So meistern Unternehmen die ESG-Kriterien

Oberflächlich betrachtet verliert das Thema Nachhaltigkeit gerade an Bedeutung. Dabei ist es allein aus betriebswirtschaftlicher Überlegung ein Muss für mittelständische Firmen. Nur wer seine Firma nachhaltig managt, sichert deren Überleben und ihre langfristige Finanzierung. Aber welche ESG-Gesetze sind relevant und was ändert sich? Welche Chancen mit einer nachhaltigen Strategie verbunden sind? Peter Rumpel, Nachhaltigkeitsberater und zertifizierter Corporate Sustainable Finance Advisor der Deutschen Leasing, begleitet Kundinnen und Kunden bei der nachhaltigen Transformation und gibt einen Überblick.

Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eine Mammutaufgabe für viele Unternehmen. Durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wurden Regularien getroffen, die vor allem in den kommenden Jahren kleine und mittlere Unternehmen im Reporting in die Pflicht genommen hätten. Bereits den klassischen Jahresabschluss zu erstellen, ist für Firmen ein erheblicher Aufwand.

Nun zeichnet sich auf EU-Ebene eine Kehrtwende ab: Das Omnibus-Paket sieht bei der CSRD, der europaweiten Lieferkettenrichtlinie CSDDD und dem CO2-Grenzausgleichssystem CBAM deutliche Erleichterungen vor. Im April haben das EU-Parlament und der EU-Rat dem Vorschlag „Stop-the-Clock“ zur zeitlichen Verschiebung der Erstanwendung der CSRD-Nachhaltigkeitsberichterstattung zugestimmt. Diese Richtlinie muss bis 31.12.2025 in nationales Recht umgesetzt werden.

Ursprünglich sollten Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten und mehr als 50 Millionen Euro Umsatz oder mehr als 25 Millionen Euro Bilanzsumme verpflichtet werden, umfangreiche Nachhaltigkeitsdaten zu liefern. Nach den modifizierten Plänen sollen jetzt Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten und einem Umsatz von max. 50 Millionen Euro vom Anwendungsbereich der CSRD ausgenommen werden. Danach würde sich nach Schätzungen die Zahl der Unternehmen, die in den Anwendungsbereich der CSRD fallen, um etwa 80 Prozent verringern. Ursprünglich wären rund 15.000 Firmen allein in Deutschland betroffen gewesen.

„Sichtweise ändern und das Positive erkennen“

Peter Rumpel blickt mit gemischten Gefühlen auf den Gegentrend aus Brüssel. Die Sorge vor überbordender Bürokratie aus Sicht des Mittelstands ist nachvollziehbar – zugleich wirbt er dafür, „die Sichtweise zu verändern und zu versuchen, in der Nachhaltigkeit vor allem etwas Positives für die Unternehmen zu erkennen“. So richtig es ist, manche überschießende Bürokratiepflanze etwa mit Blick auf die Berichtspflichten zu stutzen, so falsch wäre es, nicht die Chancen zu ergreifen, die sich aus dem Thema gerade für mittelständische Firmen ergeben.

Nachhaltigkeit wird zum zentralen Trumpf im Kampf um Fachkräfte und Talente

„Der Omnibus-Vorschlag sendet ein verzerrendes negatives Signal, indem er Nachzügler belohnt und Vorreiter bestraft.“ Unternehmen, die frühzeitig in die Vorbereitung auf die CSRD investiert haben, sind oft besser aufgestellt, um zukünftige Nachhaltigkeitserwartungen zu erfüllen. Selbst dann, wenn die Berichtspflicht um ein, zwei Jahre oder auf unbestimmte Zeit verschoben wird. „Investoren priorisieren zunehmend nachhaltige Unternehmen – auch, weil Finanzierer wie Banken oder Leasinggesellschaften durch die Bankenaufsicht verpflichtet sind, ESG-Risiken im Finanzierungsprozess zu beleuchten.“ Die bereits geleistete Arbeit von Nachhaltigkeitspionieren ist also keineswegs umsonst gewesen. Schon bevor sie zur Pflicht wird, kann vor allem die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung zum strategischen Vorteil werden – als Innovationsmotor, zur Stärkung der Markenreputation bei Kunden, als Wettbewerbsvorteil aber auch bei der Rekrutierung junger Talente am Arbeitsmarkt..

Die richtige Einstellung: ESG-Kriterien als Chance betrachten

„Ich bin überzeugt davon, dass der Markt für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen weiter stark wachsen wird. Je früher Unternehmen ihr Geschäftsmodell auf die Probe stellen, und prüfen, ob es auch in einer nachhaltigeren Zukunft noch tragfähig ist, desto besser“, sagt Rumpel. Denn auch der Druck, von gesellschaftlichen wie auch regulatorischen Seite, wächst. Kunden und Geschäftspartnerfragen immer öfter nach den Bemühungen in Sachen Umweltschutz und gesellschaftliches Engagement. Und Banken sind nach der 7. Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement inzwischen sogar dazu verpflichtet, Nachhaltigkeitsrisiken ihrer Kunden zu erfassen und zu bewerten – unabhängig davon wie groß oder klein das Unternehmen ist.

Ein guter erster Schritt: Die Klimabilanz

Wer Klimaziele verfolgen und sich verbessern möchte, braucht einen Überblick darüber, welche Treibhausgasemissionen das eigene Unternehmen an welcher Stelle genau verursacht. Eine Klimabilanz ist deshalb ein guter erster Schritt, um zu sehen, wo man steht. Besonders vor dem Hintergrund stark steigender Preise für emittiertes Kohlendioxid in den kommenden Jahren wird eine solche Bilanz auch zum betriebswirtschaftlichen Muss. Der Aufwand dafür ist überschaubar. Zudem gibt es viele Tools und Dienstleister, die dabei unterstützen. Wichtig ist nicht nur auf die direkt verursachten Emissionen zu schauen, etwa durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, sondern auf alle drei sogenannten Scopes:

  • Scope 1: Direkt erzeugte Emissionen aus dem eigenen Betrieb.
  • Scope 2: Indirekte Emissionen, etwa durch den Einkauf von Strom.
  • Scope 3: Alle anderen indirekten Emissionen, die durch Aktivitäten in der Wertschöpfungskette entstehen.

Ist alles dokumentiert, haben Unternehmen einen guten Startpunkt, um Hebel zu finden, mit denen sie ihren CO2-Fußabruck verringern können. Eine erste und schnell wirksame Maßnahme könne zum Beispiel der Abschluss eines Ökostromtarifs sein.

Gutes und Sinnvolles tun – und angemessen darüber reden

Wie so oft gilt: Die beste Nachhaltigkeitsstrategie und die größten Anstrengungen sind nichts wert, wenn sie nicht angemessen kommuniziert werden – gegenüber Kunden, Beschäftigen und Geldgebern. Ergänzend zu einem Nachhaltigkeitsbericht können dabei auch Ratings oder Zertifikate über die Erfüllung der ESG-Kriterien helfen. Der Vorteil eines solchen Labels: Es dokumentiert die Nachhaltigkeitsanstrengungen nach einem vergleichbaren Standard und hilft so dabei, die Bürokratie, die mit ESG-Kriterien zweifellos verbunden ist, auf ein erträgliches Maß zu reduzieren – aber vor allem zeigt es potenzielle Verbesserungen auf

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