Vom handgeschnitzten Einzelprojekt zur industriellen Energiewende

Advertorial Artikel aus dem Handelsblatt Journal „Energiewirtschaft“

Es geht schneller, es geht günstiger, es geht besser: Warum Europas Energieinfrastruktur industriell gedacht werden muss.

Europa hat den politischen Rahmen für die Energiewende gesetzt. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt jedoch erst jetzt – in der Umsetzung. Der Bedarf an Transformatoren, HVDC-Konvertern, Kabeln und Schaltanlagen steigt rasant. Lieferzeiten für Transformatoren liegen bereits jenseits von zwei Jahren, AIS-Schaltanlagen sind teilweise erst nach fünf Jahren verfügbar. Die Fertigungskapazitäten sind längst an ihre Grenzen gestoßen. Der Engpass liegt nicht im Kapital, sondern in der industriellen Fähigkeit von Mensch und Maschine, die Energiewende schnell, zuverlässig und wiederholbar umzusetzen.

Um die Ziele für 2030 zu erreichen, muss die Branche ihre Leistung um das Zwei- bis Sechsfache steigern. Das lässt sich nicht durch kleinere Verbesserungen erreichen, sondern erfordert einen grundlegenden Systemwechsel: weg von prototypenähnlicher Einzelfertigung hin zur Produktisierung und Industrialisierung.

Vom Projekt zur Produktlogik

Noch immer behandelt die Energiebranche viele Anlagen wie maßgeschneiderte Unikate – jedes Projekt wird neu geplant, spezifiziert und umgesetzt. Diese Logik ist mit den heutigen Volumina nicht mehr vereinbar. Produktisierung bedeutet, technische Lösungen so zu gestalten, dass sie wiederholbar, skalierbar und systemkompatibel sind. Entscheidend ist dabei: Sie beschränkt sich nicht auf Hardware, sondern umfasst ebenso Abläufe, Dokumentation, Datenstrukturen und Genehmigungslogiken.

Denn Projekte bestehen aus weit mehr als Produkten – und Produkte selbst sind vielschichtig. Sie umfassen Konstruktion, Software, Service, Logistik und Inbetriebnahme. Nur weil ein Produkt individuell konfiguriert wird, müssen die Prozesse dahinter nicht individuell sein. Standardisierte Module, klar definierte Schnittstellen und harmonisierte Unterlagen schaffen Geschwindigkeit, Vergleichbarkeit und Planungssicherheit, ohne dass in zusätzliche Ressourcen investiert werden muss.

Skalierung und Resilienz gemeinsam erreichen

Industrialisierung ist der zentrale Hebel, um Skalierbarkeit und Versorgungssicherheit gleichzeitig zu erreichen. Sie überträgt die Produktlogik auf Fertigung, Supply Chain und Projektabwicklung. Klare Abläufe, standardisierte Tests, digitale Durchgängigkeit und reproduzierbare Qualität ersetzen individuelle Sonderlösungen.

In einer industrialisierten Logik werden Anlagen nicht mehr „gebaut“, sondern industriell „hergestellt“ – durch Vorfertigung, modulare Systeme und automatisierte Prüfprozesse. Gleichzeitig erhöht Industrialisierung die Resilienz der Lieferketten: planbare Stückzahlen, stabilere Abrufe, höhere Transparenz und geringere Abhängigkeit von knappen Ressourcen. Erst so wird die Energiewende in industriellem Maßstab lieferfähig.

Der entscheidende Punkt: Nicht das einzelne Produkt wird standardisiert, sondern vor allem das System dahinter. Individualität entsteht durch Konfiguration, nicht durch Neuentwicklung. Industrialisierung schließt Komplexität nicht aus – sie macht sie beherrschbar.

 

Industrialisierung ist der zentrale Hebel, um Skalierbarkeit und Versorgungssicherheit gleichzeitig zu erreichen.

Matthias Baum & Dominik EcksteinPorsche Consulting

 

Lernen von Anderen

Andere Industrien haben diesen Wandel bereits vollzogen – allen voran die Automobilindustrie. Auch sie war lange von hoher Variantenvielfalt, komplexen Lieferketten und individueller Entwicklung geprägt. Der Durchbruch gelang durch Plattformlogiken, Standardisierung und integrierte Wertschöpfungsnetzwerke. Heute entstehen Millionen individueller Fahrzeuge auf gemeinsamen Architekturen – präzise, schnell und skalierbar.

Genau diese Entwicklung kann und muss die Energiewirtschaft jetzt nachvollziehen. Erste erfolgreiche Beispiele gibt es bereits – sowohl in der Stromerzeugung als auch in der Übertragung. Modularisierte Systeme, standardisierte Plattformen und vorintegrierte Lösungen zeigen, dass Produktisierung und Industrialisierung auch in hochregulierten, sicherheitskritischen Infrastrukturen funktionieren.

Fazit

Die Energiewende ist das größte industrielle Realisierungsprogramm Europas. Ihr Erfolg hängt davon ab, ob industrielle Exzellenz erreicht werden kann. Produktisierung schafft reproduzierbare Bausteine – in der Hardware genauso, wie in operativen Abläufen. Industrialisierung macht sie skalierbar, resilient und lieferfähig.

Was jetzt gebraucht wird, ist ein industrielles System der Zusammenarbeit. Wenn wir aufhören, Energieinfrastruktur wie Prototypen zu behandeln, können wir diese flexibel, skaliert und effizient herstellen – so wie Autos.


www.porsche-consulting.com

 

Foto: © Porsche Consulting (Portraits)

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