Banken-Skyline in Frankfurt: Bei Datenabfragen der EZB stehen Kosten und Nutzen aus Sicht vieler Banken in keinem angemessenen Verhältnis. Foto: dpa
In einer Umfrage üben Geldhäuser Kritik an der europäischen Bankenaufsicht und fordern Veränderungen – auch wegen der erwarteten Deregulierung in den USA unter Donald Trump.
Frankfurt. Zahlreiche Geldhäuser mahnen anlässlich des zehnten Geburtstags der europäischen Bankenaufsicht Reformen an. In einer Umfrage unter großen EU-Instituten erklärten 58 Prozent, sie empfänden die Beaufsichtigung als Wettbewerbsnachteil gegenüber Banken, die nicht von der EZB kontrolliert werden.
An der Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), der Beratungsgesellschaft KPMG und des Center for Financial Studies (CFS) der Frankfurter Goethe-Universität nahmen 31 Institute aus zehn Ländern teil, die von der EZB beaufsichtigt werden. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.
Alle befragten Banken sind der Ansicht, dass sich die Qualität der Bankenaufsicht seit der Übernahme durch die EZB verbessert hat. Die Kontrolle durch die Zentralbank sei effektiver und auch aufdringlicher als durch die nationalen Aufsichtsbehörden vor 2014, heißt es in einer Analyse der Umfrageergebnisse.
Kritisch sehen die Institute jedoch, dass ihre Compliance-Kosten seit dem Start der EZB-Bankenaufsicht drastisch gestiegen sind. Etwa die Hälfte der befragten Institute klagt zudem, die EZB gehe bei der Kontrolle von Banken zu pauschal vor und berücksichtige die Größe, das Risikoprofil und das Geschäftsmodell verschiedener Geldhäuser nicht ausreichend.
Darüber hinaus monieren die Banken die umfangreichen Datenabfragen. 74 Prozent der Institute sind der Ansicht, dass die damit verbundenen Kosten in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen der Daten für die EZB und die Finanzstabilität stehen.
Angst vor Nachteilen gegenüber US-Instituten
BdB, KPMG und CFS fordern deshalb, die EZB müsse die regulatorischen Kosten für Geldhäuser senken und stärker auf deren Wettbewerbsfähigkeit achten. „Die EZB-Bankenaufsicht sollte sich neben der Sicherheit und Zuverlässigkeit der europäischen Banken auch die Unterstützung des Wirtschaftswachstums in Europa als Ziel setzen“, fordern die Autoren.
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Dies bedeute nicht die Absenkungen von Aufsichtsstandards, schreiben BdB, KPMG und CFS: „Damit würde aber die Verpflichtung verankert, dass Aufseher berücksichtigen müssen, welche Auswirkungen ihre Vorgaben und Maßnahmen auf Banken haben und deren Fähigkeit, die Wirtschaft zu finanzieren.“
Die Debatte über europäische Bankenregeln hat an Intensität gewonnen, weil der künftige US-Präsident Donald Trump amerikanischen Geldhäusern laxere Vorschriften in Aussicht gestellt hat. Aus Sicht von BdB-Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff besteht deshalb Handlungsbedarf: „Wir werden in Europa reagieren müssen, damit unsere Banken nicht benachteiligt werden.“
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bezeichnet Wettbewerbsnachteile gegenüber US-Instituten wegen der erwarteten Deregulierung als „eines der größten Risiken für europäische Banken“. 80 Prozent der Regeln für Geldhäuser seien richtig, sagte er vergangene Woche auf einer Finanzkonferenz: „Aber wir müssen jetzt wirklich sorgfältig darüber nachdenken, wie wir eine Chancengleichheit sicherstellen, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können.“
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