Die geopolitischen Entwicklungen der letzten drei Jahre haben die sicherheitspolitische Lage Europas grundlegend verändert. Mit dem Ziel der „Kriegstüchtigkeit bis 2029“ steht Deutschland vor einer historischen Herausforderung – und die Rüstungsindustrie im Zentrum dieser Transformation. Doch um dieses Ziel zu erreichen, reicht technologische Stärke allein nicht aus. Es braucht eine neue Denkweise – insbesondere in der IT.
Innovationskraft trifft auf strukturelle Realität Die deutsche Rüstungsindustrie hat in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sie in der Lage ist, hochkomplexe Systeme in kürzester Zeit zu entwickeln. Diese Innovationsfähigkeit ist ein wertvolles Fundament. Doch um die ambitionierten Ziele bis 2029 zu erreichen, muss sich diese Innovationskraft auf das gesamte Unternehmen ausweiten – von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zu administrativen Prozessen. Nur so lassen sich Produktivität steigern, Aufträge schneller monetarisieren und Lieferverpflichtungen zuverlässig erfüllen.
KI als strategischer Hebel – bewiesen durch IBM
Dass dies möglich ist, zeigt ein Blick auf die „IBM Client Zero Story“. IBM hat in den letzten zwei Jahren seine eigenes KI- und Automatisierungsportfolio – darunter die IBM watsonx Suite – konzernweit eingesetzt. Das Ergebnis: Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro inklusive signifikanter Effizienzgewinne in allen adressierten Unternehmensbereichen – von der (Software-)Entwicklung, Lieferkette und Produktion über den Einkauf bis hin zur Finanzabteilung und Personalverwaltung. Die nachstehende Graphik gibt Einblicke in ausgewählte Use Cases bei IBM. Da es der Rüstungsindustrie nun primär nicht um Kostenersparnis geht, liegt auf der Hand. Somit würde die Adaption der genannten Technologien zwar finanzielle Spielräume kreieren, beispielsweise für einen höheren Forschungsetat oder die Einstellung neuer Fachkräfte, jedoch sind auch genau diese rar und erst nach einiger Zeit Einarbeitung vollumfänglich produktiv. Viel wichtiger ist demnach, dass die vorhandenen, eingearbeiteten Mitarbeitenden ihre Kompetenzen den Rüstungsunternehmen maximal bereitstellen – durch die Unterstützung von vertrauenswürdigen Technologien.

Besonders relevant ist dabei, dass IBM nicht auf isolierte Einzellösungen setzt, sondern auf eine integrierte Plattformstrategie. watsonx kombiniert generative KI, klassische KI, Datenmanagement und Governance in einer modularen Architektur. Diese erlaubt es, nahezu alle unternehmenskritischen Applikationen sowie Abläufe nicht nur mit KI anzureichern oder zu automatisieren, sondern auch nachvollziehbar und regelkonform zu gestalten – ein Aspekt, der gerade im sicherheitsrelevanten Umfeld von zentraler Bedeutung ist.
Erprobte Technologien – auch in der Rüstungsindustrie
Diese Plattformen sind keine Zukunftsvision, sondern praxiserprobt – auch in sicherheitskritischen Branchen. Unternehmen wie die BWI, Lockheed Martin oder die Deutsche Telekom setzen bereits heute auf diese Technologien, um ihre Prozesse resilienter, schneller und intelligenter zu gestalten. Die Fähigkeit, KI-Modelle gezielt auf eigene Daten anzupassen und gleichzeitig regulatorische Anforderungen zu erfüllen, macht watsonx zu einem strategischen Werkzeug für Organisationen mit hohen Sicherheitsanforderungen.
Dual Use, maximale Sicherheit und volle Kontrolle
Ein entscheidender Vorteil: Die IBM-Technologien sind echte Dual-Use-Güter. Sie lassen sich sowohl im zivilen als auch im militärischen Kontext einsetzen – und das in jeder gewünschten Betriebsumgebung: in der Cloud, in einer Multi-Hybrid-Cloud, in einer Private Cloud oder vollständig „air-gapped“ im eigenen Rechenzentrum. Selbst ein Betrieb „on the edge“ ist möglich – etwa direkt in der Fertigung oder im Feld.
Gerade für sicherheitsrelevante Anwendungen ist diese Flexibilität essenziell. Sie ermöglicht es, höchste Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, ohne auf moderne Technologien verzichten zu müssen. Die Plattform watsonx wurde von Beginn an so konzipiert, dass sie auch in hochsensiblen Umgebungen betrieben werden kann – mit voller Datenhoheit und auditierbarer Nachvollziehbarkeit.
Technologie als Unterstützung, nicht als Ersatz
So leistungsfähig moderne KI auch ist – die finale Entscheidung bleibt beim Menschen. Die eingesetzten Systeme unterstützen Mitarbeitende dabei, schneller bessere Entscheidungen zu treffen, repetitive Aufgaben zu automatisieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit. Sofern durch den Einsatz jener Technologien Stellen rationalisiert werden sollten, würde eine firmeninterne Umschulung und andersartige Weiterbeschäftigung der betroffenen Arbeitnehmer einen schnelleren Produktivitätsgewinn bedeuten, als ein langwieriger Rekrutierungs-, Einstellungs- sowie Einarbeitungsprozess.
Fazit: Die Rüstungsindustrie steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss nicht nur ihre Produkte, sondern auch ihre Prozesse modernisieren. Die Technologien dafür existieren bereits – praxiserprobt, sicher und flexibel einsetzbar. Wer jetzt handelt, kann nicht nur schneller monetarisieren, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Kriegstüchtigkeit bis 2029 leisten. Klar ist jedoch, dass diese Entscheidung nach wie vor von Menschen getroffen werden muss.