Steigende CO2-Preise – Aktives Carbon Management auf CFO-Level

Angesichts steigender CO2-Preise, wachsender regulatorischer Anforderungen und den Erwartungen der Banken sowie Investoren an die Transformation der Unternehmen, ist Carbon Management längst nicht mehr ein reines Nachhaltigkeitsthema. Die Rolle der CFOs verändert sich dabei grundlegend: weg vom CO2-Reporting, hin zur aktiven Steuerung von Emissionen als finanziell relevante Unternehmensgröße. Für Finanzvorstände entsteht damit die Chance, Klimastrategie, Risikomanagement und Kapitalallokation zu einem integrierten Steuerungsansatz zu verbinden.

Mit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und den steigenden Erwartungen der Kapitalmärkte, halten Emissionen Einzug in die Unternehmensbewertung. Gleichzeitig erhöhen sich regulatorische und marktwirtschaftliche Kosten für Emissionen – durch CO2-Preise, Steuern, Berichtspflichten und grenzüberschreitende Mechanismen wie dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). CFOs sind deshalb gefordert, CO2-Daten verlässlich und finanzintegriert bereitzustellen und diese in Budgets und Investitionsentscheidungen einzubetten.

Besonders das Europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) hat weitreichende Auswirkungen. Seit 2005 gibt es diesen regulatorischen und gut funktionierenden Emissionshandel, an dem emissionsintensive Industrien, Energieerzeugung, Schiffs- und Luftverkehr teilnehmen – deren Emissionen sind seitdem in Deutschland um circa 44 Prozent zurückgegangen, in Europa sogar um 48 Prozent. Das zeigt: Das System funktioniert. Schon bei dem heutigen CO2-Preis, der zwischen 55 und 65 Euro liegt, entstehen Unternehmen in den betroffenen Sektoren hohe Kosten, da die von der EU bereitgestellten freien Zertifikate nicht ausreichen und weitere Zertifikate zugekauft werden müssen. Steigende CO2-Preise, Schätzungen gehen von 150 Euro pro Tonne CO2 aus, werden den Kostenfaktor CO2 erhöhen. Ab 2027 wird es mit dem EU ETS2 ein weiteres System geben, der Verkehr und Gebäude umfasst, auch andere Sektoren könnten integriert werden.

Ergänzt werden diese beiden Systeme in der Zukunft durch CBAM, der Importe von CO2-intensiven Gütern wie Zement, Stahl oder Aluminium aus Drittstaaten mit einem CO2-Zoll belegen wird. CFOs müssen somit Herkunftskosten, Lieferketten, Kalkulationen und Zollprozesse überdenken und neu bewerten. Klimapolitik wird damit auch international zur Kostenfrage – und zur Aufgabe des Finanzbereichs.

Eine in das Finanzsystem integrierte CO2-Datenerfassung ist die Grundvoraussetzung für das Carbon Management. Für große Unternehmen längst etabliert, stehen kleine und mittelständische Unternehmen zum Teil am Anfang der Integration in ERP und Controlling-Systeme. Doch erst dann können CO2-Daten gemeinsam mit anderen finanziellen Kennzahlen erfasst, analysiert und gesteuert werden. Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Finanzwesen, Nachhaltigkeit, IT, Einkauf und Strategie mit einem klaren Umsetzungsplan ist notwendig.

Ein zentrales Instrument zur strategischen Steuerung ist die Grenzvermeidungskostenkurve, auch bekannt als MACC (Marginal Abatement Cost Curve). Sie zeigt auf, welche Maßnahmen zur CO2-Reduktion zu welchen Kosten (oder Einsparungen) je vermiedener Tonne führen. Investitionen zur Energieeffizienz oder Prozessoptimierung lassen sich so systematisch und wirtschaftlich steuern.

Szenarioanalysen mit unterschiedlichen Emissionen und CO2-Preisen helfen, Transformationspläne zu erstellen: Diese werden dann idealtypischerweise validiert durch die Scienced Based Targets initiative (SBTi) – dieser „Goldstandard“ schafft Vertrauen bei Investoren und Banken in die Unternehmenstransformation.

Zugleich eröffnen sich neue Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung. Sustainable-Finance-Produkte wie Green Bonds oder Sustainability-Linked Loans (SLLs) koppeln Kapitalzugang und -konditionen an Nachhaltigkeitsinvestitionen oder konkrete CO2-Ziele. Dadurch werden neue ESG-Investoren gewonnen sowie günstigere Finanzierungskonditionen erzielt.

Allerdings sind nicht alle Emissionen langfristig vermeidbar. Der freiwillige CO2-Markt (Voluntary Carbon Market) bietet zukünftig eine strategische Ergänzung. Durch den Erwerb hochwertiger CO2-Zertifikate können Unternehmen die unvermeidbaren Emissionen kompensieren und glaubwürdige Schritte in Richtung Klimaneutralität oder „Net Zero“ gehen. Die EU hat schon im Jahr 2024 den Rahmen gesetzt, was als hochwertig und langfristig definiert ist – das hilft bei der Vermeidung von Greenwashing-Vorwürfen.

Fazit: CO2-Emissionen haben finanzielle Relevanz und sind längst zur Steuerungsgröße der Zukunft geworden. CFOs, die heute proaktiv handeln, sichern sich morgen Wettbewerbsvorteile, Finanzierungsspielraum und Resilienz. Aktives Carbon Management auf CFO-Level bedeutet daher nicht nur die Einhaltung von Vorschriften – sondern die strategische Ausrichtung des Unternehmens entlang ökologischer, regulatorischer und ökonomischer Zielgrößen. Es verbindet Klimaschutz mit Wertschöpfung und macht Emissionen zur Chef- und Finanzsache.