Klimarisiko-, Szenario- und Resilienzanalyse: Struktur im Begriffschaos

Die Analyse klimabezogener Risiken und Chancen gewinnt durch regulatorische Entwicklungen wie die EU-Taxonomie, die ESRS im Rahmen der CSRD sowie steigende Anforderungen von Investoren und Stakeholdern zunehmend an Bedeutung. Klimarisikoanalyse, Szenarioanalyse und Resilienzanalyse – diese drei Konzepte sollen Unternehmen in die Lage versetzen, Risiken und Chancen ganzheitlich zu bewerten. Doch wie können diese Ansätze harmonisiert werden, und welche Unterschiede bestehen zwischen ihnen? Dieser Beitrag bringt Klarheit und zeigt, wie die Begriffe zusammenhängen und zur strategischen Unternehmenssteuerung in Zeiten klimatischer Veränderungen sowie wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transformation beitragen können.

Klimarisikoanalyse: klimabezogene Risiken und Chancen identifizieren

Eine Klimarisikoanalyse identifiziert und bewertet die Risiken und Chancen, die sich aus dem Klimawandel und der Transformation hin zu einer CO₂-ärmeren Wirtschaft ergeben. Klimabezogene physische Risiken resultieren aus akuten Klimagefahren wie Hitzewellen und Dürren oder chronischen Klimagefahren wie Temperaturveränderungen und die Versauerung der Meere. Einzelne Wetterereignisse sowie langfristige Klimaentwicklungen beeinflussen wirtschaftliche Aktivitäten und Vermögenswerte: Das 2021 durch Extremregen verursachte Hochwasser im Ahrtal führte beispielsweise laut Schätzung der Deutschen Bahn zu Infrastrukturschäden von rund 1,3 Milliarden Euro. Darüber hinaus ergeben sich aus der Transformation hin zu einer CO₂-ärmeren Wirtschaft klimabezogene Übergangsrisiken und -chancen für Unternehmen, wie z.B. strengere regulatorische Vorgaben, CO₂-Bepreisung oder sich wandelnde Kundenanforderungen.

Klimarisiken haben nicht nur Auswirkungen auf die Realwirtschaft, sondern betreffen auch Banken und Versicherungen. Dort treten sie in Form von Kredit- und Portfoliorisiken bzw. Asset- und Underwriting-Risiken auf, die in die Bewertung von Krediten, Investitionen und Versicherungsprämien einfließen.

Als Teil des allgemeinen Risikomanagements fokussiert sich die Klimarisikoanalyse gezielt auf diese klimabezogenen Treiber und deren finanzielle und operationellen Auswirkungen. Die identifizierten wesentlichen klimabezogenen Risiken und Chancen wiederum sind Bestandteil der doppelten Wesentlichkeitsanalyse, dem zentralen Instrument in der CSRD für die Bestimmung der relevanten Nachhaltigkeitsthemen eines Unternehmens.

Szenarioanalyse: Blick in mögliche Zukunftspfade

Die Zukunft ist unsicher – insbesondere in Bezug auf Klimapolitik, technologische Entwicklungen und physische Klimaveränderungen. Im Umgang mit diesen Unsicherheiten bieten Szenarioanalysen hier ein methodisches Instrument, um unterschiedliche plausible Zukunftspfade zu evaluieren. Unternehmen untersuchen zum Beispiel, ob durch Klimagefahren unter Szenarien mit unterschiedlichen Treibhausgaskonzentration Risiken für ihre Standorte und Vermögenswerte entstehen oder wie sich ein ambitioniertes +1,5 °C-Szenario mit rascher Dekarbonisierung im Vergleich zu einem verzögerten +3 °C-Szenario auf ihre Wertschöpfungskette, Märkte und Finanzlage auswirkt. Szenarien sind keine Vorhersagen, sondern Werkzeuge, die die Bandbreite möglicher Entwicklungen abbilden und ein besseres Verständnis darüber vermitteln, wo Chancen und Risiken liegen.

Resilienzanalyse: Widerstands- und Anpassungsfähigkeit bewerten

Aufbauend auf den Ergebnissen einer Risiko- und Szenarioanalyse lässt sich die Resilienz beurteilen: die Fähigkeit eines Unternehmens sich an Klimaveränderungen und an Entwicklungen oder Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel anzupassen. Während die Risiko- und Szenarioanalyse die finanziellen und operativen Auswirkungen der klimabezogenen Risiken und Chancen unter verschiedenen Szenarien untersucht, stehen bei einer Resilienzanalyse die strategischen Folgen dieser Analysen und entsprechende Handlungsempfehlungen im Fokus: Wie widerstandsfähig sind Geschäftsmodelle und wie robust sind die bestehenden Strategien? Wo sind Anpassungen – etwa Investitionen in Klimaanpassung, Änderungen im Produktportfolio, die Diversifizierung von Lieferketten oder strategische Neuausrichtungen – erforderlich, um die Wettbewerbsfähig unter veränderten Rahmenbedingungen zu sichern?

Wie hängen die drei Konzepte zusammen?

Die Klimarisikoanalyse bildet den übergeordneten Rahmen, in dem klimabezogene physische und Übergangsrisiken sowie Chancen systematisch identifiziert und bewertet werden. Die Szenarioanalyse ist dabei ein zentrales methodisches Werkzeug, um die Auswirkungen dieser Risiken und Chancen unter verschiedenen, plausiblen Zukunftspfaden besser zu verstehen und zu quantifizieren. In der Resilienzanalyse werden diese Erkenntnisse weitergedacht und in einen strategischen Kontext gestellt.

Die drei Konzepte sind keine isolierten Ansätze, sondern Teile eines integrierten Prozesses. Idealerweise werden sie im Rahmen des unternehmensweiten Risiko- & Chancenmanagements und der strategischen Planung gemeinsam betrachtet und verzahnt.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Klimarisikoanalyse, Szenarioanalyse und Resilienzanalyse sind nicht nur regulatorische Pflichtübungen, sondern wichtige Instrumente für eine zukunftsfähige Unternehmenssteuerung. Drei zentrale Schritte helfen, diese systematisch zu verankern:

  1. Grundlagen schaffen und Risiken identifizieren: Erfassung der relevanten Klima- und Unternehmensdaten und Bewertung der Risiken und Chancen für Vermögenswerte und Geschäftsmodelle.
  2. Resilienz prüfen: Bewertung der Widerstandsfähigkeit bestehender Strategien und Ableitung des Anpassungsbedarfs.
  3. Integration und Kommunikation: Einbindung der Erkenntnisse in Strategie- und Risikomanagementprozesse und transparente Kommunikation.

Angesichts zunehmender Regulierung und klimabedingter Unsicherheiten wird die Fähigkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen und Resilienz zu stärken, zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Unternehmen, die diese Konzepte und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in ihre Unternehmenssteuerung integrieren, können sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern.