Wer heute im Gesundheitswesen digitalisieren will, stößt schnell an unsichtbare Grenzen. Nicht technische, sondern organisatorische. Ambulant, stationär, Pflege, öffentlicher Gesundheitsdienst: Jeder Bereich optimiert für sich. An den Schnittstellen aber fehlt Verantwortung. Und genau dort entstehen die größten Reibungsverluste.
Strukturen prägen Systeme
Es ist kein Zufall, dass unsere IT-Landschaften so fragmentiert sind. Sie spiegeln die Strukturen wider, in denen sie entstanden sind – geprägt von Selbstverwaltung, Interessengruppen und historisch gewachsenen Zuständigkeiten. Das Ergebnis: Insellösungen, die nicht miteinander sprechen. Zeit, die für Patient:innen fehlt, weil sie im Navigieren zwischen Systemen verloren geht.
Der eigentliche Engpass
Nach über 25 Jahren Erfahrung in der digitalen Transformation bin ich überzeugt: Der Engpass ist selten die Technologie. Es sind Prozesse, die nicht Ende-zu-Ende gedacht sind. Es ist fehlendes Veränderungsmanagement. Es ist die Annahme, dass eine Schulung am Go-Live-Tag ausreicht, um Arbeitsweisen zu verändern. Wir investieren Milliarden in digitale Lösungen – aber zu wenig in die Menschen, die sie nutzen sollen.
Was sich ändern muss
Ein Durchstich gelingt nur, wenn wir anfangen, horizontal zu denken. Über Sektorengrenzen hinweg. Mit gemeinsamer Verantwortung an den Schnittstellen. Das bedeutet: Standards, die wirklich gelten. Prozesse, die bei Patient:innen beginnen und enden. Und Befähigung, die nicht als Add-on behandelt wird, sondern als Kernaufgabe.
Die politischen Weichen sind gestellt. Die Bereitschaft zur Veränderung ist da. Was jetzt zählt, ist konsequente Umsetzung – mit Blick auf die Menschen, für die wir das alles tun.
Genau diese Frage, wie Umsetzung in der Praxis gelingt, treibt mich seit Jahren um. Deshalb stelle ich auf der diesjährigen Handelsblatt Health Tagung die Ergebnisse einer Studie vor, für die wir in Zusammenarbeit mit dem Innofact Marktforschungsinstitut 106 Entscheider:innen aus dem Bereich Public Health, Leistungserbringern und dem öffentlichen Gesundheitsdienst befragt haben. Ich freue mich auf den Austausch.
Bild: © ]init[ AG für digitale Kommunikation