Matthias Weber, Vorstand Vertrieb – HDI Bancassurance im Kurzinterview:

Retail Banking 2030: Wie lässt sich im intensiven Wettbewerb künftig noch das größte Potential heben – im Produkt, in der Kundenbeziehung oder im Ökosystem? Und welche Weichen müssen Banken stellen?

2030 zählt nicht mehr das einzelne Produkt – es gewinnt das Ökosystem, das wirklich ins Leben der Menschen passt. Produkte? Werden austauschbar und sind bei Weitem nicht mehr der USP wie es früher vielleicht einmal war. Die Beziehung zur Kundschaft jedoch entsteht dort, wo echte Relevanz im Alltag spürbar wird. Wer noch im traditionellen Silodenken festhängt, wird in der Zukunft zum Statisten degradiert. Die Weichenstellung ist klar: Raus aus der Produktfokussierung, rein in die Welt der Lebensphasen. Banken und Versicherer müssen sich als ein Team begreifen – nicht als Nachbarn mit hohen Hecken dazwischen. Wer es schafft, Vorsorge, Finanzierung und Vermögensaufbau nahtlos und erlebbar unter einem Dach zu verbinden, der bleibt 2030 am Drücker und verteidigt die Kundenschnittstelle wie ein Torwart im Finale.

Welche Rollen spiele Banken, Broker und Fintechs bei Finanz- und Vermögensbildung und wie entstehen daraus konkrete Wertschöpfungspotentiale im Retail Banking?

Banken, Broker und Fintechs: Wer heute nur Transaktionen abwickelt, ist morgen raus – denn echte Wertschöpfung beginnt bei der Finanzbildung. Vergessen Sie das altbackene CSR-Label: Finanzbildung ist längst ein Business Case. In einer Welt, in der der Informationsfluss wie ein wilder Fluss tobt, braucht es Orientierung – und genau darin liegt der eigentliche Mehrwert. Wer Komplexität entschlüsselt, wird zum Wegbeleiter und zur Vertrauensperson für seine Kundschaft. Der Wandel ist klar: Vom simplen Verkäufer zum kompetenten Partner. Die Ernte wird nicht mehr mit dem Produktabschluss eingefahren, sondern durch nachhaltiges Empowerment der Kundinnen und Kunden – damit sie eigenständig gute Finanzentscheidungen treffen können. Vertrauen ist die härteste Währung im Retail Banking, und Finanzbildung ist das Fundament, auf dem diese Währung wächst. Wer hier investiert, gewinnt nicht nur Kunden, sondern bleibt auch 2030 am Puls der Branche – und liefert den Stoff, aus dem die erfolgreichen Geschichten gemacht werden.

Künstliche Intelligenz ist im Banking angekommen. Wo sehen Sie im Jahr 2026 den größten Hebel: Effizienz, Kundenerlebnis oder neue Geschäftsmodelle?

Stellen Sie sich vor, Ihre Bank weiß nicht nur, was Sie gestern gekauft haben, sondern versteht, warum Sie es getan haben – und ist heute schon einen Schritt voraus. KI ist der Turbo im Banking, aber wer nur auf Effizienz schielt, verpasst das Ziel. Klar, Algorithmen rechnen schneller als jeder Buchhalter – aber das ist nur das Warm-up. Der eigentliche Knall kommt, wenn die Künstliche Intelligenz, die Beratung so individuell gestaltet, dass sich Kundinnen und Kunden nicht mehr wie Nummern, sondern wie VIPs fühlen. Hyperpersonalisierte, proaktive Finanzberatung ist nicht mehr nur Zukunftsmusik, sondern das neue Spielfeld für Banken und Versicherer. KI erkennt Muster, antizipiert Risiken, und rät zur Prävention, bevor der Sturm aufzieht. So wird aus dem Berater kein Auslaufmodell, sondern ein unverzichtbarer Lotse – gestärkt durch digitale Intelligenz, relevanter denn je.

Wer KI nur als Sparmaschine sieht, denkt zu kurz. Der wahre Gamechanger: KI eröffnet neue Geschäftsmodelle, verknüpft Banking und Versicherung wie ein unsichtbares Netz, und bringt das Thema Finanzentscheidungen auf ein völlig neues Level. Die Bank von morgen ist nicht die mit dem besten Kostendeckel, sondern die mit dem klügsten, empathischsten Berater – powered by KI.