Interview mit Bengt Bergt

Herr Bergt, welche Rolle wird Gas bei der künftigen Energieversorgung spielen?

Eine reine Elektrifizierung unseres Energiesystems ist weder sinnvoll noch möglich. Gas wird auch künftig ein wichtiger Teil unserer Energieversorgung sein – sei es bei der Produktion von Strom oder Wärme. Fossiles Erdgas werden wir nach und nach ersetzen durch sogenannten ,grünen‘ und anfangs auch ,blauen‘ Wasserstoff und seine Derivate. Für mich als Sozialdemokrat ist klar, dass die Energiewende drei Kriterien erfüllen muss: Strom und Wärme müssen bezahlbar bleiben, sauber produziert werden und sicher sein in der Versorgung. Und genau für diese Versorgungssicherheit wird Wasserstoff als Speicher und Grundstoff einen wichtigen Beitrag leisten.

Sie sprechen es an: Wasserstoff wird nicht von Beginn an „grün“, also CO2-frei sein. Wie soll der Markthochlauf gelingen?

Ich bin für die Einführung einer Quotenregelung. Ein entsprechendes Konzept hatten ich und mein Fraktionskollege Andreas Rimkus vorgelegt. Gas-Verkäufern würde dann vorgegeben, dass sie ihren verkauften Wasserstoff schrittweise dekarbonisieren müssen. 2045 müsste der CO2-Fußabdruck dann bei null liegen. Jedes verkaufte Gasmolekül muss dann nachhaltig produziert sein. Für die Branche hätte das den Vorteil der Planungssicherheit, Verbraucherinnen und Verbraucher würden von den zukünftig steigenden CO2-Preisen entlastet.

Noch befindet sich der Markt in den Kinderschuhen.

Das ist richtig. Um im Bild zu bleiben: Wir wachsen schnell aus den Kinderschuhen. Prognosen gehen davon aus, dass der Bedarf an nachhaltig produziertem Wasserstoff ab 2030 deutlich ansteigen wird. Noch ist die Bandbreite der Annahmen aber sehr groß – von 250 bis 800 Terrawattstunden im Jahr 2050. Schätzungen zufolge wird allein die heimische Stahlindustrie bis 2050 mehr als 80 Terrawattstunden benötigen, um die Prozesse klimaneutral umzustellen. Unsere Aufgabe ist, die nötigen Voraussetzungen für einen Wasserstoff-Markt zu schaffen.

Welche Voraussetzungen muss die Politik schaffen und wo stehen wir?

Importkapazitäten haben wir gesichert. Investitionen in Produktion laufen oder sind in Planung. Die Fortschreibung der nationalen Wasserstoff-Strategie haben wir auf den Weg gebracht. Der Plan für ein Wasserstoff-Kernnetz steht. Jetzt geht es darum, an den Stamm die Äste zu bringen. Nach dem Plan für ein Wasserstoff-Kernnetz muss jetzt die Wasserstoff-Netzentwicklungsplanung folgen.

Wir brauchen ein Wasserstoffnetz, das nicht nur Ost und West, Nord und Süd miteinander verbindet, sondern, das unsere Regionen versorgt. Wir müssen Erzeuger mit Verbrauchern verbinden – mit Industriezentren oder Speichern. Bis 2032 werden wir hier fast 10.000 Kilometer aufbauen.

Kurzum: Es gibt viel Arbeit, aber wir sind auf einem guten Weg.

Energieversorgung muss sicher, nachhaltig und bezahlbar sein. Ohne ,grünen Wasserstoff‘ ist die Energiewende nicht denkbar.

Bengt Bergt
Bengt Bergt stellvertretender energiepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Berichterstatter für Erdgasinfrastruktur