Erneuerbare Energien und KI brauchen moderne Stromnetze

Europas Energiewende ist ein mutiges Unterfangen, das darauf abzielt, CO₂-Emissionen drastisch zu reduzieren und gleichzeitig die Energiesicherheit zu stärken. Doch der Erfolg dieser Vision beruht auf einem entscheidenden Pfeiler: der Modernisierung und dem Ausbau der Stromnetze.

Fokus auf eine moderne Netzinfrastruktur
Der neue Aktionsplan der EU-Kommission unterstreicht diese Dringlichkeit und fordert bis 2030 Investitionen in Höhe von 584 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur, einschließlich 166 grenzüberschreitender Projekte. Diese Modernisierungen sind unverzichtbar, da der Stromverbrauch in Europa durch die weit verbreitete Elektrifizierung und neue Anwendungen voraussichtlich um 60 Prozent steigen wird. Ein wesentlicher Treiber dieses Anstiegs ist die Künstliche Intelligenz (KI), die den Betrieb von Rechenzentren grundlegend verändert. KI-Technologien führen zu extremen Schwankungen im Stromverbrauch, die innerhalb von Minuten von null auf Hunderte von MW ansteigen können, insbesondere während des Lernmodus. Dies erfordert Stromnetze, die erhebliche Volatilität sowohl auf der Seite der erneuerbaren Energien (EE) als auch auf der Verbraucherseite bewältigen können. Interessanterweise wird KI auch eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von Stromnetzen zur Bewältigung dieser Schwankungen spielen. Bis 2030 werden EE voraussichtlich den Großteil der globalen Stromerzeugung ausmachen, während der Energiebedarf von Rechenzentren 3–8 Prozent des gesamten Stromverbrauchs ausmachen könnte. Diese Entwicklungen werden die Energielandschaft tiefgreifend verändern.

Deutschland braucht Investitionen und Tempo
Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, steht in dieser Transformation vor besonderen Herausforderungen. Obwohl das Land bei EE – insbesondere Windenergie im Norden – führend ist, kämpft seine alternde Netzinfrastruktur damit, diese Energie effizient zu den industriellen Zentren im Süden und Westen zu transportieren. Erschwerend kommt hinzu, dass 40 Prozent der deutschen Verteilnetze älter als 40 Jahre sind, was Engpässe verursacht, die den Fortschritt in Bereichen wie Mobilität, Heizung und Industrieausrüstung behindern. Deutsche Netzbetreiber erkennen diese Probleme an und planen erhebliche Investitionen. Doch beschleunigte Genehmigungsverfahren sind entscheidend. In Deutschland dauert es oft genauso lange, Genehmigungen für Hochspannungsprojekte zu erhalten, wie diese zu bauen – fünf Jahre für die Bauzeit, aber zehn Jahre oder mehr bis zur Fertigstellung. Im Vergleich dazu werden ähnliche Projekte in den USA deutlich schneller und in China möglicherweise doppelt so schnell abgeschlossen. Während langfristige Planung für die gesamte Branche unverzichtbar ist, lassen sich Projektlaufzeiten verkürzen. Die Botschaft ist klar: Ohne entschlossenes Handeln zur Modernisierung der Stromnetze riskiert Europa, in seinen Energie- und Wirtschaftszielen zurückzufallen. Deutschland und die EU können erhebliches wirtschaftliches Potenzial freisetzen, doch moderne, effiziente Stromnetze müssen im Mittelpunkt stehen ■

Moderne und effiziente Stromnetze müssen im Mittelpunkt stehen.

Andreas Schierenbeck,CEO, Hitachi Energy

www.hitachienergy.com/de/de

Hitachi Energy

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