Die deutsche Wirtschaft ist im Umbruch. Darin liegt eine Chance für unser Wirtschaftssystem, um innovativer, effizienter, diversifizierter und krisenfester zu werden. Eine wichtige Rolle kommt hierbei der Gesundheitswirtschaft, insbesondere den forschenden Pharmaunternehmen, zu. Mit ihrer Innovations- und Wachstumskraft bilden sie eine Schlüsselindustrie der Zukunft. Das hat die Politik erkannt und erste Weichen gestellt, um den Innovations- und Pharmastandort Deutschland zu stärken. Dies muss jetzt konsequent und mit Tempo weiter umgesetzt werden.
Deutschland besitzt einen hervorragenden Standort für medizinische Forschung. Sein Netzwerk aus Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen, ärztlichen Praxen und biopharmazeutischen Unternehmen ist inspirierend und bildet ein medizinisch-technisches Innovationsökosystem, das zu großen Leistungen fähig ist.
Investitionen in Milliardenhöhe
Forschende Pharmaunternehmen spielen eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Landes. In den vergangenen Jahren haben sie hierzulande Investitionen in Milliardenhöhe auf den Weg gebracht. So wird Bristol Myers Squibb in einer Forschungsallianz im Bereich Krebs mit der Mainzer BioNTech in diesem und den kommenden Jahren insgesamt 3,5 Mrd. $ investieren – diese Summe kann durch variable Leistungen auf bis zu 11 Mrd. $ anwachsen. Insgesamt investieren forschende Pharmafirmen nahezu ein Fünftel ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Sie tragen damit in großem Maße zur Wertschöpfung hierzulande bei.
Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen
Das hat auch die Politik erkannt. In Deutschland wurden zuletzt wichtige erste Schritte eingeleitet, um den Forschungsstandort zu stärken. Die Nationale Pharmastrategie möchte innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen für die Arzneimittelentwicklung schaffen. Besonders das Medizinforschungsgesetz von 2024 hat Impulse gesetzt für schnellere Prozesse, weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung. Deutschland soll wieder zu einem Spitzenstandort für die Gesundheitsforschung werden, so das Ziel im Koalitionsvertrag von Union und SPD.
Wichtig ist jedoch, dass die Bundesregierung nicht nachlässt und diese Ziele mit hoher Dringlichkeit umsetzt. Für uns sind vier Handlungsfelder zentral:
- Erstens sollte die Gesetzliche Krankenversicherung zukunftsfähig gemacht werden. Es gibt einen breiten politischen Konsens, dass Reformbedarf besteht. Erste Schritte sind erfolgt, etwa die Einberufung der „FinanzKommission Gesundheit“ durch die Bundesregierung. Unser Gesundheitssystem ist leistungsfähig, doch eine nachhaltige Struktur- und Finanzreform ist notwendig, um auch künftig Innovationen finanzieren zu können.
- Zweitens braucht es eine Aufholjagd bei der Digitalisierung. Dabei geht es nicht nur darum, effizienter zu werden. Mit der datengetriebenen Medizin ist vielmehr das Versprechen verbunden, eine zielgerichtetere, individuellere und damit bessere Medizin anbieten zu können. Die Digitalisierung ist ein Generalschlüssel für medizinischen Fortschritt.
- Drittens sollten mehr klinische Studien in Deutschland stattfinden können. Sie sind essenziell, um wissenschaftliche Erkenntnisse in Nutzen für Patient:innen zu überführen. Studien ermöglichen den Zugang zu innovativen Therapien oft Jahre vor deren regulärer Zulassung. Für Patient:innen, bei denen Standardtherapien ausgeschöpft sind, können sie eine lebensverändernde Option darstellen.
- Viertens muss das Verfahren zur Bewertung medizinischer Innovationen weiterentwickelt werden. Das AMNOG-Verfahren, das den Nutzen neuer Arzneimittel bewertet, stammt aus einer Zeit, in der es Gen- und Zelltherapien noch nicht gab. Diese hochinnovativen Therapien erfordern neue Bewertungsmaßstäbe, um ihren medizinischen und gesellschaftlichen Wert angemessen abzubilden. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass Innovationen auch künftig bei den Patient:innen ankommen.
Die Vorschläge zur weiteren Modernisierung des Gesundheitssystems liegen auf dem Tisch. Nun geht es darum, sie mit Tempo weiterzuentwickeln und umzusetzen.
Fazit: Die Transformation unserer Wirtschaft ist in vollem Gange. Als Schlüsselindustrie können forschende Pharmafirmen dazu beitragen: Eine starke Pharmaindustrie ist wichtig für ein starkes Deutschland – und für die Menschen, die hier leben.
Bild: © Darren Jacklin für Bristol Myers Squibb
