Folgen wir der öffentlichen Debatte in Deutschland, scheint innovative Medizin vor allem eins zu sein: Eine gigantische Belastungsprobe für unsere Sozialsysteme. Dabei ist dieser Blickwinkel gefährlich kurzsichtig. Denn Ausgaben für innovative Gesundheitslösungen sind kein Konsum – sie sind eine Investition in unsere Zukunft: In Produktivität, Wertschöpfung und Wohlstand – und in geopolitisch unsicheren Zeiten längst auch in nationale Sicherheit.
Innovationen zahlen sich aus
Die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache: Die industrielle Gesundheitswirtschaft ist ein Motor für die gesamte Wirtschaft – jeder verdiente Euro entfaltet über den Sektor hinaus zwei zusätzliche Euro an Wertschöpfung. Diesen Motor regulatorisch zu drosseln, hat nichts mit Sparen zu tun – es ist Wohlstandsvernichtung.
Vielmehr sollten wir mehr Innovation wagen.
Denn ein innovationsstarker Gesundheitsstandort ist nicht nur eine der wenigen Antworten auf die strukturelle Krise unserer Wirtschaft – er ist gleichzeitig eine nachhaltige Lösung für die Ausgabendynamik im Gesundheitswesen. Eine aktuelle Studie zeigt: Pro Jahr könnten im Gesundheitswesen Effizienzreserven in Höhe von 40 Milliarden Euro freigesetzt werden, wenn wir endlich konsequent auf Innovation setzen.
Jetzt die Bremse lösen
Zur Wahrheit gehört aber auch: Medizinische Innovationen haben es in Deutschland nicht leicht. Denn das globale Rennen um die medizinischen Schlüsseltechnologien von morgen ist ein Wettbewerb der Rahmenbedingungen. Forschung, Talente und milliardenschweres Risikokapital fließen dorthin, wo sie die höchste Dynamik entfalten können. Wer Verlässlichkeit, Tempo und Offenheit für Innovationen bietet, gewinnt – wer mit Bürokratie und Regulatorik bremst, fällt zurück.
Während andere Staaten – allen voran die USA und China – knallharte Industriepolitik betreiben und Innovationspfade mit höchster Geschwindigkeit ebnen, stand Deutschland zuletzt häufig auf der Bremse: Mit einer überbordenden Bürokratie, der heute in der pharmazeutischen Industrie jede fünfte Arbeitsstunde zum Opfer fällt. Mit auferlegten Zwangsrabatten, die den Wert von Innovationen reduzieren und – willkürlich heraufgesetzt – das Vertrauen in den Innovationsstandort Deutschland untergraben.
Die Folge: Einst die ‘Apotheke der Welt’ droht Deutschland heute zunehmend zum reinen Konsumenten medizinischer Innovationen zu werden, die woanders erforscht, entwickelt und produziert werden – und schafft sich damit gefährliche Abhängigkeiten.
Vom Konsens zur Konsequenz
Die gute Nachricht: Die Bundesregierung hat den Wert einer starken industriellen Gesundheitswirtschaft für Deutschlands Zukunft erkannt. Dafür steht das Bekenntnis zur Gesundheitswirtschaft als Leitindustrie im Koalitionsvertrag – dafür steht auch der im vergangenen Jahr im Bundeskanzleramt initiierte Pharma- und Medizintechnik-Dialog. Doch Dialog allein sichert noch keinen Standort – jetzt gilt es, vom Konsens zur Konsequenz zu kommen, um Deutschland im globalen Wettbewerb um die Medizin der Zukunft wieder an die Weltspitze zu führen.
- Wir brauchen jetzt eine ganzheitliche und langfristige Strategie, die Gesundheitsversorgung, Wirtschaft und Sicherheit zusammendenkt. Das Vertrauen in stabile und planbare Rahmenbedingungen ist die Grundvoraussetzung, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
- Der Wert medizinischer Innovationen muss auch hierzulande anerkannt werden. Ein faires Marktumfeld ohne künstliche Preisdeckel und Leitplanken ist der beste Magnet für privates Risikokapital und langfristige Investitionen.
- Geschwindigkeit ist Wettbewerbsfähigkeit. Zügige und pragmatische Genehmigungsprozesse, harmonisierte Standards und ein radikaler Abbau der Bürokratie sind entscheidend, um in Zukunft wieder alle Kraft auf Innovation zu lenken.
Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland wieder die ‘Apotheke der Welt’ werden kann – als Innovationsführer, der Spitzenforschung, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit mit State of the Art-Medizin vereint. Die Therapie dafür haben wir – jetzt geht es darum, sie konsequent einzusetzen und den Innovationsstandort Deutschland fit für die Zukunft zu machen