Kreditgeschäft 2025: Zwischen Zinsnormalisierung, strengerer Risikodisziplin und digitaler Transformation

Zinsumfeld: Von der Zinswende zur Zinsnormalisierung

Nach mehreren Zinssenkungen der EZB seit Mitte 2024 liegt die Einlagenfazilität inzwischen bei 2,0 %. Für das Jahr 2025 erwarten die Märkte nur noch verhaltene weitere Schritte. Für Banken bedeutet dies eine deutlich höhere Planbarkeit bei der Refinanzierung sowie stabilere Repricing-Kurven, auch wenn eine Rückkehr zu den Margenniveaus vor 2022 nicht in Sicht ist.

Nachfrage: Der Knoten könnte platzen, aber unter Risikodisziplin

Die Bundesbank meldet für das zweite Quartal 2025 eine steigende Kreditnachfrage in nahezu allen Segmenten, besonders stark bei Unternehmenskrediten. Gleichzeitig haben die Banken ihre Vergabestandards weiter verschärft. Das Ergebnis ist eine wachsende Kreditpipeline, aber auch höhere Hürden bei der Umsetzung und eine stärkere Vorprüfung der Anträge.

Mittelstand: Kredithürde auf Rekord, das „Access Gap“ wächst

Laut KfW-ifo-Kredithürde berichten inzwischen mehr als 35 % der kleinen und mittleren Unternehmen von restriktiven Banken, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung und bereits der dritte Anstieg in Folge. Während große Unternehmen wieder leichter an Kredite gelangen, verschärft sich der Zugang für KMU. Hinzu kommt ein struktureller Trend, dass Investitionen zunehmend über Eigenmittel oder Leasing finanziert werden, was das klassische Bankgeschäft zusätzlich einschränkt. Hier sind KMU-spezifische Fast-Track-Programme mit standardisierter Bonitätsprüfung und enger Einbindung der Bürgschaftsbanken gefordert.

Baufinanzierung: Stabilisierung mit Fokus auf Bestand und Effizienz

Im Bereich der Baufinanzierung zeigt sich wieder eine moderate Belebung der Nachfrage, auch wenn die Zinsen zuletzt leicht gestiegen sind und sich eng an die Entwicklung der Bundesanleihen koppeln. Käufer reagieren mit längeren Zinsbindungen und einem optimierten Eigenkapitaleinsatz. Die wesentlichen Wachstumstreiber für 2025 sind die Finanzierung von Bestandsimmobilien, energetische Sanierungen sowie Investitionen in Mehrfamilienhäuser. Banken sollten ihre Produktarchitektur deshalb stärker auf Sanierungsdarlehen, Förder-kombinationen und Vermieter-CAPEX ausrichten und gleichzeitig durchgängig digitale Prozesse sicherstellen.

Hürden der Unternehmens-Kreditwende: Risikokosten bleiben Chefthema

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreichte im ersten Halbjahr 2025 rund 11.900 Fälle, ein Anstieg von 9,4 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders die Großinsolvenzen legten erneut zweistellig zu. Das hält die erwarteten Verluste hoch und zwingt Banken zu einer konsequenten Preisdisziplin. Um Risiken frühzeitig zu erkennen, müssen Frühwarnindikatoren wie Liquidität, Steuer- und Abgabenrückstände oder Energieintensität noch stärker in die Analyse einfließen, während Workout-Playbooks und Sektorlimite regelmäßig aktualisiert werden sollten.

ESG und Datenanforderungen: Vom „Nice-to-Have“ zum Preistreiber

Mit dem Inkrafttreten der CSRD und dem zunehmenden Aufsichtsinteresse rücken Klimarisiken und Transformationspfade stärker in den Fokus der Preisgestaltung. Besonders in der Immobilienfinanzierung und in energieintensiven Branchen sind Offenlegungsqualität und konkrete Sanierungspläne inzwischen ausschlaggebend für Kreditkonditionen. Banken sind daher gefordert, ihre Datenhaushalte zu professionalisieren, durch automatisiertes ESG-Datenmanagement, die Integration von Energieausweisen und Transformationspfaden sowie durch Sustainability-Linked Loan-Mechanismen mit klarer KPI-Kontrolle.

Digitalisierung & Künstliche Intelligenz: Vom Effizienztreiber zum Qualitätsfaktor

Die Digitalisierung des Kreditgeschäfts ist 2025 längst kein reines Effizienzprogramm mehr, sondern entwickelt sich zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Banken setzen zunehmend auf KI-gestützte Verfahren zur Bonitätsprüfung, automatisierte Dokumentenanalyse und digitale Kundeninteraktion. Diese Technologien verkürzen nicht nur die Durchlaufzeiten und senken Prozesskosten, sondern ermöglichen auch eine präzisere Risikoeinschätzung und individuellere Preisgestaltung.

Gleichzeitig wächst der Druck, regulatorische Anforderungen, u.a. zu Nachvollziehbarkeit und Fairness von Algorithmen, konsequent zu erfüllen. Institute, die Daten, KI und digitale Prozesse zu einer integrierten Kreditfabrik verbinden, verschaffen sich nicht nur einen Kostenvorteil, sondern auch ein Plus an Geschwindigkeit, Qualität und Kundenzufriedenheit.

Regulatorische Taktfrequenz 2025: CRR3 und DORA bestimmen das „How to Lend“

Mit der Umsetzung von CRR3 ab 2025 verändert sich die Kapitalökonomie im Kreditgeschäft spürbar. Der neu eingeführte Output-Floor begrenzt die Vorteile interner Modelle und zwingt Institute dazu, ihre RWA-Budgets entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Kreditvergabe bis zum Secondary Market – deutlich straffer zu steuern.

Parallel ist seit Januar 2025 die DORA-Verordnung in Kraft, die strengere Anforderungen an den Umgang mit IT- und Drittparteirisiken, an Auslagerungen sowie an das Incident-Reporting stellt. Für Banken heißt das: Kreditplattformen, Dienstleister und Datenlieferanten müssen durchgängig überprüft werden, und die Kreditorganisation hat ihre Resilienz nachweisbar abzusichern.

Strategische Handlungsfelder 2025/26: Vom Pricing bis zur Daten-/KI-Exzellenz

Für Banken heißt das in 2025/26, ihr Preis- und Portfolio-Modell grundlegend weiterzuentwickeln, mit einer noch feineren risikobasierten Bepreisung nach Kundengröße, Branche, ESG-Status und Sicherheiten-Qualität. Gleichzeitig gilt es, die anstehenden Sanierungs- und Investitionswellen aktiv zu begleiten, etwa durch Förderdarlehen, Sustainability-Linked Loans oder die Rolle als Arranger bei Transformationsfinanzierungen.

Besonders im Mittelstand müssen Institute das bestehende „Access-Gap“ schließen, etwa durch vereinfachte Prüfprozesse, Bürgschaftsbanken-Anbindung und spezialisierte KMU-Teams. Zudem sind die Kreditprozesse widerstandsfähiger und regulatorisch konform auszurichten, indem DORA-Vorgaben durchgängig in der Kreditfabrik umgesetzt und Partnerverträge auf klare Resilienz-Kennzahlen ausgerichtet werden.

Schließlich werden Daten und KI zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil, wenn ESG-, Immobilien- und KMU-Daten systematisch mit KI-gestützten Analyse- und Scoringverfahren verknüpft werden. Dadurch lassen sich Kreditentscheidungen schneller, präziser und transparenter treffen, Genehmigungsquoten erhöhen und Cross-Selling-Potenziale gezielt erschließen.