Vom Monolog zum Dialog: mehr erreichen durch Stakeholder Engagement

Die Bedeutung von Stakeholder Engagement wird in vielen Unternehmen noch unterschätzt. Dabei ist der regelmäßige Austausch mit den verschiedenen Anspruchsgruppen ein wichtiger Grundbaustein für den langfristigen Unternehmenserfolg.

Stakeholder, zu denen Investor*innen, Mitarbeiter*innen, Kund*innen, Geschäftspartner*innen, NGOs, politische Akteure und regionale Anspruchsgruppen zählen, haben einen erheblichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung. Ihre Kaufkraft, Kündigungs- aber auch Klagemöglichkeiten können die Gewinne und Verluste eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen.

Daher ist es von entscheidender Bedeutung, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu verstehen und in die Unternehmensstrategie einzubeziehen. Im Idealfall folgen Unternehmen beim Thema Stakeholder Engagement einem systematischen Ansatz, der von einem kontinuierlichen Prozess unterstützt wird. Der Geschäftsalltag sieht jedoch oft anders aus: Viele Unternehmen gehen mit ihren Stakeholdern eher punktuell und ohne Integration in die übergreifende Strategie in den Dialog.

Häufig fehlt ein genauer Überblick über die Anforderungen der verschiedenen Interessengruppen, oder das Bild bleibt unvollständig. Beispielsweise, wenn Unternehmen ihr gesellschaftliches Engagement allein auf einen Standort konzentrieren oder an Branchenevents teilnehmen, ohne diese Aktivitäten in die Unternehmensstrategie einzubetten.

Eine ungeplante Herangehensweise führt dazu, dass die Möglichkeiten und Vorteile eines effektiven Stakeholder Engagements nicht ausgeschöpft werden. Unternehmen verpassen so die Chance, wertvolle Insights zu gewinnen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Innovationspotenziale zu nutzen. Zudem gibt es zunehmend regulatorische Anforderungen, die Unternehmen zu einem strukturierten Stakeholder Engagement verpflichten.

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) fordern zum Beispiel die Einbindung von Stakeholdern bei der Identifizierung wesentlicher Nachhaltigkeitsthemen (Stichwort: Wesentlichkeitsanalyse). Ohne diesen Schritt ist ein CSRD-konformes Reporting nicht möglich. Auch müssen Unternehmen ihr Augenmerk verstärkt auf potenziell vulnerable, also besonders schutzbedürftige Gruppen in ihrer Wertschöpfungskette richten.

Über die regulatorischen Verpflichtungen hinaus schafft der offene Dialog Vertrauen und zahlt auf die Glaubwürdigkeit des Unternehmens ein, was sich positiv auf die Reputation auswirkt. Zudem kann der Austausch mit den Stakeholdern Innovationen anstoßen, indem externe Perspektiven und Ideen in die Unternehmensentwicklung einfließen.

Aber: Die Zeit und Aufmerksamkeit der Interessenvertreter*innen ist begrenzt. Das gilt es, bei der Entwicklung der Dialogformate zu berücksichtigen. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie hier im Doppelinterview, das ich zusammen mit Dr. Roxana Codita, Nachhaltigkeits-Strategin bei der AUDI AG, gegeben habe.