Sozialpartnermodell: Wie die Tarifpartner die Betriebsrente stärken können

Die Rentenkommission hat den Tarifpartnern im Juni 2026 eine klare Aufgabe gegeben. In einem „Sozialpartnerdialog“ sollen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände konkrete Maßnahmen entwickeln, um die betriebliche Altersversorgung (bAV) stärker zu etablieren. Das gilt vor allem für Branchen und Unternehmen, in denen sie bisher wenig verbreitet ist.

Die Forderung klingt zunächst nach politischer Programmatik, doch eine praxisbewährte Lösung existiert bereits. Sie heißt Sozialpartnermodell (SPM) – und die R+V Versicherungsgruppe setzt sie bereits erfolgreich in der Chemiebranche um. Die R+V-Tochter ChemiePensionsfonds AG hatte 2022 als bundesweit erster Anbieter ein SPM für eine gesamte Branche auf Grundlage eines Flächentarifvertrags aufgelegt.

Sozialpartnermodelle basieren auf der reinen Beitragszusage. Dabei verpflichtet sich der Arbeitgeber, die vereinbarten Beiträge zu zahlen. Eine bestimmte Rentenhöhe, Verzinsung oder Mindestleistung sagt er jedoch nicht zu („pay and forget“). Für die spätere Leistung ist allein der Versorgungsträger zuständig. Die Sozialpartner können ihrerseits über den Steuerungsausschuss regelmäßig Einfluss nehmen und bei Bedarf nachjustieren.

Arbeitgeber gewinnen Planbarkeit und verringern Aufwand

Für Arbeitgeber schafft das SPM eine klar kalkulierbare Grundlage. Die Beiträge stehen fest, Nachfinanzierungen und Subsidiärhaftung entfallen. Das Unternehmen kann somit seine Aufwendungen besser planen und muss nicht dauerhaft für eine Leistung einstehen, deren Höhe vor allem von der Kapitalmarktentwicklung abhängt.

Beschäftigte haben höhere Renditechancen

Das SPM bietet den Arbeitnehmern eine lebenslange Altersrente. Die Anwartschaften sind sofort unverfallbar und bleiben bei einem Arbeitgeberwechsel bestehen. Darüber hinaus haben die Beschäftigten ihrerseits höhere Renditechancen. Da das Sozialpartnermodell im Gegensatz zu den klassischen bAV-Lösungen auf starre Garantien verzichtet, können die Beiträge deutlich chancenreicher angelegt werden.

Die Kapitalanlage beim SPM Chemie etwa folgt einer dynamischen Wertsicherungsstrategie: Das Portfolio kombiniert dabei Aktien mit risikoarmen Anlagen wie Staats- und Unternehmensanleihen, wobei der Aktienanteil je nach Marktsituation zwischen mindestens 10 und maximal 80 Prozent liegt. Bei steigenden Aktienmärkten soll an den Kursgewinnen partizipiert, bei fallenden Kursen ein Portfoliomindestwert nicht unterschritten werden.

Gerade bei langen Ansparzeiten kommen die Renditevorteile einer kapitalmarktorientierten Anlage besonders zum Vorschein. Die R+V lag seit Modellstart 2022 mit einer jährlichen Rendite von 5,8 Prozent stets deutlich über den von den Sozialpartnern angestrebten 4 Prozent pro Jahr. Risikobegrenzend bei möglichen Kapitalmarktturbulenzen wirkt ein kollektiver Sicherungspuffer, in den die Arbeitgeber zusätzliche Beiträge einzahlen.

Die Gewerkschaften ihrerseits begleiten das Sozialpartnermodell dauerhaft. Sie wirken an Risikoniveau und Schutzmechanismen mit und vertreten dabei die Interessen der Beschäftigten. Im SPM Chemie legen Vertreterinnen und Vertreter der IGBCE, des Arbeitgeberverbands BAVC und der R+V gemeinsam die Leitplanken in einem Steuerungsausschuss fest.

Fazit: Tarifpartnerschaft macht das Modell zum Königsweg

Das Sozialpartnermodell ist der Königsweg, wenn Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände die bAV gemeinsam gestalten und die Anlage der Beiträge mitsteuern wollen. Es verbindet größere Renditechancen für Beschäftigte mit mehr Planbarkeit für Arbeitgeber. Zugleich verankert es die Mitbestimmung der Gewerkschaften dauerhaft im Modell.

Damit erfüllt das SPM zentrale Anforderungen an eine moderne Betriebsrente: Es nutzt die Chancen des Kapitalmarkts, begrenzt die Haftung der Arbeitgeber und stärkt die Rolle der Tarifpartner. Die Rentenkommission hat die Rolle der Sozialpartner völlig zu Recht hervorgehoben. Die Erfahrungen aus der Chemiebranche zeigen, dass das Modell in der Praxis bestens funktioniert.