Wirkung hängt an der Organisation
Der Microsoft Work Trend Index 2026 hat 20.000 Beschäftigte in zehn Märkten befragt und ausgewertet, welche Faktoren am stärksten mit der berichteten Wirkung von KI zusammenhängen. Organisatorische Faktoren wie Kultur, Führung und Personalpraxis erklären 67 Prozent, individuelle Faktoren 32 Prozent.² Führungskräfte, die KI sichtbar selbst nutzen, und Teams, die ihre Abläufe gemeinsam neu durchdenken, bewegen demnach mehr als jede einzelne Schulung.
Der zweite Versuch entscheidet
Der kritische Moment einer Einführung ist die zweite Frage, die jemand stellt. Bleibt sie aus, hat das meist einen von vier Gründen: Die Antwort war formal richtig, aber nicht hilfreich, weil das relevante Dokument fehlte. Sie war nicht überprüfbar, weil Quellenangaben fehlten. Es gab keinen konkreten Anlass. Oder der alte Weg über die Kollegin oder den bekannten Ordner war schlicht schneller. Drei dieser Gründe lassen sich organisatorisch lösen. Der erste ist technisch: Erreicht das System den tatsächlichen Datenbestand nicht, hilft auch das beste Multiplikatorennetz wenig.
Drei harte Kennzahlen und eine weiche
Die Lücke zwischen gefühltem und belegtem Nutzen ist groß. Laut McKinsey berichten 80 Prozent der Befragten eine höhere eigene Produktivität, aber nur 37 Prozent können KI einen Beitrag zum Betriebsergebnis zuordnen.³ Schließen lässt sie sich nur über eine Messung an einem definierten Prozess. Vier Werte haben sich dafür bewährt:
- Doppelarbeit: Anzahl neu erstellter Dokumente, die es in vergleichbarer Form bereits gab, in einem festen Prozess und Zeitraum.
- Einarbeitungsdauer: Zeit vom ersten Arbeitstag bis zur ersten eigenständig erledigten Aufgabe, gemessen an einer festen Aufgabenliste.
- Durchlaufzeit: Zeitstempel im Quellsystem, ohne Selbstauskunft der Beteiligten.
- Ausbreitung als Frühindikator: Anzahl der Teams, in denen mindestens eine Person wöchentlich mit der KI arbeitet.
90 Tage statt vier Wochen
In den ersten Wochen sinkt die Produktivität oft, weil alle lernen. Wer nach vier Wochen misst, misst die Lernkurve. Belastbar wird der Vergleich erst nach rund 90 Tagen echter Nutzung. Daraus ergibt sich eine klare Reihenfolge: einen Prozess mit klarem Anfang und Ende auswählen, die Kennzahlen vor dem Start erheben, nur die Quellen dieses Prozesses anbinden, eine Pilotgruppe quer über Standorte und Abteilungen bilden und nach 90 Tagen dieselben Werte erneut erheben. Erst dann fällt die Entscheidung über den nächsten Anwendungsfall.
Wie aus KI-Ausgaben ein messbarer Wertbeitrag wird, diskutiert Bastian Maiworm am 16. November auf dem Handelsblatt KI-Summit im Panel „Token-Kosten & ROI Messung: die unbequeme Wahrheit über KI-Investitionen“ auf der TODAY Stage.

¹ Bitkom 2026 ² Microsoft Work Trend Index 2026 ³ McKinsey, The State of AI 2026
Bastian Maiworm ist Mitgründer und Geschäftsführer von amber. Das Aachener Unternehmen entwickelt eine Business-KI für Mittelstand und Industrie; mehr als 400 Unternehmen setzen sie ein.