In einem seiner ersten Interviews als Bundeskanzler räumte Friedrich Merz ein: „Wir haben den Gesundheitssektor immer nur als Problem gesehen (…), als Kostenlast, selten oder nie als eine Chance für Wertschöpfung im eigenen Land. Ich würde das gerne andersherum betrachten.“ Ich finde: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen.
Die industrielle Gesundheitswirtschaft, zu der auch forschende Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson Innovative Medicine gehören, hat das Zeug, den Innovations- und Wirtschaftsstandort zurück an die Spitze des globalen Wettbewerbs zu führen. Ihr Anteil am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist mehr als doppelt so hoch wie der der Autoindustrie (12 % vs. 4,9 %), und mit Re-Investitionen von rund 16 % vom Branchenumsatz liegt sie weit vor Branchen wie Fahrzeugbau und Elektroindustrie.
Für mich persönlich ist jedoch vor allem eines entscheidend: Medizinischer Fortschritt bedeutet Hoffnung. Moderne Arzneimittel setzen immer früher und personalisierter an, wirken zunehmend präzise, sind immer besser verträglich. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: bessere Heilungschancen, mehr Lebensqualität, mehr Möglichkeiten, am sozialen Leben teilzuhaben, für Familie und Freunde da zu sein, Hobbies auszuleben, Träume zu verwirklichen. Nicht zuletzt bedeutet es auch, länger beruflich aktiv zu bleiben. Gesundheit verändert alles.
Es geht um Planungssicherheit
Der medizinische Fortschritt der letzten zehn Jahre ist gigantisch. Mehr als 70 % der Menschen, bei denen heute Krebs diagnostiziert wird, leben dank besserer Früherkennung, Diagnose und Behandlung noch fünf Jahre oder länger. Zu Beginn der 1980er-Jahre waren es 50 % . Um das zu erreichen, investieren forschende Unternehmen in Deutschland Jahr für Jahr mehr als acht Milliarden Euro in die Erforschung und Entwicklung neuer bzw. in die Verbesserung bestehender Therapien. Pharmazeutische Forschung ist jedoch ein finanzielles Hochrisikogeschäft. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine im Rahmen der Forschung entdeckte Substanz später als Medikament zugelassen wird, ist äußerst gering. Sie beträgt maximal 0,02 % – bei Kosten von bis zu 1,6 Milliarden Euro.
Das finanzielle Risiko tragen die Unternehmen. Umso wichtiger sind stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen – und damit Planungssicherheit. Als Geschäftsführer eines forschenden Unternehmens, das sich zu 100 % auf Innovationen, also die Entwicklung neuer Medikamente und neuer Therapieansätze fokussiert, muss ich mich darauf verlassen können, dass es einen Markt für unsere Entwicklungen gibt; dass Innovationen wie z. B. Gen- und Zelltherapien in der Onkologie adäquat bewertet, entsprechend ihrem Wert für Patientinnen und Patienten vergütet und schnellstmöglich in die Versorgung gebracht werden können. Pauschale Rabatte und Preisleitplanken für innovative Medikamente, wie sie mit dem GKV Finanzstabilisierungsgesetz eingeführt wurden, machen die Verhandlung von Erstattungspreisen, die dem Wert eines neuen Medikaments oder eines ganz neuen Therapieansatzes entsprechen, jedoch so gut wie unmöglich.
Koalitionsvertrag als Kompass
Forschende Unternehmen wie Johnson & Johnson brauchen verlässliche Rahmen- und Marktzugangsbedingungen, die Innovationen fördern, statt sie auszubremsen. Das hat auch die Politik erkannt. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir stärken die industrielle Gesundheitswirtschaft, insbesondere die pharmazeutische Industrie als Leitwirtschaft“. Erreicht werden soll dies (unter anderem) durch die Umsetzung von drei sehr konkreten Maßnahmen: der Fortsetzung des Pharmadialogs, der Weiterentwicklung der Pharmastrategie sowie der Modernisierung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG). Damit sind die Weichen für eine effektive Stärkung der industriellen Gesundheitswirtschaft gestellt, zumindest auf dem Papier. Jetzt kommt es darauf an, möglichst schnell in die Umsetzung zu kommen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine dieser Entscheidungen ist die vollständige Rücknahme der oben erwähnten AMNOG-Preisleitplanken.
Wenn wir das Wertschöpfungspotenzial des Gesundheitssektors im Sinne von Bundeskanzler Friedrich Merz bestmöglich nutzen wollen, brauchen wir jedoch noch etwas; etwas, das nicht im Koalitionsvertrag geschrieben steht: Wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken, einen neuen, ganzheitlichen Blick auf Gesundheit. Denn es geht nicht allein darum, eine Schlüsselbranche zu stärken. Es geht darum, den Wert von Gesundheit zu erkennen, für uns Menschen, für unsere Gesellschaft, für unsere Wirtschaft. Es geht darum, zu verstehen, dass strategisch geplante Ausgaben in Gesundheitsinfrastruktur, in frühzeitige Diagnostik, Prävention und innovative Therapien Investitionen in nachhaltig gesündere Menschen sind, in eine resilientere Gesellschaft und einen starken, wettbewerbsfähigeren Wirtschaftsstandort. Es geht darum, dass wir verstehen: Gesundheit verändert alles. Auf allen Ebenen.
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