100 Milliarden Euro Sondervermögen, 35 Milliarden Euro für die Weltraumsicherheit, Aussetzung der Schuldenbremse, steigende Verteidigungsbudgets, neue NATO-Fähigkeitsziele. Die Zeitenwende setzt enorme Impulse für den Auf- und Ausbau verteidigungsrelevanter Infrastruktur und Produktionskapazitäten in Deutschland. Ob Neubau auf der grünen Wiese oder Umnutzung bestehender Industrie- und Gewerbeimmobilien für Defense-Zwecke: In beiden Fällen treffen klassisches Bau- und Immobilienrecht auf verteidigungsspezifische Anforderungen und Regulatorik – eine Konstellation, die entlang des gesamten Projektlebenszyklus eigene rechtliche Gestaltungsfragen eröffnet. Hinzu kommt, dass planungsrechtliche Verfahren traditionell auf eine sorgfältige und transparente Öffentlichkeitsbeteiligung setzen, während die notwendige militärische Ertüchtigung die Chance für eine spürbare Beschleunigung dieser Prozesse eröffnet.
Standortwahl: Wo darf Defense überhaupt hin?
Ob Neuerschließung oder Umwidmung einer bestehenden Liegenschaft – die Standortfrage erfordert besondere juristische Aufmerksamkeit. Flächen der öffentlichen Hand unterliegen besonderen Vergaberegeln hinsichtlich der Auswahl des Erwerbers bzw. Nutzers und des Preises; Konversionsflächen ehemaliger Kasernen bringen Altlasten- und Bodenschutzfragen mit. Bei der Umnutzung bestehender Gewerbeimmobilien stellen sich Fragen der planungsrechtlichen Zulässigkeit neu. In jedem Fall gilt: mehr als ein gewöhnliches Immobilienvorhaben, aber mit einer guten Vorbereitung gut zu bewältigen.
Planung und Genehmigung: Der entscheidende Hebel
Hier entscheidet sich, wie schnell ein Projekt Fahrt aufnimmt. Mit einer klugen Steuerung von Behörden- und Bürgerbeteiligung lässt sich der Prozess wirksam voranbringen. BauGB und BauNVO bilden die Grundlage – darüber legen sich verteidigungsspezifische Regime, die je nach Produkt kumulativ greifen: Immissionsschutzrecht, Störfallrecht, Sprengstoffrecht, Kriegswaffenkontrollgesetz etc. Die entscheidende Frage lautet: Was genau soll an diesem Standort produziert oder gelagert werden? Die Antwort bestimmt die gesamte Genehmigungsarchitektur. Zugleich gestalten Kommunen die planerische Steuerung: Wie lässt sich verteidigungsrelevante Industrie in bestehende Bebauungspläne integrieren – und wie können Planungsbeschleunigungsgesetze hier gezielt unterstützen? Wie gelingt der Umgang mit dem Wechselspiel von Bürger- und Ratsbegehren für und gegen eine Ansiedlung?
Bau: Sicherheit wird Beton
In der Bauphase materialisieren sich die regulatorischen Anforderungen: Physische Schutzmaßnahmen, Zugangskontrollen, gehärtete Infrastruktur – Defense-Bauten folgen eigenen Standards. Der Schlüssel liegt in der Koordination: Mehrere Genehmigungsebenen müssen parallel bedient werden, sodass die Auflagen reibungslos ineinandergreifen.
Querschnittsthemen: Die unsichtbare Matrix
Über allen Phasen liegt ein Netz verteidigungsspezifischer Genehmigungen: Exportkontrolle, Geheimschutz, branchenspezifische Compliance. Diese Anforderungen wirken nicht isoliert – sie durchziehen das Vorhaben von Tag eins bis zum laufenden Betrieb. Wer sie frühzeitig adressiert, sichert sich Vorteile bei Zeit und Budget.
Betrieb und Produktion: Compliance hört nie auf
Mit der Inbetriebnahme ist das Projekt juristisch häufig noch nicht abgeschlossen. Auflagen müssen dauerhaft eingehalten, Genehmigungen aktuell gehalten und Veränderungen der Rechtslage antizipiert werden. In einem Sektor, dessen politische Rahmenbedingungen sich so schnell verschieben wie derzeit, ist vorausschauende rechtliche Begleitung eine wichtige Betriebsvoraussetzung.
Deep-Dive auf der Handelsblatt-Konferenz
Genau diesen Themen und Fragen nehmen wir uns auf der Handelsblatt-Konferenz „Defense and Real Estate“ am 14. und 15. September 2026 in Düsseldorf an. In unserem 45-minütigen Deep-Dive begleiten unsere erfahrenen Anwält: innen die Defense-Immobilie entlang ihres gesamten Lebenszyklus – mit aktuellem Marktbezug, konkreten Praxisfragen und Raum für Diskussion.