Auf deutsches Gas und CCS setzen“ – echt, jetzt!?

Mal vorweg: heimische Erdgasförderung und CCS (inkl. CO2-Einspeicherung in Deutschland) sind nicht Teil des Mainstream-Wunschkonzerts für einen gelungenen Umbau der Energielandschaft in Deutschland.

Sie sind auch nicht alternativlos. Wir können auf beides verzichten:

  • Erdgas können wir als LNG in großen Mengen importieren, solange wir es noch brauchen.
  • CO₂ können wir bei unseren Nachbarländern einspeichern, sofern wir CCS überhaupt zur Dekarbonisierung einsetzen wollen.

Aber, ob es uns nun gefällt oder nicht, die wirkliche Frage lautet nicht, ob wir auf diese Optionen verzichten können, sondern ob wir auf sie verzichten sollten, insbesondere ob wir uns einen Verzicht leisten können?

Wer sich die Antwort nicht ideologisch oder politisch aufgeladen, sondern faktenbasiert und ergebnisorientiert geben will, wird sich insbesondere fragen, was der volkswirtschaftliche Nutzen ist, ob wir diese Technologien umweltverträglich einsetzen können und, insbesondere, welche Handlungsalternativen es gibt. So nähern sich übrigens unsere europäischen Nachbarländer diesem Abwägungsprozess an: nicht als Absage an Lösungen mit erneuerbaren Energien, sondern als pragmatischen Beurteilung dessen, was diese Optionen auf dem Weg zur Klimaneutralität beitragen können.

  1. Die heimische europäische Erdgasproduktion trägt zu Deckung des großen Erdgasbedarfs bei, der immer noch mehr als 25% des deutschen Energiebedarfs ausmacht. Sie ist seit Jahrzehnten etabliert, auch in Deutschland. Sie sichert mit höchsten Umweltstandards die Versorgung mit Erdgas ab, bei der wir nach dem Ende der russischen Lieferungen zunehmend auf den globalen LNG-Markt angewiesen sind. Zu Recht betont auch die neue Bundesregierung ihr Interesse, die deutsche Erdgasproduktion stärker zu berücksichtigen. Sie reduziert Abhängigkeiten und sorgt für Druck auf Preise. Dabei führt sie nicht zu einer verlängerten Nutzung von Erdgas, sondern vermeidet alternativ erforderliche LNG-Importe, die eine bis zu 30% schlechtere CO₂-Bilanz haben. Wichtig: wenn kein Erdgasbedarf in Deutschland mehr besteht, wird hier auch kein Erdgas mehr produziert.
  2. Eine erfolgreiche Carbon Management Strategie öffnet sich auch für die CO₂-Einlagerung in Deutschland; das muss Onshore-CCS miteinschließen. Selbstverständlich unter engen Umweltauflagen. Warum auch Onshore? Den auf CCS angewiesenen Unternehmen muss eine kosteneffiziente Lösung zur Dekarbonisierung zur Verfügung stehen, die weder diese Unternehmen noch den Staat finanziell überfordert. Onshore-CCS hat das Potenzial, die Gesamtkosten für CCS im Vergleich zu Offshore-CCS in großer Entfernung zu halbieren.

Wie gesagt, es bleibt eine Abwägung: wir haben die Wahl, und die kann auch unbequem sein. Aber wir sollten die Debatte ehrlich machen. Die medial so eingängige Formel „fossil böse, erneuerbar gut“ liefert bei der Herausforderung, wie Deutschland wettbewerbsfähig bleibt und zugleich eine erfolgreiche Transformation abliefert, leider nicht alle Antworten. Es geht um den Kern der industriellen Tätigkeit und Arbeitsplätze in Deutschland: energieintensive Unternehmen, die mit den hohen Energiepreisen nicht umgehen können, um ihre Wettbewerbsfähigkeit bangen und keinen klar definierten Weg für eine wirtschaftlich machbare Dekarbonisierung haben. Und es geht um Klimaschutz: die erfolgreiche und bezahlbare Erreichung der Klimaschutzziele für die kommenden Jahrzehnte ist auch in Deutschland mindestens ungewiss. Kurz: es geh um den Erhalt des Industriestandorts Deutschland.

In dieser kritischen Situation für die deutsche Industrie gehören alle wirksamen Optionen auf den Tisch. Sie sind pragmatisch mit Blick auf Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit abzuwägen. Wer Lösungen ablehnt, muss konkret erklären, warum und wie stattdessen erfolgversprechend vorgegangen wird. Dabei wird der bloße Hinweis auf einen verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien nicht ausreichen.

Noch verfügen wir in Deutschland über das nötige Know-how, um die beiden genannten Optionen erfolgreich zu entwickeln. Zur Wahrheit gehört auch, dass die in Deutschland aktiven Öl- und Gasproduzenten international aufgestellt sind. Sie investieren – auch bei CCS – dort, wo ihre Technologien als Teil der Transformation gefragt sind. In Europa und darüber hinaus.