Welche Differenzen gibt zwischen den USA und Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung in der Baufinanzierung, und was könnte Deutschland machen, um schneller zu werden.
Die Finanzierung von Immobilien und Modernisierungen ist ein zentrales Thema für Hausbesitzer und solche, die es werden wollen. Während sowohl die USA als auch Deutschland über stabile Immobilienmärkte verfügen, unterscheiden sich ihre Finanzierungsmodelle und Innovationskraft deutlich. Diese Unterschiede bieten Chancen – insbesondere für Deutschland, das von den Erfahrungen und der Dynamik des US-Marktes profitieren könnte.
Unterschiedliche Finanzierungswelten: USA und Deutschland im Vergleich
In den USA ist die Immobilien- und Renovierungsfinanzierung geprägt von einer enormen Vielfalt und Flexibilität. Neben klassischen Hypotheken gibt es zahlreiche staatlich unterstützte Programme, die gezielt verschiedene Zielgruppen ansprechen. So richtet sich das FHA-Darlehen (Federal Housing Administration) an Menschen mit geringerer Bonität und wenig Eigenkapital, das VA-Darlehen (Department of Veterans Affairs) an Veteranen und deren Familien, und das USDA-Darlehen (United States Department of Agriculture) fördert Immobilienkäufe in ländlichen Regionen – oft sogar ohne Eigenkapital. Diese Programme senken durch staatliche Garantien das Risiko für Banken und ermöglichen so auch Menschen mit weniger Rücklagen den Zugang zu Wohneigentum.
Für Renovierungen und Modernisierungen stehen in den USA zahlreiche Instrumente bereit: Home Equity Lines of Credit (HELOCs), Cash-Out-Refinanzierungen oder spezielle Renovierungsdarlehen wie das FHA 203(k) erlauben es, den Wert der eigenen Immobilie flexibel zu nutzen. Besonders innovativ sind digitale Plattformen und FinTechs, die den gesamten Prozess von der Antragstellung bis zur Auszahlung online abwickeln. Hausbesitzer können mit wenigen Klicks verschiedene Angebote vergleichen, sich vorab qualifizieren und die Finanzierung direkt abschließen – oft innerhalb weniger Tage.
In Deutschland dominiert weiterhin das klassische Bankgeschäft. Die meisten Bau- und Renovierungskredite werden über Sparkassen, Volksbanken oder große Privatbanken vergeben. Zwar gibt es auch hier digitale Vermittler und Vergleichsportale, doch die Produktvielfalt ist geringer und die Prozesse sind häufig papierlastig. Staatliche Förderungen sind zwar attraktiv, aber nicht immer leicht zugänglich. Gerade bei kleineren Modernisierungen oder kurzfristigen Projekten greifen viele Hausbesitzer lieber auf klassische Ratenkredite zurück – und verzichten damit auf mögliche Fördervorteile.
Förderlandschaft generell: Breite Übersicht und zentrale Unterschiede
Die Förderlandschaft in beiden Ländern unterscheidet sich nicht nur in der Vielfalt der Programme, sondern auch in der Geschwindigkeit und Zugänglichkeit. In den USA existiert eine Vielzahl von Programmen auf Bundes- und Bundesstaatenebene, die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind. Die Beantragung ist meist digitalisiert, die Bearbeitung erfolgt schnell und unkompliziert, und viele Förderungen sind direkt in digitale Plattformen und Marktplätze integriert. Dadurch können sie beim Handwerker, im Baumarkt oder online abgeschlossen werden.
