Von der Pflicht zur Chance: Wie Vorstände den Kulturwandel meistern

In den letzten Jahren hat die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen deutlich an Bedeutung gewonnen. Neue Vorschriften wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichten Unternehmen zunehmend, ihre Leistungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) transparent und umfassend offenzulegen. Von der Vorstandsetage bis zum Fließband spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle.

Nachhaltiges Handeln ist nicht mehr „nice-to-have“, sondern ein integraler Bestandteil der wesentlichen Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens. Das ist auch in den Vorstandsetagen angekommen. Werden Pflichten ignoriert oder gar verletzt, ist das Risiko für Reputationsschäden oder zukünftig sogar Haftungsfälle bei den Unternehmen hoch. Image-Schäden und Unmut bei Stakeholdern können nicht zuletzt dazu führen, dass die Loyalität von Kundinnen und Kunden oder Beschäftigen gefährdet wird. Von Finanzierungsherausforderungen ganz zu schweigen.

Angesichts zunehmender Regulierung stehen Unternehmen an einem Scheideweg, an dem die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht mehr nur eine reine Compliance-Übung ist, sondern eine transformative Reise hin zu einem umfassenden, ganzheitlichen und in die Unternehmensstrategie eingebetteten Nachhaltigkeitsmanagement. Diese Reise wird nicht einfach sein, aber sie wird reibungsloser verlaufen, wenn sich die Vorstände auf die positiven Ergebnisse konzentrieren und nicht auf die unvermeidlichen Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Doch wo beginnen? Wie können Vorstände sicherstellen, dass die Transformationsreise gelingt?

Wir geben Ihnen fünf Tipps für einen bewussten Führungsansatz, der die Unternehmensleitung dazu anregt, ihren Managementansatz, ihre Unternehmenskultur und ihre Geschäftspraktiken zu reflektieren und aus der ESG-Perspektive zu beleuchten.

How To: ESG-Überwachung durch den Vorstand
Um die ESG-Überwachung durch den Vorstand effektiv zu gestalten, ist es wichtig, zunächst einmal ESG-Risiken und -Chancen zu identifizieren und zu priorisieren. Ein Benchmarking mit anderen Unternehmen und Stakeholdern hilft dabei, die wichtigsten ESG-Themen zu definieren. Diese Bewertungen sollten regelmäßig aktualisiert werden und als Teil des Risikomanagements des Unternehmens integriert sein.

Eine klare Definition der Aufsichtspflichten ist unerlässlich. Dazu gehört die Festlegung der Governance-Struktur, einschließlich der Rollen des gesamten Vorstands und der Ausschüsse. Die Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Vorstand, Ausschüssen und Management sollte formalisiert werden.

Zudem gilt es, die Unternehmensstrategie um die Aspekte nachhaltiger Unternehmensführung anzureichern, indem der Unternehmenszweck und die ESG-Ziele harmonisiert und durch unterstützende Metriken untermauert werden. Kurz- und langfristige ESG-Ziele sollten in die Unternehmensstrategie eingebettet werden. Das Verantwortungsbewusstsein des Managements kann durch Anreize, KPIs und ein stringentes Monitoring für ESG-Fortschritte erhöht werden.

Für eine zuverlässige Berichterstattung ist die Auswahl geeigneter Rahmenwerke und Methoden entscheidend, basierend auf der Branche, den verfügbaren Daten und Ressourcen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit regulatorisch geforderter Pflichtberichterstattung ist selbstverständlich unerlässlich. Es gilt Berichterstattungssysteme, Datenbeschaffung, Kontrollen und Testverfahren einzurichten, die den Anforderungen der ESRS, aber auch den unternehmerischen Gegebenheiten entsprechen. Ein iterativer Prozess für Verbesserungen kann durch die Einführung eines Programm-Management-Ansatzes zur Neubewertung und Verbesserung des ESG-Rahmens geschaffen werden. Regelmäßige Abstimmungen und Diskussionen von ESG- und Nachhaltigkeitsthemen im Vorstand und Management sind wichtig. Schließlich sollte sichergestellt werden, dass kontinuierlich Verbesserungsprozesse auf allen Ebenen der Organisation etabliert werden. Denn nur so erfolgt die notwendige Durchdringung der ESG Themen in alle Funktionen und Umsetzungsebenen des Unternehmens.

Fazit: Vorausschauende Vorstände werden die Integration von Nachhaltigkeit nicht als zusätzliche Belastung sehen, sondern ESG als Chance begreifen, die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens zu verbessern und gleichzeitig zu einem höheren Nutzen für alle Stakeholder beizutragen.