaleneffekte ermöglichen und resiliente Geschäftsmodelle fördern. Unternehmen, die diese Logik verstehen, können nicht nur Kosten senken, sondern auch neue Wachstumsquellen erschließen – durch Kooperation, Datenintegration und gemeinsame Infrastruktur.

Der Wandel von Branchen zu Domänen – entlang grundlegender Kundenbedürfnisse wie “How we Move” eröffnet neue Wachstumspotenziale