Artikel aus dem Handelsblatt Journal „Energiewirtschaft“
An ihr wird sich die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland entscheiden: Energie. Warum das so ist, zeigen drei Zahlen sehr deutlich: 1 Prozent, 4 Cent und das Jahr 2045.
Knapp 1 Prozent …
… des gesamten deutschen Stroms verbraucht WACKER pro Jahr. Ähnliche Zahlen gelten für andere Chemiekonzerne. Eine gewaltige Energiemenge, die ausreichen würde, um 1 Million Haushalte zu versorgen. Um Moleküle zu spalten und wieder neuzusammenzusetzen, braucht es diese immensen Mengen. Die Energie fließt bei uns in die Herstellung von innovativen Spezial-Siliconen für E-Autos, medizinische Schläuche oder Windräder. Sie fließt in die Produktion von Dispersionen für nachhaltige Gebäude. Und sie fließt in die Herstellung von höchstreinem Polysilicium, dem reinsten Material, das Menschen überhaupt herstellen können. Die Polysilicium-Herstellung ist besonders energieintensiv.
Auch deshalb ist WACKER der einzige Hersteller in Europa, der heute noch diesen Rohstoff für Mikrochips und Photovoltaik herstellt. Denn Energie ist in Europa im Vergleich zu anderen Weltregionen teuer. Um Deutschland für energieintensive Industrien wieder wettbewerbsfähig aufzustellen, brauchen wir international wettbewerbsfähige Preise.
4 Cent …
… inklusive aller Nebenkosten wie zum Beispiel Netzentgelte: So viel darf eine Kilowattstunde Strom maximal kosten, damit wir in Deutschland mit Regionen wie China oder den USA konkurrieren können. Um hier langfristig mithalten zu können, ist ein beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien entscheidend. Denn grüne Energie ist langfristig immer die günstigste Energie. Darauf – und auf den Ausbau einer entsprechenden Netzinfrastruktur – müssen wir uns fokussieren. Wichtig ist dabei, das Energienetz der Zukunft europäisch zu denken.
Ob Windräder im Norden, Photovoltaik im Süden oder Wasserkraft: Jeder Baustein zählt. Das gilt auch für Gas- und Atomkraftwerke im europäischen Verbund. Über leistungsfähige Netze, flankiert von smarten Speicherkapazitäten, werden wir langfristig wettbewerbsfähig. Und das ist nicht nur für die Chemie entscheidend, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort: Energie ist ein Synonym für Wohlstand – auch für KI und Digitalisierung. Server laufen nicht mit Luft, sondern mit Strom. Der Energiebedarf wird weiter steigen. Beim Ausbau sollten wir uns daher auf keinen Fall einschränken.
Die Zeit, bis ausreichend erneuerbare, günstige Energie zur Verfügung steht, müssen wir überbrücken. Deshalb brauchen wir für die kommenden Jahre eine Entlastung der energieintensiven Industrie – etwa über den Industriestrompreis, der aber unbedingt mit der Strompreiskompensation kombinierbar sein muss. Nur so kommt die Entlastung auch an. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität nicht warten kann. Energie, bezahlbar und grün, – das ist auch hier der Schlüssel.
2045 …
… bis dahin möchte Deutschland klimaneutral sein. Auch WACKER und andere Unternehmen haben sich dieses Ziel gesetzt. In der Chemieindustrie gelingt das unter anderem dadurch, dass wir unsere Prozesse elektrifizieren und unsere Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen. Neben bezahlbarer, grüner Energie ist hier eine gezielte Förderung von Transformationsprojekten entscheidend.
Wichtig dabei ist: Nicht nur Investitionen, sondern auch Betriebskosten sollten gefördert werden. Nur so schaffen wir es, Technologieführer zu bleiben. Hier werden die Karten aktuell neu gemischt. Wenn Deutschland und Europa künftig eine federführende Rolle spielen möchten, gilt es, jetzt zu investieren. Flankiert werden muss die Transformation von einer pragmatischen Regulierung. Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt, bürokratische Überregulierungen abgebaut werden. Der Industrie dürfen keine neuen „Knüppel“ in den Weg gelegt werden, etwa durch eine Verschärfung von Benchmarks im Rahmen des Emissionshandels, der Unternehmen in Europa benachteiligt.
Kurzum
Wir bei WACKER stehen für ambitionierten Klimaschutz. Entscheidend sind aber realistische, international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Nur damit gelingt die Transformation. Nur so bleibt die energieintensive Industrie in Deutschland und Europa erhalten. Energie steht dabei im Zentrum. Industrie- und Klimaschutzpolitik müssen zusammengedacht und umgesetzt werden. Andere Regionen sind uns hier weit voraus. Wir haben keine Zeit zu verlieren!
Foto: © Stefan Berberich/Wacker Chemie AG (Portrait)
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