Müller schließt Wefox-Verkauf aus: „2025 wird das erste Jahr sein, in dem wir profitabel sein werden“

Joachim Müller hat sich für den Job als Wefox-Chef „breitschlagen“ lassen, wie er auf dem Handelsblatt Summit mit einem Augenzwinkern anmerkte. Ein gutes Jahr nach seiner Berufung scheint der ehemalige Allianzer dem Ruf des Sanierers gerecht geworden zu sein. Von dem einst mit 4,5 Mrd. Dollar bewerteten Start-up ist heute nicht mehr viel übrig. Wefox, das ein Comeback in Deutschland derzeit ausschließt und nur noch in drei Ländern aktiv ist, soll 2025 schwarze Zahlen schreiben.

„Eigentlich wollte ich keine Restrukturierung mehr machen. Das war jetzt Restrukturierung pur. Und ich glaube, wir haben jetzt die harte Phase durch und jetzt beginnt die schönere Zeit“, sagt Müller mit Blick auf das vergangene Jahr, in dem er das Chefamt von Wefox bekleidet. Der 54-jährige Manager kündigt für 2025 schwarze Zahlen an. Interne Zielmodelle würden ein zweistellig positives Ebitda kalkulieren.

Die Ausgangslage bei seinem Antritt im September bezeichnete Müller als komplex: hohe Burn-rates, ein Produktportfolio ohne klaren Fokus und ambitionierte, aber weitgehend erfolglose Technologieprojekte. Müller über die Lage, die er vorfand. „Es ging darum – und ich glaube, man braucht nicht um den heißen Brei zu reden – eine wirklich schwierige Situation.

Im Zentrum seines ersten Jahres standen Kürzungen. Alles, was nicht zum künftigen Kernmodell passe, sei verkauft oder eingestellt worden. Mittlerweile konzentriere sich das Start-up auf die drei Märkte Niederlande, Österreich und die Schweiz sowie die drei damit einhergehenden Assets, die laut Müller das Potenzial hätten, das Unternehmen neu zu tragen.

In den Niederlanden betreibt Wefox ein stark positioniertes MGA-Geschäft mit 35 Prozent Marktanteil. „Ein wirkliche Perle, mit Kompetenzen, was man gut in Europa skalieren könnte“, sagt Müller. Dazu komme eine Brokerplattform in Österreich sowie ein etablierter persönlicher Vertrieb in der Schweiz. Besonders interessant aus Müllers Sicht sind die Niederlande. „Dort gibt es eine Kostenposition, die ich im Quervergleich bislang nicht gesehen habe.“ Damit könne Wefox Versicherern Segmente eröffnen, in die sie aus Preis- oder Markenpositionierung selbst nicht vordringen könnten.

Das neue Wefox setze sich aus den Bausteinen MGA und „Smart Distribution“ zusammen, wie Müller erklärt. Was nicht dazu passt, kommt weg. „Damit ist auch die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gesichert worden.“ Wie viele Mitarbeiter Wefox heute beschäftigt und wie viele Kunden betreut werden, nennt der Experte nicht.

Der europäische MGA-Markt ist im Vergleich zu den USA noch unterentwickelt. Dort laufen mehr als 20 Prozent des Geschäfts über Managing General Agents, in Kontinentaleuropa sind es teils unter einem Prozent. „Ich glaube, rund um das Thema MGAs sind ganz, ganz viele Möglichkeiten in Kontinental-Europa“, erklärt Müller. Entscheidend sei jedoch nicht das Modell an sich, sondern die Wertschöpfung für den Kunden. „Wer keinen Mehrwert für Kunden schafft, wird am Ende nie erfolgreich sein.“

Müller widerspricht Kritikern, die behaupten, dass ein MGA keine echte Innovation sei. „Wenn das nämlich keine Innovation wäre, hätten wir in Deutschland auch schon 20 Prozent Marktanteil“, so Müller. „Die Kombination aus MGA-Capabilities und einer digitalen smarten Distributionsplattform halte ich für super innovativ.“

Rückblick: Die Idee einer universellen Distribution-Plattform war früher der Kern der WefoxIdee – und gleichzeitig eines der teuersten Fehlinvestments des Unternehmens. Müller spricht nüchtern über die Vergangenheit: „Da wurden viele Investments getätigt, die am Ende nicht erfolgreich waren.“

Ein Wiedereintritt in den deutschen Markt steht bei Wefox nicht auf der Agenda. „Man muss sich die Frage stellen: Liefert man einen Mehrwert oder liefert man den nicht?“, stellt Müller in den Raum. Das sei in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen. Möglichkeiten gäbe es perspektivisch über das MGA-Modell, zunächst stehe aber der Aufbau in den drei Kernländern im Mittelpunkt.

Auf VWheute-Nachfrage betont Müller, dass ein Verkauf von Wefox kein Thema sei. „Wenn man hätte den Stecker ziehen wollen, hätte man es schon früher machen können“, sagt er. Jetzt gehe es darum, das Geschäftsmodell nachhaltig zum Laufen zu bringen. „Wachstum ist mir wirklich ein Anliegen. Solange das möglich ist, bin ich happy.“