Betriebsrenten deutscher Unternehmen: Gute Zahlen, ungelöste Risiken

Im Bereich der betrieblichen Altersversorgung haben deutsche Unternehmen gute Jahre hinter sich: Höhere Rechnungszinsen, eine zunächst rückläufige Inflation und robuste Kapitalmärkte haben die Bilanzen entlastet. Doch hinter den Durchschnittswerten verbergen sich erhebliche Unterschiede – zwischen Indizes, Sektoren und einzelnen Unternehmen.

Der Zins bleibt der stärkste Hebel

Der IFRS-Rechnungszins für einen typischen Mischbestand lag zum Bilanzstichtag 2025 etwa 65 Basispunkte über dem Vorjahresniveau. Da ein höherer Diskontierungszins die Defined Benefit Obligation schrumpfen lässt, sinken die ausgewiesenen Pensionslasten deutlich. Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Die niedrigere Inflation schlug sich in den Rententrendannahmen nieder, die 2025 rund 13 Basispunkte unter dem Vorjahreswert lagen. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Entwicklung fort – der Rechnungszins stieg je nach Duration und Ableitungsverfahren um weitere 10 bis 15 Basispunkte, im Juli und August kam ein nochmals deutlicher Zinsanstieg hinzu. Gleichzeitig profitierten die Planvermögen von soliden Anleiheerträgen und einem trotz geopolitischer Unsicherheiten stabilen Kapitalmarkt.

Ausfinanzierung: DAX vorn, SDAX weit dahinter

Die Funding Ratios zeigen ein klares Gefälle: Der DAX kommt in den Jahresabschlüssen aus 2025 aggregiert auf rd. 88 Prozent, der MDAX auf rd. 67 Prozent und der SDAX auf lediglich rd. 48 Prozent.

60 Prozent der DAX-40-Unternehmen sind zu mindestens 80 Prozent ausfinanziert – im MDAX sind es 32 Prozent, im SDAX lediglich 16 Prozent. Dies ist insbesondere auf die unterschiedliche Bedeutung von Pensionen in den einzelnen Indizes zurückzuführen. Für das „typische“ SDAX Unternehmen sind Pensionsverpflichtungen eher ein Nebenthema – 23 % weisen gar keine Verpflichtungen aus.

Auffällig ist auch die hohe Konzentration der Verpflichtungen auf einzelne Unternehmen: Vier DAX-Konzerne stehen für mehr als ein Drittel von Verpflichtung und Planvermögen. Im MDAX summieren sich die Verpflichtungen auf rund 69 Milliarden Euro, allein 30 Prozent davon entfallen auf die Lufthansa. Im SDAX sind es nur etwa acht Milliarden Euro, die Hälfte davon bei vier Unternehmen.

Kapitalanlage: konservativ mit Nachdruck

Die Assetallokation der deutschen Unternehmen bleibt defensiv geprägt: Eine hohe Anleihenquote dominiert insgesamt, hohe Aktienquoten sind nur vereinzelt beobachtbar.

Das ist kein Zufall: Wer eine hohe Funding Ratio erreicht hat, sichert sie ab – über Liability-Driven Investing, bei kürzeren Durationen über Cashflow-Matching, flankiert von deutlich gestiegenen Hedge-Quoten gegen Zinsrisiken. Umgekehrt halten Unternehmen mit schwacher Ausfinanzierung häufig höhere Growth-Anteile. Hohe Aktienquoten trotz guter Deckung sind die Ausnahme – etwa bei Telekom, Mercedes oder Rheinmetall. Private Markets, vor allem Infrastruktur und Private Credit, werden schrittweise aufgebaut, bislang aber nur von wenigen Häusern in relevantem Umfang.

Renditen: solide Mitte, große Streuung

Im Geschäftsjahr 2025 erzielten die DAX-Planvermögen durchschnittlich 3,7 Prozent, der MDAX 2,9 und der SDAX 2,6 Prozent – bei einer Spanne von minus 1,1 bis plus 12,3 Prozent im DAX. Bemerkenswert: Mehr als ein Viertel der DAX-Unternehmen, 38 Prozent im MDAX und 40 Prozent im SDAX blieben unter zwei Prozent Rendite. Angesichts der aktuell am Markt erzielbaren Renditen liegt hier ungenutztes Potenzial.

Sektoren mit klaren Mustern

Materials und Utilities tragen indexübergreifend die höchsten Pensionslasten, sind aber überdurchschnittlich gut ausfinanziert. Real Estate weist die geringste Belastung und gleichzeitig die schwächste Deckung auf. Bei Financials dominieren Rückdeckungsversicherungen, im Health-Care-Sektor liegt die Anleihequote bei 60 Prozent.

Was jetzt auf die Agenda gehört

Die Entlastung ist konjunkturell, nicht strukturell. Die Inflation in Deutschland ist von 1,8 Prozent im Dezember 2025 auf 2,8 Prozent im Juli 2026 gestiegen – hält sie sich dort, drohen über Rentenanpassungen Belastungen für Bilanz und Liquidität. Und jeder künftige Zinsrückgang trifft schlecht ausfinanzierte Pläne mit voller Wucht. Drei Themen sollten daher priorisiert werden: die Absicherung erreichter Deckungsgrade, eine ertragsorientierte Neuausrichtung schwacher Portfolios – gerade im MDAX und SDAX – sowie eine professionalisierte Governance der Kapitalanlage. Pensionsvermögen sind kein Nebenschauplatz der Bilanz, sondern ein aktiv zu steuernder Risikoblock.

Weitere Informationen zu Pension Assets im DAX, MDAX und SDAX lesen Sie im aktuellen PwC Pension Asset Briefing: