Sustainable Steering & Reporting – Handlungsrichtlinien für Unternehmen

Nachhaltigkeit wird aufgrund von Investoreninteressen und gesetzlichen Vorgaben zunehmend relevanter. Gesetzlich sind Unternehmen in der EU, basierend auf Richtlinien wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, gültig seit 05. Januar 2023) und den European Sustainability Reporting Standards (ESRS, gültig seit 01. Januar 2024) verpflichtet, über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu berichten. Dadurch sind Unternehmen spätestens seit Einführung dieser Richtlinien gezwungen, sich ganzheitlich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Aktives Nachhaltigkeitsreporting spielt eine zentrale Rolle bei der nachhaltigen Unternehmenssteuerung

Um den regulatorischen Vorgaben zu entsprechen, genügt oft ein passives Nachhaltigkeitsreporting, das heißt eine rückblickende Zusammenfassung von Informationen aus verschiedenen Unternehmensbereichen zum Ende eines Berichtszeitraums. Das reine Erfüllen gesetzlicher Reportingpflichten macht Unternehmen jedoch nicht automatisch nachhaltiger. Nachhaltigkeit muss strategisch und langfristig in die Unternehmensführung integriert werden.

Das aktive Nachhaltigkeitsreporting – als Erweiterung zum passiven – umfasst die zusätzliche Integration von Informationen aus unterschiedlichen Systemen in Echtzeit sowie die vorausschauende Identifikation fehlender Informationen und entsprechender Gegenmaßnahmen. Es fungiert somit als Kontroll- und Steuerungsinstrument zur Unterstützung bei Entscheidungsprozessen.

Implementierung eines Nachhaltigkeitsreporting-Prozesses

Die Implementierung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein ganzheitlicher Prozess. Angefangen bei der Festlegung klarer strategischer Nachhaltigkeitsziele und der Identifikation der unternehmensrelevanten Nachhaltigkeitskennzahlen erfolgt die Erfassung der wesentlichen Daten aus den verschiedenen Quellen. Zu den größten Herausforderungen zählen die Erfassung der Prozessabläufe und die Generierung der Nachhaltigkeitsdaten. Hierfür müssen alle relevanten Prozesse und Datenquellen identifiziert werden, um eine funktionsübergreifende Datenerhebung und -verteilung sicherzustellen.

Ein langfristiges Nachhaltigkeitsreporting erfordert zudem eine geeignete Governance- und Organisationsstruktur. Hierbei liegt erfahrungsgemäß eine besondere Herausforderung darin, dass Nachhaltigkeit als Querschnittsfunktion in sämtlichen Bereichen wesentlicher Treiber von Entscheidungen sein kann. Entsprechend umfasst die Nachhaltigkeits-Governance nicht nur zentrale Bereiche wie Strategie, Finance und Operations, sondern auch Funktionen wie beispielsweise Kommunikation, IT und Verwaltung. Der Prozess muss durch organisatorischen Wandel und Unterstützung des Top-Managements begleitet werden, um Nachhaltigkeit in Unternehmensziele und -management zu integrieren. Eine integrierte Denkweise und klare Vorgaben vom C-Level sind notwendig, um die strategischen Ziele zu erreichen und die Komplexität aus der Abstimmung und Einhaltung von Rollen und Verantwortlichkeiten zu managen.

Nachhaltigkeitsintegration ins Steuerungsmodell

Das Steuerungsmodell und die Nachhaltigkeitsberichterstattung sind eng miteinander verknüpft. Ersteres ermöglicht Unternehmen, geplante Maßnahmen mit Hilfe von Zielgrößen aktiv umzusetzen und so auf Veränderung hinzuarbeiten. Ein integrierter Ansatz sorgt für ein effizientes Zusammenspiel von nachhaltiger Steuerung, Planung und Reporting.

Im zentralen Steuerungsmodell werden Kontroll- und Berichtssichten sowie eine Steuerungsmatrix definiert, die als Basis für die Festlegung führender Leistungsindikatoren dienen. Hierbei sollten sich Unternehmen auf aussagekräftige und relevante Messgrößen konzentrieren, mit deren Hilfe sich positive und negative Auswirkungen sowohl auf Wertschöpfungsprozesse als auch auf ESG-Faktoren bestimmen und steuern lassen. Das Berichtsmodell muss das Steuerungsmodell widerspiegeln, um einen effizienten Informationsfluss und Datenkonsistenz sicherzustellen.

Automatisierte und standardisierte Prozesse gewährleisten, dass stets genaue und umfassende Nachhaltigkeitsinformationen zur Verfügung stehen, während der Einsatz von modernen Technologien wie Analytics das Steuerungsmodell mit intelligenten Lösungen, auch für Nachhaltigkeitsfragestellungen, unterstützt. Zudem können Automatisierungspotenziale umgesetzt und Vorhersagen auf Basis interner und externer Datensätze getroffen werden. Damit steigt der Mehrwert von Nachhaltigkeitskennzahlen für interne Steuerungszwecke.

„Umfassend verstandene Nachhaltigkeit kann nur erreicht werden, wenn Strategie und Steuerung miteinander verzahnt werden.”

– Stefani Rahmel, Partnerin bei BearingPoint und Referentin bei der Handelsblatt Tagung ESG-Reporting und -Steuerung 2024

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