Artikel aus dem Handelsblatt Journal Betriebliche Altersversorgung
Outsourcing als Hebel für Renditepotenziale und die optimierte Steuerung von Pensionsrisiken
Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Während im angelsächsischen Raum Leistungszusagen in den letzten Jahrzehnten schon weitgehend im Sinne einer „pay & forget“-Logik durch Beitragszusagen ohne weitere Leistungsversprechen abgelöst wurden, befindet man sich in Deutschland seit einiger Zeit inmitten dieses Prozesses. Zeitgleich steigt die regulatorische Komplexität, die Kapitalmärkte bleiben volatil und das gesamtwirtschaftliche Umfeld verschärft den Druck auf die Unternehmen, ihre Pensionsrisiken zu minimieren und zielgerichtet zu steuern. In diesem Zusammenhang rückt der Fokus auch immer stärker auf die Finanzierung von Pensionsverpflichtungen.
Im Bereich der Contractual Trust Arrangements (CTA), die in Deutschland in aller Regel als Vehikel für die Finanzierung von Pensionsverpflichtungen genutzt werden, zeigt sich jedoch bei vielen Unternehmen ein ernüchternder Befund:
Fehlendes Know-how, unklare Zuständigkeiten und mangelhafte operative Umsetzung
Das Problem ist historisch gewachsen: Während CTAs ursprünglich lediglich als Instrument zur Bilanzoptimierung verstanden wurden, hat sich ihre Rolle und das Aufgabenspektrum kontinuierlich weiterentwickelt. So fällt heute unter anderem die Risiko- und Liquiditätssteuerung, die Planung und das Monitoring einer auf das Verpflichtungsprofil abgestimmten Kapitalanlage sowie Investment-Governance, Reporting und die operative Abwicklung aller Prozesse unter das Anforderungsprofil eines CTAs.
Erfüllt ein CTA dieses Rollenbild, kann es ein sehr starkes Werkzeug sein – zum einen im Hinblick auf die Risikosteuerung aus Unternehmenssicht, zum anderen als Renditetreiber, von dem die Versorgungsberechtigten profitieren.
Wie oben schon angesprochen, schöpfen viele Unternehmen hier aber nicht die vollen Potenziale aus. Die Gründe hierfür sind vielfältig und von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Oftmals spielt der auch in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) einschlägige Fachkräftemangel eine Rolle. Die kombinierte Expertise aus bAV und Kapitalanlage ist am Markt knapp und hier interne Ressourcen vorzuhalten, ist auch entsprechend kostspielig. Insbesondere im Mittelstand werden entsprechende Positionen und Rollen im Ergebnis deswegen eher von HR-Generalisten als von bAV-Spezialisten mit Kapitalanlageexpertise besetzt. Dies führt dazu, dass die Assetallokation sowie Reporting und Risikoüberwachung häufig nicht auf dem Niveau institutioneller Anleger sind. Auch strategisch wichtige Funding-Entscheidungen werden zu selten datenbasiert getroffen. Ein weiteres Problem sind unklare Zuständigkeiten und ineffiziente Prozesse.
Im Ergebnis bleiben Renditechancen ungenutzt, Risiken werden nicht sachgerecht adressiert und interne Ressourcen im Unternehmen werden unnötig gebunden.
Unternehmen setzen auf spezialisierte bAV-Partner
In einer PwC-Studie aus Mai 2024, in der 300 Unternehmen befragt worden sind, haben im Zusammenhang mit den Aufgaben rund um die Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen 73 Prozent der Befragten einen hohen Bedarf an externer Unterstützung bekundet – 26 Prozent davon sogar einen sehr hohen. Damit ist es eines der Themen, bei denen Unternehmen insgesamt den höchsten externen Unterstützungsbedarf im Bereich der betrieblichen Altersversorgung aussprechen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Wechselwirkungen mit den in der Studie auch angeführten Bereichen „Kommunikation mit Versorgungsberechtigten“ sowie „strukturelle und strategische Beratung“ – diese Punkte gehen stark miteinander einher.
Der Trend zu spezialisiertem Outsourcing in der betrieblichen Altersversorgung ist unübersehbar. Unternehmen erkennen zunehmend, dass externe Dienstleister nicht nur Kapazitätsengpässe lösen, sondern auch zu höherer Professionalität und Governance Sicherheit beitragen können.
Gerade für Direktzusagen, die über CTAs finanziert werden, ist dieser Schritt logisch: Sie sind – anders als Pensionsfonds und Pensionskassen nicht reguliert, operieren aber dennoch in einem Umfeld, das implizit institutionelle Standards verlangt.
Für Unternehmen kann es sinnvoll sein, die eigene Governance, Ressourcenaufstellung und Investmentsteuerung im Bereich der Pensionsfinanzierung kritisch zu überprüfen. Nicht in jedem Fall ist Outsourcing die richtige Antwort – wohl aber eine systematische Auseinandersetzung mit der Frage, ob bestehende Strukturen den gestiegenen Anforderungen noch gerecht werden.
Mehr Details zu der Studie finden Sie hier: Zur Studie
Bild: © PwC (Portraits)
