150.000 Zähler, vier Jahre, eine Region im Allgäu: Was die AllgäuNetz GmbH bis Ende 2028 umsetzt, stellt Stadtwerke und Netzbetreiber bundesweit vor dieselben Fragen.
Wer übernimmt die operative Last eines Rollouts, der nicht mehr aufzuschieben ist? Wie bleibt die regulatorische Verantwortung dabei an der richtigen Stelle?
Regulierungen bieten keinen Spielraum mehr
Deutschland ist spät; später als die meisten seiner europäischen Nachbarn. Hohe Sicherheitsanforderungen, zertifizierte Gateways und komplexe Marktprozesse haben den Smart Meter-Rollout gebremst. Die Fristen sind gesetzt und für grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) gibt es keinen zeitlichen Spielraum mehr. Das Messstellenbetriebsgesetz ist eindeutig: Wer höhere Jahresverbräuche im Netz hat oder steuerbare Verbrauchseinrichtungen betreibt, bekommt ein intelligentes Messsystem. Die Bundesnetzagentur überwacht den Fortschritt öffentlich, nachprüfbar und verbindlich.
§14a EnWG verlangt zudem, dass steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Ladeeinrichtungen netzdienlich steuerbar sind. Das geht nur mit sicherer Kommunikationsinfrastruktur. Intelligente Messsysteme liefern sie. Sie ersetzen keine Netzplanung, doch sie geben ihr erstmals Echtzeitdaten.
Wie AllgäuNetz den Rollout stemmt
AllgäuNetz, Betreiber des Stromnetzes in weiten Teilen des südlichen Allgäus, nutzt regulatorische Vorgaben als Ausgangspunkt für den Smart Meter-Vollrollout.
Die Netzgesellschaft hat sich für einen flächendeckenden Rollout entschieden: Gemeinde für Gemeinde, Straßenzug für Straßenzug werden intelligente Messsysteme auf einer eigens aufgebauten sicheren Funkinfrastruktur eingeführt. Das reduziert Wegezeiten, erleichtert die Einsatzplanung und verteilt die Installationen gleichmäßig über die Laufzeit.
Der Ausbau läuft in zwei Schritten. Zunächst wird der neue Zähler installiert. Dann folgt die Aktivierung als vollwertiges intelligentes Messsystem mit allen Grid-Funktionen: Redispatch, E-Mobilität, Lastmanagement für dynamische Tarife und transparente Verbrauchsdaten. Auf der eigenen Internetseite erklärt das Unternehmen, wann welche Gemeinde an der Reihe ist, wie das Übertragungsnetz entsteht und was Smart Meter für die Menschen vor Ort bedeuten. Der Rollout wird so zum planbaren Projekt für die Organisation und zum nachvollziehbaren Schritt in der Energiewende für die Kunden.
Skalierung ist die Herausforderung, Metering-as-a-Service ist die Antwort
Das eigentliche Problem ist die Menge. Ein intelligentes Messsystem besteht aus Zähler, Gateway, Kommunikationsanbindung und einer Vielzahl an Hintergrundprozessen. Bei einigen hundert Geräten pro Jahr lässt sich das individuell organisieren.
Bei fünfstelligen Stückzahlen nicht mehr, denn Einbau, Inbetriebnahme und Marktkommunikation müssen dann reibungslos ineinandergreifen.
Hier setzt das Meter-as-a-Service-Modell an. Der Technologiekonzern Hausheld AG übernimmt als Generalunternehmer die Gerätetechnik, die Montage und die technische Anbindung der Systeme. Damit verlagert sich ein erheblicher Teil der operativen Last des Rollouts zum Dienstleister, der als Erfüllungsgehilfe des gMSB agiert und die massenhafte Umsetzung effizient organisiert.
Der technische Kern ist eine Funk-Mesh-Lösung: PTB-zertifizierte Zähler in den Häusern und Kellern verbinden sich BSI konform verschlüsselt mit wenigen zentralen Gateways, welche z.B. in Ortsnetzstationen montiert sind. Dies reduziert die Anzahl der Gateways um bis zu 96 Prozent sowie Kosten für Montage, Fahrten und Material um etwa 50 Prozent.
Das Stadtwerk zahlt nicht für Hardware oder Installationen, sondern für gelieferte Messdaten. Das Modell bewegt sich innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Preisobergrenzen und bietet Finanzierungsoptionen, so dass eigene Investitionen entfallen. Der Break-even kommt früher. Die Betriebskosten sinken dauerhaft. Ein Voll-Rollout im gesamten Netzgebiet wird damit wirtschaftlich und auch ohne großes Budget realisierbar.
Gestalter statt Getriebene
Stadtwerke brauchen klare Prioritäten, digitale Abläufe und Partner entlang der Wertschöpfungskette, um den Smart-Meter-Rollout zu stemmen. Wer den Ausbau entschlossen angeht, baut mehr auf als eine Zählerinfrastruktur, nämlich auch die Basis für netzdienliche Steuerung, Echtzeitdaten und eine stärkere Rolle im Energiesystem. Wer diesen Weg wählt, gewinnt Planungssicherheit und gestaltet die künftige Energieversorgung aktiv mit, statt unter Zeitdruck reagieren zu müssen.

Titelfoto: Volker Wiegand (AllgäuNetz) und Bouke Stoffelsma (Hausheld) Foto: Mathias Sienz
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