Chinesische Direktinvestitionen in Europa haben zuletzt wieder deutlich zugenommen. Mit rund 16,8 Milliarden Euro erreichten chinesische Investitionen in der EU und im Vereinigten Königreich 2025 den höchsten Stand seit 2018. Deutschland war nach Ungarn das zweitwichtigste Zielland chinesischer Direktinvestitionen in Europa mit rund 2,5 Milliarden Euro (Quelle: Merics Report, May 2026). Einen erheblichen Anteil machen hierbei die Investitionen im Gesundheitswesen aus.
Im ersten halben Jahr 2026 stiegen Chinas Auslandsdirektinvestitionen auf ins-gesamt 86,5 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 8,1 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das Transaktionsvolumen im Ausland belief sich auf 21,4 Milliarden US-Dollar, wobei der Gesundheits- und Lifescience-Sektor ein dreistelliges Wachstum beim M&A-Wert verzeichnete (Quelle: EY Greater China, Press release, 17 Aug 2026).
Der deutsche Gesundheitssektor gilt bei chinesischen Investoren als attraktives Ziel, unter anderem aus den nachstehenden Gründen:
- Zugang zum europäischen Gesundheitsmarkt: Investitionen in Deutschland gelten oft als Eintrittskarte in den europäischen Binnenmarkt. Chinesische Ak-teure im Gesundheitswesen erfahren eine steigende Akzeptanz im europäischen Markt. Zugleich gelingt ihnen der Aufbau von internationalen Innovations- und Handelsnetzwerken.
- Ausgeprägte deutsche Forschungslandschaft: Daneben gibt es ein dichtes Netzwerk aus Forschungsinstitutionen und Universitäten. Das macht Deutschland für in der Forschung aktive Unternehmen attraktiv.
- Technologisches Know-how: Deutschland genießt insbesondere im Bereich innovativer Medizinprodukte, Diagnostikverfahren und Biotechnologie genießt ein hohes weltweites Ansehen. Beteiligungen an solchen Unternehmungen bieten chinesischen Investoren den Zugang zu diesem technologischen Know-how.
Für den deutschen Gesundheitsmarkt haben chinesische Investitionen ebenfalls Vorzüge:
- Chinesische Investitionen für Deutschland bedeuten zunächst Kapitalzufluss (bzw. die Finanzierung/Weiterentwicklung eines Unternehmens) und die Schaffung und/oder Erhaltung von Arbeitsplätzen.
- Errungenschaften im chinesischen Gesundheitsmarkt werden durch derartige Investitionen für Deutschland leichter zugänglich.
- Daraus können sich wechselseitig neue Geschäftsbeziehungen und Kundenkreise ergeben.
Neben klassischen Vertriebsformen im Direktvertrieb oder mittels Vertriebsnetz, Kooperationen, und Lizenzvereinbarungen streben chinesische Unternehmen im Gesundheitssektor zunehmend die Errichtung eigener Produktionsstätten und den Kauf von in Deutschland ansässigen Unternehmen(steilen) (M&A-Transaktionen) an. Gleichzeitig ergeben sich Beschränkungen und weitere relevanten Gesichtspunkte für Investitionen chinesischer Unternehmen im Gesundheitssektor einschließlich sensibler Technologien.
- Investitionskontrolle: Bei einem Greenfield-Investment, dem Aufbau einer neuen Produktionsstätte, findet die deutsche Investitionskontrolle (FDI) keine Anwendung. Die Übernahme eines deutschen Unternehmens(teils) durch einen chinesischen Investor kann hingegen nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) der Investitionskontrolle durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterliegen. Dies zeigt sich etwa da-ran, dass ein chinesischer Medizintechnikkonzern ein deutsches Unternehmen für OP-Technologie erwarb und ein internationaler Diagnostikanbieter eine kontrolierende Beteiligung an einem deutschen Diagnostikunternehmen übernahm.
- IP und Know-how-Schutz: Bei Medtech- und Lifesciences Unternehmen- kommt dem Schutz des geistigen Eigentums, des technologischen Know-hows und sonstiger Geschäftsgeheimnisse zentrale Bedeutung zu. Forschungsdaten, Patente, Studienergebnisse, technologisches Know-how und Lizenz- und Kooperationsvereinbarungen sind im Hinblick auf Inhaberschaft, Schutzumfang, Nutzungs-rechte und Vertraulichkeit sorgfältig zu prüfen und abzusichern. Besonders deutlich wird dies bei der Übernahme einer kontrollierenden Beteiligung an einem Diagnostikunternehmen, bei der der Zugriff auf Technologie und Know-how zum Kern der Transaktion gehört, sowie an einem Exklusivvertrag zwischen einem forschenden Biopharmaunternehmen und einem europäischen Pharmapartner, der Entwicklung, Lieferung und Vermarktung eines Biosimilars klar zwischen beiden Seiten verteilt.
- Datenschutz und Patientendaten: Patienteninformationen oder Gesundheitsdaten unterliegen im Rahmen von Transaktionen besonderen datenschutzrechtlichen Anforderungen. Es ist daher sorgfältig zu prüfen, ob und in welchem Umfang personenbezogene Daten offengelegt werden dürfen und welche Schutzmaßnahmen zu treffen sind.
- Regulatorische Anforderungen: Die zum Verkauf stehenden Medizinprodukte müssen die anwendbaren regulatorischen Anforderungen in der EU erfüllen (dies-bezüglich u.a. die Vorgaben der Medical Device Regulation (MDR) und der In-Vitro Diagnostic Regulation (IVDR)). Transaktionsbedingte Umstrukturierungen können eine Anpassung regulatorischer Rollen, Zuständigkeiten und Registrierungen erforderlich machen.
Fazit:
Chinesische Investitionen im deutschen Gesundheitssektor bleiben bedeutsam – die rechtlichen Hürden sind jedoch zuletzt erheblich gestiegen. Investitionskontrolle, IP-Schutz, Datenschutz und regulatorische Anforderungen erfordern eine sorgfältige Strukturierung jeder Transaktion. Wer frühzeitig die passende Markteintrittsform rechtlich prüft, kann Risiken minimieren und Chancen gezielt nutzen.
Quellen:
Investitionsprüfung | BMWE
Investitionen aus China: Darum ist Deutschland attraktiv
Chinese investment rises to 7-year high – Chinese FDI in Europe: 2025 Update |Merics
Dwindling investments become more concentrated – Chinese FDI in Europe: 2023 Update | Merics
The Medical Technology Industry in Germany
China nimmt deutsche Medizintechnik in die Zange | Telepolis
China im Biotech-Sektor: Chance und Risiko für Europa
Die neue China-Abhängigkeit heißt Biotech
Oppenhoff berät Lange Medtech bei der Übernahme des deutschen Medizintechnikunternehmens ErgoSurg – Oppenhoff
Newsdetails – DiaSys Diagnostic Systems GmbH
Firma aus China siedelt sich samt Geheimniskrämerei in Baden-Württemberg an
Bio-Thera und STADA schließen Exklusivvertrag für BAT2506 | STADA
Chinas nächste Phase in Biopharma | Porsche Consulting
EY releases the Overview of China outbound investment of H1 2026 | EY China