Kreditprozesse 2025: Banken zwischen Stabilisierung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Ergebnisse der Teilnehmer-Befragung zur Euroforum-Jahrestagung „Kreditprozesse der Zukunft 2025“

Nach Jahren der Zinswende und Unsicherheit blickt die deutsche Kreditwirtschaft mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Die im Rahmen der Euroforum-Jahrestagung „Kreditprozesse der Zukunft 2025“ durchgeführte Teilnehmer-Befragung mit 57 Führungskräften und Entscheidungsträgern zeigt, dass die Institute wieder in den Tritt kommen – und gleichzeitig tiefgreifende Transformationsprozesse bewältigen müssen.

Während die Nachfrage in allen Kreditarten spürbar anzieht, bleibt die Ertragslage durch stabile bis leicht sinkende Margen weiterhin herausfordernd. Parallel entstehen neue Wachstumsfelder rund um Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die das Kreditgeschäft in den kommenden Jahren grundlegend verändern werden.

Nachfrage zieht an – alle Kreditarten mit positiven Erwartungen

Die Kreditnachfrage wird 2026 nach Einschätzung der befragten Institute erneut moderat steigen. Besonders stark sind die Impulse im Privatkundengeschäft, wo Ratenkredite und Baufinanzierungen die Nachfrage anführen. Zwei Drittel der Banken erwarten ein weiteres Wachstum in der Baufinanzierung – trotz anhaltend hoher Baukosten und regulatorischer Auflagen. Die Marktteilnehmer gehen von einer fortgesetzten Stabilisierung des Immobilienmarktes aus, nachdem sich die Preiserhöhungen der letzten Jahre inzwischen weitgehend eingepreist haben.

Auch das gewerbliche Kreditgeschäft wird robuster erwartet. Fast 60 Prozent der Institute rechnen mit einem Nachfrageplus, insbesondere im mittelständischen Segment. Getrieben wird dieser Trend durch Reinvestitionen, die nach der Investitionszurückhaltung der Vorjahre wieder anlaufen.

Margen unter Druck – Stabilität statt Erholung

Trotz der steigenden Kreditvolumina ist mit einer nachhaltigen Margenerholung vorerst nicht zu rechnen. Die Mehrheit der befragten Häuser rechnet für 2026 mit weitgehend stabilen Zinsmargen. Bei Baufinanzierungen überwiegt eine Seitwärtsbewegung, während im Firmenkundengeschäft der Margendruck infolge intensiven Wettbewerbs anhält.

Die Ursachen liegen in der Kombination aus hohem Refinanzierungsdruck, steigendem Risikoaufwand und zunehmender Preissensibilität im Kundensegment. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb um bonitätsstarke Kunden intensiv. Die Folge ist ein Markt, der sich stärker über Beratungskompetenz, Geschwindigkeit und digitale Kundenerlebnisse differenziert als über Preisgestaltung.

Risikokosten steigen – Institute reagieren mit Frühwarnsystemen

Die Risikokosten werden nach Einschätzung der Teilnehmer 2026 weiter steigen. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet mit steigenden Risikovorsorgen – insbesondere im gewerblichen Immobilien- und Mittelstandsportfolio. Zwar schwächt sich die Inflationsdynamik ab, doch hohe Energiekosten, teure Refinanzierungen und anhaltende Marktkorrekturen im Immobiliensektor wirken weiter belastend.

Viele Institute investieren daher verstärkt in die Verfeinerung ihrer Risikomodelle, in KI-gestützte Prognosen und in dynamische Frühwarnsysteme. Ziel ist es, Ausfallrisiken früher zu erkennen und Kapitalbindungen effizienter zu steuern. Die Risikosteuerung wird damit zunehmend zu einem datengetriebenen Kernprozess.

Nachhaltigkeit wird zum Wachstumstreiber

Ein klarer Trend der Teilnehmer-Befragung ist die Beschleunigung der „Green Transformation“ im Kreditgeschäft. Der Anteil nachhaltiger und energetischer Finanzierungen steigt in beiden Kreditarten deutlich an. In der Baufinanzierung erwarten die Institute einen Zuwachs von derzeit rund 32 auf über 50 Prozent bis 2027. Noch dynamischer verläuft die Entwicklung im Firmenkundengeschäft, wo nachhaltige Finanzierungen – nach Einschätzung der Teilnehmer – ihren Anteil von 16 auf über 55 Prozent verdreifachen sollen.

Für die Banken bedeutet dies eine neue Form der Kompetenzentwicklung. Zwei Drittel der befragten Institute professionalisieren ihre Beratung im Bereich ESG-konformer Finanzierungen und positionieren sich zunehmend als Partner für Transformation, Energieeffizienz und Fördermittelmanagement. Nachhaltigkeit entwickelt sich damit vom regulatorischen Pflichtprogramm zum strategischen Differenzierungsfaktor.

Digitalisierung beschleunigt sich – von der Automatisierung zur Entscheidungsintelligenz

Parallel zur grünen Transformation gewinnt die Digitalisierung der Kreditprozesse deutlich an Geschwindigkeit. Der Digitalisierungsgrad in der Baufinanzierung steigt laut Teilnehmer-Befragung von rund 23 Prozent heute auf über 50 Prozent bis 2027. Auch das Firmenkundengeschäft holt auf und erreicht dann fast denselben Automatisierungsgrad.

Damit rückt die digitale Kreditwertschöpfungskette in den Fokus: vom volldigitalen Antrag über KI-gestützte Bonitätsanalysen bis hin zu intelligentem Servicing. Die Institute sehen darin den entscheidenden Hebel für Effizienz, Kundenzufriedenheit und Regulierungs-Compliance. In der Konsequenz verändert sich das Rollenverständnis der Kreditabteilungen, weg vom operativen Vollzug, hin zu datengetriebenem Entscheidungs- und Risikomanagement.

Fazit: 2026 markiert den Wendepunkt

Die Ergebnisse der Teilnehmer-Befragung zeigen deutlich: 2026 wird zum Wendepunkt im deutschen Kreditgeschäft. Nach Jahren der Unsicherheit beginnt eine Phase der Stabilisierung, begleitet von einer tiefgreifenden Transformation.

Das Kreditgeschäft wird grüner, digitaler und wissensintensiver. Institute, die Nachhaltigkeit, Profitabilität und Technologie in einer konsistenten Strategie verbinden, verschaffen sich entscheidende Wettbewerbsvorteile. Für die Branche bedeutet das eine neue Balance zwischen Ertragsorientierung und gesellschaftlicher Verantwortung und für die Kreditprozesse selbst: der Schritt vom „Verwalten“ zum „Gestalten“ der Zukunft.