Keine Kreislaufwirtschaft ohne Innovation und grundlegende Transformation

Vorteil in den Märkten der Zukunft sein. Davon bin ich überzeugt. Die aktuellen Messungen zur Nachhaltigkeit unseres Planeten stehen unter keinen guten Vorzeichen: Klimawandel, Verschmutzung und Artensterben nehmen global zu. Und das hat viel mit der Ressourcennutzung unserer Wirtschaft zu tun, die noch zu oft in eine lineare Richtung geht anstatt in eine zirkuläre. Aber: Ohne eine systematische und grundlegende Transformation unserer weltweiten Wirtschaftsmodelle wird uns dieser Übergang nicht gelingen. Jedes Unternehmen und jede Branche muss sich verändern – und zwar jetzt und heute. Dabei müssen wir systemisch und entlang der gesamten Wertschöpfungskette denken und aufzeigen, wie wir Wachstum vom Verbrauch natürlicher oder fossiler Ressourcen entkoppeln können.

B2C und B2B

Wir bei Henkel betrachten diese Herausforderung aus einer besonderen Perspektive, da wir weltweit sowohl im Bereich der Konsumentenprodukte als auch im Industriegeschäft tätig sind. Die Hebel, über die wir verfügen, werden besonders deutlich mit Blick auf das Verpackungsbeispiel. Kunststoff hat viele Vorteile, aber um das Material so lange wie möglich in den Wirtschaftskreisläufen zu erhalten, müssen wir unser Verpackungsdesign in allen Dimensionen neu denken. Wir optimieren die Verpackungen unserer Konsumgüter kontinuierlich – mit dem Ziel, die Menge an Verpackungsmaterial zu reduzieren und Verpackungen so zu gestalten, dass diese so wenig CO2 emittieren wie möglich und wieder als Rohstoffe für neue Produkte Verwendung finden. Bis 2025 sollen all unsere Verbraucherverpackungen wiederverwertbar oder recyclebar werden. Gleichzeitig ist Henkel Lieferant für die Verpackungsindustrie. Das heißt, unsere Expert:innen entwickeln innovative Verpackungsklebstoffe, die unseren Industriekunden dabei helfen, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Lebensdauer und die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte zu erhöhen.

Verklebt und „entklebt“

Kunststoffe sind jedoch nicht die einzigen Materialen, die wieder in einen Kreislauf gelangen sollten. Jedes Material hat seinen Wert und sollte wiederverwendet oder recycelt werden; dazu gehören auch Metalle, Glas und Gummi oder Endprodukte wie Autos und Handys.

In diesem Zusammenhang ist „Debonding“ eine Schlüsseltechnologie. Als Weltmarktführer im Bereich Kleben, Dichten und Oberflächentechnologie entwickelt Henkel Klebstofflösungen, die sich durch verschiedene Methoden wie Erhitzen, UV-Bestrahlung oder Verwendung von Nahinfrarot (NIR)-Laser kleben und wieder lösen lassen. Denn nur wenn mehrschichtige Verpackungen am Ende der Wertschöpfungskette wieder voneinander getrennt werden, können sie entsprechend sortiert und als Wertstoffe zurück in den Kreislauf gegeben werden. Klebstoffe können also dazu beitragen, Reparatur- und Recyclingoptionen für eine Vielzahl von Produkten zu verbessern.

Regulieren um zu Reparieren

Die Nachfrage nach „Debonding-Lösungen“ steigt gerade bei den Industriekunden, die erkannt haben, wie diese ihnen dabei helfen, Ressourcen zu sparen und ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Debonding kann aber auch dabei helfen, bei neuen regulatorischen Änderungen einen Schritt voraus zu sein.

Die Elektronikindustrie ist ein gutes Beispiel. Eine neue geplante Gesetzgebung in der Europäischen Union zielt darauf ab, Verbraucher:innen das Recht zu geben, Produkte ohne spezielles Wissen oder Werkzeuge selbst zu reparieren. Das stellt eine große Herausforderung für Gerätehersteller dar. Sie benötigen Lösungen wie lösliche Klebstoffe, um Designs zu entwickeln, die diesen neuen gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Ersetzen und recyceln

Auch der Automobilsektor bietet großes Potenzial für Fortschritte auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft. Automobilhersteller arbeiten daran, die Reparaturfähigkeit und Recyclingfähigkeit von Autos zu verbessern. Wer hier führt, baut sich ganz klar einen Wettbewerbsvorsprung auf.

Henkels Lösungen unterstützen bereits zum Beispiel bei der Reparatur von Autoleuchten. Früher war es unmöglich, das Gehäuse der Leuchte zu öffnen, ohne es zu beschädigen. Heute ermöglichen unsere Klebstofflösungen das problemlose Öffnen des Gehäuses und den Austausch von Komponenten, ohne die gesamte Leuchte ersetzen zu müssen.

Solche Technologien haben ein enormes Potenzial, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, wertvolle Materialien am Ende des Produktlebenszyklus zu erhalten oder Materialien zu trennen, die nicht als Ganzes recycelt werden können. Solche Innovationen sind es, die uns unserer Vision näherbringen, grundsätzlich regenerativ zu denken und zu handeln und Wachstum schrittweise vom Verbrauch endlicher Ressourcen zu entkoppeln. Hier einen Beitrag zu leisten, liegt nicht nur in der Verantwortung eines jeden Unternehmens und einer jeden Branche, sondern es wird auch ein existentieller Vorteil in den Märkten der Zukunft sein. Davon bin ich überzeugt.