Der Omnibus-Vorschlag der EU-Kommission vom 26. Februar 2025 war ein echtes Beben für die Nachhaltigkeitsberichterstattung: Mehrere Regelwerke sollen harmonisiert und die Berichtspflichten für große Unternehmen um 25% und für KMUs sogar um 35% reduziert werden. Die Verschiebung der CSRD-Berichtspflicht und neue Schwellenwerte sollen Entlastung bringen. Doch diese vermeintliche Atempause könnte sich als trügerisch erweisen, wenn sie nicht strategisch genutzt wird.
Keine Regulatorik, aber dennoch klare Spielregeln
Da die finale Umsetzung noch aussteht, herrscht aktuell Unsicherheit darüber, wie sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung zukünftig gestaltet. Klar ist: Die Verschiebung verschafft den Unternehmen wertvolle Zeit, die genutzt werden sollte. Denn Finanzmärkte und Kreditinstitute berücksichtigen zunehmend ESG-Kriterien in ihren Bewertungen und bei der Vergabe von Finanzmitteln. Unternehmen, die eine überzeugende Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, erzielen bessere Ergebnisse und profitieren von einem leichteren Zugang zu Finanzierungen und günstigeren Investitionskonditionen.
Strategisch und valide aufgestellt – wie ESG Prüfung Unternehmen unterstützt
Ein typisches Sustainability Audit gliedert sich in drei Phasen. In der ersten Phase, der Vorprüfung, werden die internen Prozesse zur Steuerung der ESG-Themen und der Datenerhebung aufgenommen. In der folgenden Hauptprüfung werden analytische Prüfungshandlungen, Stichproben sowie die Auswertung von Nachweisen vorgenommen. Die letzte Phase, die Berichtsphase, schließt die Übermittlung des prüferischen Feedbacks ein.
Die Vorprüfung bildet das Fundament, indem sie Prozesse analysiert, Schwachstellen identifiziert und Potenziale aufdeckt. Dies ermöglicht Unternehmen, frühzeitig Korrekturmaßnahmen einzuleiten und ihre Vorgehensweise und Systeme zu optimieren.
Die Vorteile eines frühen Audit Readiness Assessments
In der aktuellen komplexen ökonomischen und politischen Gemengelage scheuen viele Unternehmen jedoch vor dem personellen und finanziellen Aufwand einer umfassenden Prüfung ihres Nachhaltigkeitsmanagements und ihrer Daten zurück.
Demgegenüber stehen Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager, die bis dato meist wenig oder keine Erfahrung mit der Prüfung ihrer Systeme und Kennzahlen gesammelt haben. Als Querschnittsposition im Unternehmen und mögliche Schnittstelle zum Prüfer tragen sie aber eine enorme Verantwortung:
- Sie verzahnen bestehende Geschäftsprozesse mit Nachhaltigkeitsanforderungen.
- Sie sind in der Regel für die Einhaltung der CSRD verantwortlich und bei weiteren Regularien wie EUDR, CBAM, CSDDD und LkSG mindestens unterstützend eingebunden.
- Sie verantworten die Datensammlung und Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten.
Wie können Unternehmen also ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigen, die Daten, nach denen sie ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten steuern validieren und gleichzeitig die eigene Organisation nicht überfordern?
Ein Audit Readiness Assessment unterzieht berichtsrelevante Prozesse, Datenflüsse und Kontrollen bereits einer ersten Qualitätssicherung. Es zeigt Optimierungspotentiale, durch die Identifizierung von Schwachstellen, Minderung von Risiken durch frühzeitiges Erkennen, Effizienzsteigerung durch Überprüfung betrieblicher Abläufe und Förderung der Transparenz sowie Verantwortlichkeit für bessere Entscheidungsfindung. Es ist ratsam, Vorstand und Aufsichtsrat in diesen Schritt einzubeziehen, denn immer mehr ESG-Faktoren werden in bestehenden Managementprozessen integriert. Dadurch wird auch die Governance-Funktion gestärkt, indem klare Entscheidungsgrundlagen geschaffen und die Verantwortlichkeit innerhalb der Organisation erhöht wird.
Praktische Handlungsempfehlungen
Für alle, die die Notwendigkeit zu handeln erkannt haben, empfehlen sich drei einfache Schritte:
- Investieren Sie in Weiterbildung: Spezialisierte Weiterbildungen können wertvolles Wissen über Audits und Berichterstattung vermitteln.
- Etablieren Sie ein internes Kontrollsystem: Definieren Sie klare Prozesse und Verantwortlichkeiten für die Datenerfassung und -validierung. Dies bildet die Basis für die strategische Steuerung nachhaltiger Unternehmensführung.
- Führen Sie ein Audit Readiness Assessment durch: Lassen Sie Ihre Systeme und Prozesse unter prüfungsnahen Bedingungen überprüfen.
Wer jetzt in Audit Readiness Assessments investiert, wird bei der Berichterstattung deutlich im Vorteil sein. Die gewonnene Zeit ist keine Pause, sondern eine Chance zur optimalen Vorbereitung.