Von GenAI zu AI Agents: Was sich tatsächlich verändert

Die aktuelle Welle von GenAI ist durch Interaktion geprägt. Nutzer stellen Anfragen, erhalten Ergebnisse und entscheiden, wie sie weiter vorgehen. Dieses Modell verbessert den Zugang zu Informationen und beschleunigt einzelne Aufgaben, lässt die eigentliche Umsetzung jedoch weitgehend unverändert.

AI Agents verfolgen einen anderen Ansatz. Sie warten nicht auf Eingaben bei jedem einzelnen Schritt. Stattdessen arbeiten sie innerhalb definierter Workflows, verbinden Aufgaben, Systeme und Entscheidungen. Der Fokus verschiebt sich von der Generierung von Inhalten hin zur Durchführung von Prozessen.

Der Unterschied ist strukturell.

Im Einkauf ist diese Unterscheidung besonders relevant. Viele Prozesse folgen bereits klaren Abläufen: Bedarfsanforderung, Genehmigung, Lieferantenauswahl, Bestellung und Nachverfolgung. Diese Prozesse sind strukturiert, wiederholbar und häufig über mehrere Systeme verteilt.

Genau hier können Agents effektiv eingesetzt werden. Sie können systemübergreifend agieren, Aktionen auslösen und Abläufe steuern, ohne dass kontinuierliche Eingriffe durch den Nutzer erforderlich sind. Die Rolle des Nutzers verschiebt sich von der Ausführung einzelner Schritte hin zur Definition von Parametern und zur Überwachung der Ergebnisse.

Mit der Umsetzung entsteht jedoch eine neue Herausforderung. Die Qualität der Ergebnisse hängt davon ab, wie klar Prozesse definiert sind, wie strukturiert die Daten vorliegen und wie Entscheidungen gesteuert werden.

In vielen Organisationen sind diese Grundlagen noch nicht ausreichend ausgeprägt. Datenquellen sind fragmentiert. Prozessdefinitionen unterscheiden sich. Governance ist häufig implizit statt explizit geregelt. Unter diesen Bedingungen können Agents zwar eingesetzt werden, jedoch nicht zuverlässig im großen Maßstab.

Daraus entsteht eine Lücke zwischen Potenzial und tatsächlicher Leistung. Die Technologie ist vorhanden, doch das Betriebsmodell ist noch nicht darauf ausgelegt.

Diese Lücke zu schließen erfordert nicht primär leistungsfähigere Modelle. Entscheidend ist ein anderer Fokus: die Standardisierung von Prozessen, die Verbesserung der Datenqualität und die klare Definition von Entscheidungslogiken.

Für Einkaufsorganisationen bedeutet dies eine Verschiebung der Wertschöpfung. Der Schwerpunkt verlagert sich von individuellen Effizienzgewinnen hin zu einer systemischen Umsetzung.

Agents beschleunigen nicht nur bestehende Arbeit. Sie verändern, wie Arbeit organisiert ist.