In Deutschland hingegen konzentriert sich die Förderung stark auf zentrale Programme wie die der KfW sowie auf regionale Förderbanken und steuerliche Anreize. Trotz attraktiver Konditionen werden KfW-Kredite für Renovierungen jedoch oft nicht in Anspruch genommen. Die Gründe liegen vor allem in der Komplexität und Bürokratie des Antragsverfahrens: Förderanträge müssen vor Beginn der Baumaßnahmen gestellt werden, häufig ist die Einbindung von Energieeffizienz-Expert*innen erforderlich, und die Abwicklung erfolgt über die Hausbank – was den Prozess zusätzlich verlangsamt. Für kleinere oder spontane Projekte ist das ein echtes Hindernis. Das ist bedauerlich, denn eigentlich könnten diese Fördermittel einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Werterhalt des Gebäudebestands leisten. Viele Fördermittel werden nicht abgerufen, da Privatpersonen, Banken und Baufirmen den Aufwand scheuen – insbesondere bei kleineren Projekten.
Renovierungsfinanzierung in Vergleich
Im Bereich Renovierungsfinanzierung sind Point-of-Sale-Lösungen in den USA bereits weit verbreitet: Anbieter wie GoodLeap, Mosaic, PowerPay und Momnt ermöglichen es, Finanzierungen direkt beim Handwerker oder im Baumarkt digital und in Echtzeit abzuschließen, was zu einer hohen Marktdurchdringung und Akzeptanz führt – allein GoodLeap hält etwa 23 % Marktanteil im US-Solarmarkt. In Deutschland hingegen steckt der Markt noch in den Anfängen: Mit Bees & Bears und Cloover gibt es erste innovative Anbieter, die flexible Ratenzahlungen für energetische Sanierungen und Photovoltaik-Installationen bieten, doch die Integration solcher Lösungen in den Verkaufsprozess ist bislang deutlich weniger verbreitet und der Großteil der Projekte wird weiterhin klassisch über Banken oder Eigenmittel finanziert
Was Deutschland von den USA lernen kann
Die Erfahrungen aus den USA zeigen, wie wichtig digitale Prozesse, flexible Produkte und eine starke Start-up-Kultur für die Modernisierung des Marktes sind. Deutschland könnte von folgenden Ansätzen profitieren: Die Vereinfachung und Digitalisierung der Förderanträge würde die Nutzung von Förderungen deutlich attraktiver machen. Eine stärkere Einbindung von FinTechs könnte die Vermittlung und Abwicklung von Renovierungskrediten beschleunigen und transparenter machen. Mehr Auswahl bei Kreditarten und Rückzahlungsmodellen würde es Hausbesitzern erleichtern, auch kleinere oder kurzfristige Projekte zu finanzieren. Schließlich könnten mehr Risikokapital und bessere Rahmenbedingungen dazu beitragen, dass auch in Deutschland Unicorns im Bereich Renovierungsfinanzierung entstehen.
Fazit
Während die USA mit einer breiten Produktpalette, digitalen Prozessen und innovativen FinTechs den Markt für Renovierungs- und Modernisierungsfinanzierung revolutionieren, bleibt Deutschland noch zu oft im Papierkrieg stecken. Gerade die geringe Nutzung von Förderungen für Renovierungen ist eine verpasste Chance – für Hausbesitzer, die Energiewende und die Wirtschaft insgesamt. Es ist Zeit, die Digitalisierung auch im Bereich der Bau- und Renovierungsfinanzierung konsequent voranzutreiben.
Quellen:
- GoodLeap Surpasses $10 Billion in Financing for Sustainable Home Solutions
- USDA Loans vs. FHA, VA and Conventional Loans – Übersicht der US-Förderprogramme
- First Time Home Buyer Loan Options – FHA, VA, and USDA
- Energieeffizient sanieren: Förderung mit KfW 261 und BEG – Finanztip
- Modernisierung: Kosten & Finanzierung – Interhyp
- Renovierungskredite im Vergleich 2025 – Handelsblatt
- Studie: Deutscher Fintech-Sektor mit großem Potenzial trotz Markteintrübung – McKinsey & Company
- https://www.immobilien-beratung.net/finanzierung/kfw-foerderung-was-man-wissen-muss/
- https://www.n-tv.de/ratgeber/Wenn-die-Baufirma-pleite-ist-article13497051.html
- https://www.bcg.com/publications/2025/fintechs-scaled-winners-emerging-disruptors